In Wangen bleibt
man hangen
Naturschutzgebiete

Lehrpfad Buch-Fronwiesen

Spekuliert wird bis heute noch darüber, wozu das Buch zu ganz früher Zeit gedient haben mag. War es eine keltische Erdburg, eine römische Befestigungsanlage oder eine Schwedenschanze? Fest steht, dass 1857 das Spielen für Kinder dort verboten wurde, weil dieser Platz zum Vergnügungspark für Erwachsene bestimmt war - ein Naherholungsgebiet also bereits Mitte des vorigen Jahrhunderts.

Die Moorbereiche, nährstoffarmen Wiesen, Misch- und Bruchwälder, Weiher und Bäche bieten auf kleinem Raum den verschiedensten Tierarten Lebensräume. Man kann fast sagen, das Gebiet ist ein Querschnitt durch fast alle Landschaftselemente des Allgäus.

Allein auf der Vogelartenliste stehen schon mehr als 135 Vogelarten, die im Bereich zwischen Hammerweiher und Schießstattweiher entdeckt wurden. Auf den nährstoffarmen Wiesen gedeihen unzählige Orchideenarten und ein breites Artenspektrum an Wildgewächsen.

Viele Zugvogelarten, die im Herbst von den nördlichen Brutgebieten aus Skandinavien oder den östlichen Staaten in Richtung Süden fliegen, verweilen nicht nur am Bodensee. Manche unter ihnen verbringen auch einige Zeit bei in Wangen. Der Nachtreiher oder die Bekassine suchen häufig nasse Stellen auf.

Oft sammeln sich große Schwärme von Fitis und Zilpzalp entlang des Mühlbaches. Diese Vögel suchen in den Stauden und Sträuchern nach Insekten und Beeren, welche ihnen die nötigen Reserven für den Weiterzug geben. In dieser Zeit gelingen dann Beobachtungen seltener Vögel wie dem Braunkehlchen, das regelmäßig durchzieht. Dagegen zieht das Schwarzkehlchen sehr selten durch. Im Frühjahr taucht gelegentlich der Wiedehopf auf.

Das Gebiet wird regelmäßig durch den Naturschutzbund Deutschland Ortsgruppe Wangen e.V. gepflegt. Auch Schulklassen unter Anleitung von Naturschutzbund Mitarbeitern helfen mit, die zahlreichen verschiedenen Lebensräume zu erhalten.

Orchideen bevorzugen nährstoffarme Böden. Der zunehmende Nährstoffeintrag, ist deutlich an der Ausweitung der Schilfflächen zu erkennen. Der Rückgang des Sumpfrohrsängers von ehemals 15 Brutpaaren auf heute noch gerade 2 Paare ist sehr bedenklich. Der Neuntöter ist als Brutvogel mittlerweile völlig verschwunden.

Positiv auf die Vogelwelt ung den Bestand an Fröschen und Lurchen hat sich der Aufstau der Eiswiese ausgewirkt. Zur Zugzeit tummelt sich dort gerne die seltene Knäckente, es brüten Zwergtaucher, Stockenten und Bläßhphner aud dem Weiher. Für Grasfrosch und Wasserfrosch, aber auch für den Bergmolch, ist dabei ein gutes Laichgewässer entstanden.

Folgt man dem Weg von der Eiswiese zum Hammerweiher, so bietet sich bei der Birkenallee dem Naturfreund der Anblick des herrlichen Hangmoores. Zu allen Jahreszeiten zeigt es sich in anderen Farben. Orchideen blühen darin; an sehr feuchten Stellen wächst der Fieberklee, ein Enziangewächs. Hier ist die Jährliche Pflege durch eine späte Mahd im September besonders wichtig.

Der Schneeball und das Pfaffenhütchen sind nur einige der verschiedenen heimischen Sträucher, welche mit ihren Blüten und Früchten zahlreiche Insekten und Vögel anlocken. Der Faulbaum und der Kreuzdorn sind die herbstliche Hauptnahrung ziehender Grasmückenarten. Im Frühjahr fällt der weiße Eisenhutblättrige Hahnenfuß auf, der die sehr nassen Flächen nördlich der Eiswiese besiedelt. Im Sommer prägen verschiedene Seggenarten das Bild der Fronwiesen mit ihren verschiedenen Grüntönen.

Der Graureiher erscheint gelegentlich als Nahrungsgast am Weiher. Er jagt im seichten Wasser nach Fischen und Amphibien. Früher brütete er in großen Kolonien, was aber nach starker Bejagung sehr selten geworden. Er ist heute streng geschützt. Auffällig ist sein Flugbild mit dem eingezogenen Hals.

Zu den regelmäßigen Brutvögeln gehört der Höckerschwan. Meistens legt er sein umfangreiches Nest am Rande des Schilfbestandes an. Je nach Nahrungsangebot, und dies ist hier durch das Füttern manchmal viel zu üppig, zieht der Höckerschwan dann bis zu 8 Jungen groß. Diese Jungvögel werden oft erst mit Beginn der nächsten Brutzeit von den Altvögeln vertrieben.

Die Stockente gehört zu den Schwimmenten oder Gründelenten. Zur Brutzeit sind die Männchen an ihren flaschengrünen Köpfen leicht zu erkennen. Die Weibchen sind durchwegs braun mit feiner schwarzer Zeichnung. Ihr Gelege besteht aus 7-11 Eiern. Stockenten können ein Alter von über 20 Jahren erreichen.

Etwas kleiner als die Blessralle ist die Teichralle. Beim Schwimmen sieht man das typische Kopfnicken und das Zucken des gestelzten Schwanzes. Teichrallen verhalten sich meist heimlicher als Blessrallen. Die Nester der Teichralle werden im Schilfgürtel angelegt. Von den 6-8 Jungen einer Brut sterben ca. 69% im ersten Lebensjahr. Höchstalter 10-15 Jahre.

Ein sehr auffälliger und noch häufiger Vogel. Er gehört zu den Rallen, ist also kein Hühnervogel. An das Schwimmen sind Blessrallen durch die lappenartigen Schwimmhäute gut angepasst. Schnabel und Stirnschild leuchten kräftig weiß. Blessrallen ernähren sich sowohl pflanzlich als auch von Kleintieren. Hin und wieder sieht man sie auf der Wiese "grasen". Die Blessrallen bauen sich ihre Brutnester aus Pflanzenteilen und verankern sie an Halmen oder Ästen. 5-10 Eier sind die Regel. Manche Vögel werden 13-18 Jahre alt.

Der Teichrohrsänger gehört zu den Singvögeln. Er hat sich besonders an das Leben in der Schilfzone angepasst. Als Weitstreckenzieher kommt er Ende April/ Anfang Mai aus seinem südlichen Winterquartier, das südlich der Sahara und bis nach Südafrika reicht. Vom Sumpfrohrsänger ist der Teichrohrsänger oft nur durch den Gesang zu unterscheiden. Sein Nest ist ein kleines Kunstwerk, denn es wird um 3-5 Schilfhalme eingewoben. Früher waren Teichrohrsänger häufig, doch 1989 war dieser Vogel der "Vogel des Jahres", eine Art, deren Rückgang besonders drastisch verlief. Sie steht als Symbolvogel für den Verlust an Schilflebensräumen.

 

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Kontakt

Naturschutzbund Wangen e.V.
Schultheiß-Trenkle-Str. 14
88239 Wangen im Allgäu