In Wangen bleibt
man hangen
Naturschutzgebiete

Erosion und Sedimentation durch Schmelzwasser

Bei der Diskussion um die Überformung der voralpinen Landschaft durch Gletscher wird häufig das Schmelzwasser nur beiläufig erwähnt. Dabei wird ihm von seinen Auswirkungen auf die heutige Gestalt der Landschaft aber weit größere Bedeutung zugemessen als dem Eis, weshalb man sogar eine Umbenennung von „Jungmoränenlandschaft“ in „kuppige Schmelzwasserlandschaft“ oder wenigstens „Eisrandlandschaft“ forderte.

In der Tat ergossen sich aus dem schwindenden Gletscher gewaltige Wassermassen befrachtet mit ungeheuren Mengen an Geschiebe. Eingegrenzt von konzentrisch zum Gletscherrand verlaufenden Randwällen auf der einen und dem Gletscher selbst auf der anderen Seite mußten sie sich erst eigene Abflußwege suchen, zunächst Richtung Donau, später als der Gletscher weiter zurückgewichen war, über das Schussenbecken Richtung Rhein.

Die Grundstruktur des Fließgewässersystems wurde in dieser Zeit gelegt, weshalb die Flüsse und Bäche des Gebietes noch heute den ehemaligen Gletscherrand bzw. die frühere Entwässerungsrichtung wiedergeben und erst nach einer langen Fließstrecke Richtung Westen (z. B. Obere und Untere Argen) oder sogar Richtung Norden (nördliche Seitentäler von Karbach und Eggenbach) nach Süden zum Bodensee schwenken.

Viele der damals gebildeten Talräume werden heute nur noch von kleinen Rinnsalen durchflossen und sind, wie etwa die Täler des Herzogenweihers und weiter südlich des Mühlweihers großflächig vermoort.

Die Schmelzwasserströme waren jedoch weder zeitlich noch räumlich kontinuierlich fließende Flüsse. Vielmehr wechselten sich abhängig von der Topographie und den anstehenden Materialien schnelle Fließstrecken, auf denen sich das Wasser tief in das weiche Moränenmaterial eingrub, ab mit breiten Zonen niedriger Strömungsgeschwindigkeit oder gar Stauseen, in denen sich das Wasser sammelte, bis der Gletscher neue Wege frei gab oder Hindernisse überflossen werden konnten. Zudem schwankte die Schüttung des Gletschers mit den klimatischen Bedingungen.

Bei Abnehmen der Fließgeschwindigkeit konnte das Wasser das mitgeführte Material nicht mehr mit sich führen, zunächst wurden wie im Bereich von Wangen oder südlich Amtzell die schweren Kiese und Schotter als Niederterrassenschotter oder im Mündungsbereich von Stauseen als Deltaschüttungen abgelagert. Die oft mächtigen Schotterdecken sind heute außerordentlich wichtige Grundwasserleiter, da sie, niemals belastet von Eis oder anderer Auflast, eine relativ geringe Lagerungsdichte und damit eine hohe Wasserleitfähigkeit und Wasserspeicherkapazität besitzen.

Im Stillwasserbereich von Stauseen, aber auch in den nicht mehr durchflossenen größeren und kleineren Senken und Rinnen des Gebietes setzten sich schließlich auch, als zweites bedeutsames Schmelzwassersediment, Beckentone ab, welche aufgrund ihrer Dichtungskraft die Grundlage legten für den außerordentlichen Reichtum des Naturraumes an Seen und Mooren.

Da die Schmelzwasserstauseen im Planungsgebiet aber weit weniger ausgedehnt waren als im Norden, gibt es mit dem Buchermoos, den Talmooren des Karbachtales, dem Allewindener Moor, den Mooren nördlich Wangen und vor allem dem Degermoos und seinen Ausläufern nur vergleichsweise wenige großflächigere Moore in unserer Landschaft.