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Sonntag, 3. Dezember 2017

Arbeit im Jugendgemeinderat lohnt sich

Unser Bild zeigt Jakob Vochezer, Vorsitzender des Jugendgemeinderats, und Lorenz Kolb (von rechts)

Die Wahlperiode des 3. Jugendgemeinderats Wangen im Allgäu (JGR) neigt sich dem Ende zu. Die Wahlen für das 4. Gremium sind in der Woche von 29. Januar bis 2. Februar 2018 geplant.

Der derzeitige JGR-Vorsitzende, Jakob Vochezer, der zwei Amtsperioden mitmachte, sowie Lorenz Kolb, der eine Amtsperiode absolvierte, ziehen Bilanz und erläutern, weshalb der Jugendgemeinderat die Wahlsatzung ändern möchte. Hier sind beide im Interview.

Der Gemeinderat hat euren Entwurf zur Wahlsatzung im November abgelehnt, weil sie dazu führen kann, dass kleine Schulen nicht im Jugendgemeinderat vertreten sind. Weshalb haltet ihr eure Satzung für die Richtige?

Lorenz Kolb: Wir wollen kein Schülerrat sein. Das heißt, dass nur Kandidaten zum Zuge kommen sollen, die auch genug Leute kennen, um für viele zu sprechen. Und deswegen wollen wir die Zehn-Prozent Mindeststimmenzahl auch von der Zahl der Wählerinnen und Wähler abhängig machen.

Jakob Vochezer: Derzeit sind bei uns drei Schulen vertreten: Rupert- Neß-Gymnasium, Johann-Andreas-Rauch-Realschule und Berufliches Schulzentrum. Nach dem von uns vorgelegten Entwurf wären es sechs Schulen, wenn man das Ergebnis der letzten Wahl zugrunde legt, und zwar zusätzlich die Gemeinschaftsschule, die Werkrealschule Niederwangen und die Waldorfschule. Wir möchten, dass wer in den JGR kommt, auch mindestens zehn Prozent aller Wählerstimmen hat. Im Gemeinderat wurde diskutiert, dass mindestens zehn Prozent der Stimmen an einer Schule zugrunde gelegt werden sollten. Das würden heißen: Wenn an einer kleinen Schule 30 Schüler sind, dann reichen für den Schulkandidaten 3 Stimmen, um in den Rat zu kommen.  Er käme auf jeden Fall ins Gremium, egal, ob er in der Schule oder darüber hinaus bekannt und akzeptiert ist. Und andere, die viel mehr Stimmen auf sich vereinigen können, müssten draußen bleiben. Das halten wir nicht für sinnvoll.

Lorenz: Wir haben auch überlegt, dass es der Zusammenarbeit im Gremium abträglich sein kann, wenn die Schulen von vornherein vertreten sind. Denn wir wollen verhindern, dass es Schul-Fraktionsbildungen gibt.

Wie geht es in dieser Sache weiter?

Jakob: Wir sind damit am Montag, 4. Dezember 2017 noch einmal im Gemeinderat.

Schauen wir zurück auf Eure Amtszeit: Was waren die Ereignisse, die für Euch am wichtigsten waren?

Jakob: Das größte und wichtigste Ereignis ist tatsächlich das „Wait for it“-Festival. Dieses Festival hat uns viel Anerkennung bei den Jugendlichen gebracht. Wichtig war uns auch, dass wir in die Planungen zur Landesgartenschau einbezogen wurden.

Lorenz: Das war sogar eins meiner Highlights, dass wir bei der Ausschreibung zum Pförtner- und  Comptoirgebäude einbezogen wurden. Man konnte da sehen, dass der Jugendgemeinderat eine Stimme hat, die auch gehört wird. Dass das „Wait for it“ schon beschlossene Sache war, als unser Gremium 2016 mit der Arbeit begann, fand ich sehr gut. So musste das neue Gremium nicht erst ein Thema finden, sondern konnte direkt losstarten. Das sollte der neue Jugendgemeinderat auch so halten.  

Jakob: Unsere Stimme wurde auch beim Freibad gehört. Wir haben eine große Umfrage zur Sanierung gemacht und dabei gesehen, dass Kinder und Jugendliche die Ideen der Planer für die Attraktionen im Freizeitbecken sehr gut finden.  Persönlich war mir auch wichtig, dass Jugendliche aus verschiedenen Vereinen zusammenarbeiten. Das war beim „Wait for it“ so, wo wir gemeinsam mit dem Jugendhaus und der Tonne das Festival vorbereitet und dann mit Unterstützung von RNG, SMV, KSJ, KJG St. Martin und dem Stadtjugendring auf die Beine gestellt haben. Das war aber auch bei der Sanierung der Grillhütte in der Ölmühle so, die wir gemeinsam mit der KSJ geleistet haben.

Lorenz: Die Grillhütten-Sanierung ist ein Projekt, das von uns bleibt. So hat jeder JGR bisher etwas für die Jugend geschaffen, das nachwirkt. Der 1. JGR plante den Skateplatz, der 2. JGR sorgte für den Grillplatz beim Skateplatz und wir eben für die Grillhütte.

Okay, das waren die Tops. Gab es auch Flops?

Jakob: Ja, leider sind unsere politischen Aktionen wenig besucht worden. Das galt für das Thema „Wählen mit 16“ mit dem 2. JGR ebenso wie für den eigens von uns für die Jugend organisierten Rundgang über das Landesgartenschaugelände mit Oberbürgermeister Michael Lang oder jetzt die Wahlparty im Jugendhaus. Das war eine lässige Aktion, wo man Freunde treffen, ein bisschen Fernsehen und über die Wahl diskutieren konnte. Für diejenigen, die dabei waren, war es ein netter Ausklang des Wochenendes.

Lorenz: Ich erinnere mich, dass wir die Sportplätze auf der Argeninsel verändern wollten. Aber daraus ist leider nichts geworden.

Was würdet ihr dem nächsten Jugendgemeinderat mit auf den Weg geben?

Jakob: Auch wenn das Echo nicht so groß ist, darf man als JGR politische Themen nicht vernachlässigen. Der Aufwand, auf diesem Gebiet Veranstaltungen zu planen, ist meist gering. Wir lassen noch eine Reihe von Ideen zurück, die wir nicht mehr umsetzen konnten – auch weil viele von uns diesen Sommer Abitur machten und deshalb für den JGR kaum noch Zeit hatten. Da der alte JGR bei der Einführung des neuen mit dabei ist, werden diese Ideen dort besprochen.

Lorenz: Es ist wichtig, dass man sich traut, etwas zu versuchen. Die Unterstützung der Stadt Wangen ist sehr groß und auch OB Lang stand immer hinter uns.

Was hat die Mitarbeit im Jugendgemeinderat Euch selber gebracht?

Lorenz: Ich habe Einblicke in die Kommunalpolitik bekommen, die sonst nicht möglich gewesen wären. Man lernt in der Zeit extrem viele Leute kennen. Und man lernt auch vor einem wichtigen Gremium zu sprechen. Außerdem kann man Themen präsentieren, die einen interessieren.

Jakob: Das politische Interesse wird gefördert. Zum Beispiel bei der Klausur, die wir im Herbst im Bregenzer Wald hatten. Wir konnten uns mit OB Lang und dem dortigen Bürgermeister austauschen. Und nicht zu vernachlässigen: Man lernt sich untereinander kennen und gewinnt neue Freunde. Auf eine gewisse Art kann man seine Interessen verwirklichen. Beispiel:  „Wait for it“ – es ist erfüllend, wenn man drauf hinarbeitet und dann 500 Leute wie beim ersten Mal und 800 Leute wie diesen Sommer kommen.  Aus so einem Projekt lernt man eine Menge, das man sicher auch im Berufsleben wieder brauchen kann.

Und weshalb soll sich jemand als Kandidat für die JGR-Wahl melden?
Jakob: Ich kann es nur jedem empfehlen, sich zur Verfügung zu stellen. Im JGR ist es wie in einem Verein auch, man kann sich mehr oder weniger einbringen, je nachdem wie man gerade Zeit hat. Wenn man allerdings viel Zeit einbringen kann und will, dann kann man auch viel organisieren. Zeit für Schule und andere Hobbys bleibt noch – das hat man bei unserer Gruppe auch gut sehen können. Und außerdem: Wenn man ein Festival wie das „Wait for it“ prägen will und beispielsweise seine Lieblingsband auf die Bühne holen will, dann muss man sich engagieren.