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Mittwoch, 10. Mai 2017

Arbeitskreis „Archiv für schlesische Mundart“ feiert

Das Frühjahrstreffen des Arbeitskreises „Archiv für schlesische Mundart“ hat ganz im Zeichen seines 35-jährigen Bestehens gestanden.

Friedrich Wilhelm Preuß, Leiter des Arbeitskreises, konnte viele schlesische Mundartforscher im Frauentorturm begrüßen. In den zurücklegenden dreieinhalb Jahrzehnten hat der Arbeitskreis in bisher 20 Büchern und einem Sonderband seine Mundartforschungen für die einzelnen Regionen dokumentiert: Dabei wurden die schlesischen Mundartdichter und -schriftsteller in die Schriftenreihe einbezogen.

Besonders bedeutend ist der große schlesische Dichter, der Nobelpreisträger Gerhart Hauptmann, aus den Riesengebirge in Agnetendorf. Hauptmann hat seine ersten Werke im Dialekt geschrieben, so auch das sozialkritische Drama über den schlesischen Weberaufstand im Jahre 1844 unter dem Titel „Merr wabern und wabern Taag und Nacht“.

Hanna Barbara Strehblow, geborene Rauthe (Pseudonym ERLE BACH) hat vor 35 Jahren den Arbeitskreis in der Hirschbaude in Honstetten bei Singen gegründet. Erle Bach hatte schon seit 1950 Kontakte zu ihren schlesischen Freunden in der Wittwaissiedlung. Und als 1952 die Stadt Wangen die Patenschaft für den schlesischen Kreis Hirschberg im Riesengebirge übernahm, war es der Wunsch von Erle Bach, sich während des ersten Hirschberger Heimattreffens in Wangen kirchlich trauen zu lassen, obwohl das Brautpaar seinen Wohnsitz in Lörrach hatte.

Das lieb gewordene Wangen und sein „Wangener Kreis“ bewogen Erle Bach schon bald die Frühjahrs- und Herbsttagungen in Wangen auszurichten. Mit dem damaligen Oberbürgermeister Dr. Jörg Leist und dem damaligen Kulturamtsleiter Walter Sterk fand der Arbeitskreis Förderer, ja sie wurden Paten dieses Arbeitskreises.

Höhepunkt der diesjährigen Tagung war die Feierstunde am Samstagnachmittag in der Stadtbücherei im Kornhaus mit einem anschließenden Empfang anlässlich des 35. Jubiläums durch die Stadt Wangen.

Anlässlich dieser Feierstunde wurde von Izabella Taraszczuk das Buch „ERLE BACH – Ein Leben für Schlesien“, vorgestellt. Erle Bach starb vor 21 Jahren. Dank der Bemühungen des Arbeitskreises ist es gelungen im Juni 2016 den Grabstein von Erle Bach an der Erle Bach-Baude, oben auf dem Riesengebirgskamm aufzustellen. Dies spreche für ein neues europäisches Zusammengehörigkeitsgefühl, das auch mit Leben erfüllt sei“, heißt es in einer Mitteilung des Arbeitskreises. Die schlesische Dichterin Erle Bach, deren Wurzeln in der böhmischen Erlebach-Baude sind, ist heute auch auf beiden Seiten des Riesengebirges bekannt und man kann ihre Vita auch in Polnisch und Tschechisch lesen.
Text: Ullrich Junker