Einfach Ankommen
und Wohlfühlen
Samstag, 18. März 2017

Denkmalpfleger beeindruckt von Wangen

Die Expertengruppe Städtebaulicher Denkmalschutz hat sich unter Führung von OB Michael Lang in Wangen umgesehen. Mit dabei waren neben Mitarbeitern von Bauamt und Kämmerei auch Alt-OB Dr. Jörg Leist und der ehemalige Sanierungsbeauftragte der Stadt, Joachim Scheible. Unser Bild entstand im Spitalhof. Foto: Stadt Wangen

Experten, die sich im weitesten Sinne mit dem Thema Denkmalschutz befassen, haben zwei Tage lang Wangen besucht und sich sehr beeindruckt gezeigt von dem, was in Wangen seit Beginn der 1970er Jahre bewegt worden ist.

„Erneuerung aus dem Bestand“ war das Thema der Expertengruppe Städtebaulicher Denkmalschutz. Sie wird vom Bundesbauministerium zur fachlichen Begleitung des Förderprogramms Städtebaulicher Denkmalschutz berufen.

Wenn aus einem solchen Kreis ein Lob in Sachen Denkmalpflege kommt, dann hat es besonderes Gewicht und es kam reichlich. Nachdem die rund 20-köpfige Gruppe am Dienstag von Oberbürgermeister Michael Lang über die Grundsätze der Denkmalpflege in Wangen informiert worden war, und bei einem Stadtrundgang das Haus Rose, die Bindstraße, das Alte Spitalgebäude und das Weberzunfthaus besichtigt hatte, fuhren die Fachleute ins ERBA-Gelände, um sich dort umzusehen. Etwa 12 000 Schritte seien sie unterwegs gewesen, stellte ein Mitglied der Expertengruppe am Abend fest, und sie kehrten voller Eindrücke zur Beratung ins Rathaus zurück. Besonders angetan waren die Experten von der Aussage OB Langs, dass man sich in Wangen Zeit für Entscheidungen nehme. Die Stadt Wangen kämpfe für die Altstadt und den Handel dort. Die Tatsache, dass die Stadt für diese Altstadt und gegen das Einkaufen auf der Grünen Wiese einstehe, führe auch dazu, dass die Bürger in ihre Häuser investieren, hatte Lang gesagt und auch dafür große Anerkennung bekommen.

Am zweiten Tag  zogen die Experten ihr Resümee über Wangen und seine großen denkmalpflegerischen Themen. Der Vorsitzende der Arbeitsgruppe, Professor Dr. Gerd Weiß, lobte insbesondere die vielen kleinen Schritte, mit denen man in Wangen den Denkmalschutz voranbringe. Der lange Atem tue der Stadt sichtbar gut und sei vorbildlich. Alles mache einen „wahnsinnsguten Eindruck“, sagte Weiß. Weil die Bürger wegen dieser langfristigen Sicht die Erfolge manchmal nicht erleben könnten, sei die Information sehr wichtig. Auch auf diesem Feld bescheinigte Weiß der Stadt Wangen einen hohen Aufwand.

Besonders beeindruckt zeigte er sich von den „kreativen Lösungen“, wie man alte Gebäude nutzbar mache und nannte ausdrücklich den Rettungsschlauch, der vom Sitzungssaal des Rathauses aus im Notfall genutzt werden kann. Im Zusammenspiel mit privaten Eigentümern würden deren Interessen mit den Zielsetzungen der Stadt in Einklang gebracht. Als Anregung gab Weiß den Verantwortlichen bei der Stadt Wangen mit, die Ziele der Denkmalpflege in Wangen in ähnlicher Form zu publizieren, wie es mit dem Leitfaden zur Altstadtsatzung getan worden sei. Für das Alte Spital empfahl die Expertengruppe, sich Zeit zu lassen. „Ein Rezept können wir dazu nicht liefern“, sagte Weiß. Er sprach die Empfehlung aus, das Alte Spital auch künftig in irgendeiner Weise mit einem sozialen Zweck zu nutzen.

Im Zusammenhang mit der ERBA- und Landesgartenschauplanung sprach der Vorsitzende der Expertengruppe der Stadt ebenfalls ein Kompliment aus. Es sei richtig, das Thema der Landesgartenschau mit Sanierungs- und anderen Förderthemen zu verschränken und sich dem Gelände selber mit großer Sorgfalt zu nähern. Er legte nahe, die vorhandenen Räumlichkeiten noch einmal auf ihre Größe hin zu betrachten, über die letztlich eine Wirkung erzielt werde. Ein Mobilitätskonzept für Fahrräder oder E-Bikes entlang des Landesgartenschaugeländes könnte nach Expertenmeinung dienlich sein. Und schließlich könnte es sich lohnen, die „Scharnierfunktion“ des Geländes des alten Feuerwehrhauses in der Landesgartenschau zu betrachten.

Ralph König vom baden-württembergischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau berichtete, seine Behörde betreue aktuell 1050 Projekte – darunter auch die Sanierungen in Wangen. Demnächst fallen im Ministerium Entscheidungen, an welche Projekte für dieses Jahr 167 Millionen an Bundes- und Landesgeldern verteilt werden. Schwerpunkte bei der Förderung werden die Themen Konversion von militärisch und gewerblich genutzten Arealen sowie die Entwicklung von Wohnraum sein, sagte König. Dabei sind sich die Denkmalpfleger im Klaren, dass Denkmale nur dann erhalten werden können, wenn man sie auch nutzbar macht.

Denkmalschutz in Zeiten der Energiewende war ein Thema, das im Lauf der Tagung immer wieder aufschien. Manchmal treten die Fachleute dabei auch als Verhinderer auf, wie Dr. Claus Wolf, Leiter des Landesamts für Denkmalpflege beim Regierungspräsidium Stuttgart, einräumte. Als Beispiel nannte er eine geplante und inzwischen abgelehnte Windkraftanlage in Sichtweite des Schlosses Lichtenstein am Albtrauf.

Mehr Info: http://www.staedtebaulicher-denkmalschutz.de/expertengruppe/