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Donnerstag, 16. November 2017

Flüchtlinge werden unverzichtbar in ihren Betrieben

Speziell für Unternehmen veranstaltet die Stadt Wangen gemeinsam mit weiteren Partnern am Mittwoch, 22. November 2017, um 17.30 Uhr einen Informationsabend im Rathaus zum Thema Beschäftigung von Flüchtlingen.

Weil inzwischen eine ganze Reihe von Flüchtlingen erfolgreich Sprachkurse absolviert haben, sei es jetzt auch eine gute Zeit, auf die Arbeitgeber zuzugehen, sagt Flüchtlingsbeauftragter Martin Lobinger. Bei dem Abend können sich die möglichen Arbeitgeber von den unterschiedlichsten Institutionen beraten lassen.
Die Agentur für Arbeit, das Jobcenter, die IHK-Bodensee-Oberschwaben, die Handwerkskammer Ulm, der Senior Experten Service und die elobau-Stiftung bieten an dem Abend den Firmen eine große Breite von Information zur Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt.

Eine ganze Reihe von Arbeitgebern, die inzwischen schon Flüchtlinge beschäftigen, machen mit ihnen gute Erfahrungen. Wir zeigen zwei Beispiele.

Erfolgreich in der Pflege angekommen

Aus Gambia kam Madi Jammeh nach Achberg. Das Datum nennt er, als würde man ihn nach dem Geburtsdatum fragen: Es war der 26. August 2014. Zu Hause in Gambia arbeitete der 27-Jährige als Reiseleiter. Deshalb versuchte er auch hier als erstes in der Gastronomie Fuß zu fassen. Doch über Spülen kam er zunächst nicht hinaus. Aber er wollte  mehr: „Ich möchte auf jeden Fall eine Ausbildung abschließen. Selbst wenn ich wieder aus Deutschland weggehen muss, dann habe ich einen Beruf“, sagt er in flüssigem Deutsch.

Mit dem Fahrrad täglich von Achberg nach Lindau

Der junge Mann radelt jeden Tag von Achberg nach Lindau zur Arbeit ins Maria-Martha-Stift, wo er von Personal und Bewohnern gleichermaßen geschätzt wird, wie die Leiterin Anke Franke sagt. „Er arbeitet sehr gut, ist äußerst zuverlässig, immer pünktlich – und das obwohl er täglich mit dem Rad zu uns kommt. Er strahlt unsere Bewohner an und bringt viel Umsicht und Gespür für sie und ihre Bedürfnisse mit.“ Ähnlich positiv beschreibt ihn auch Thomas Ebel, der die Fachschule für Altenpflege in Wangen leitet, wo Madi Jammeh zur Schule geht.

Großer Wunsch: Ein abgeschlossene Ausbildung

Madi Jammeh wird im Juli 2018 seinen Abschluss als Altenpflegehelfer ablegen und möchte dann weitermachen und Altenpfleger lernen. „Wir waren 2014 die ersten, die eine solche Ausbildung für Migranten eingeführt haben. Im ersten Jahr wird sehr viel Wert auf die Vermittlung der Sprache gelegt“, sagt Ebel. Fragt man ihn, was er Madi Jammeh und allen anderen ausländischen Auszubildenden wünscht, dann antwortet er: „Dass sie in der Altenpflege einen Platz finden. Wir brauchen diese Leute.“ Zwölf Schüler hat er im aktuellen Kurs, die alle das Sprachniveau B2 erreicht haben und damit etwa auf einem Niveau Deutsch können wie ein Realschüler Englisch nach der Mittleren Reife. Dann können sie im zweiten Jahr in die fachpraktische Ausbildung einsteigen.

Unverzichtbar in der Lackiererei

Ein anderes Beispiel für die gute Integration eines Flüchtlings in einen Betrieb ist Attiqullah Zabiehpor aus Afghanistan. Er kam mit seiner Frau und seinen drei Kindern am 8. Dezember 2014 in Passau an. Von dort ging es nach München, Karlsruhe, Meßstetten und schließlich nach Wangen. In seiner Heimat arbeitete Zabiehpor als Großhändler für Getreide und wickelte von Kabul aus Geschäfte mit Pakistan ab. Es war nicht zuletzt die Sorge um die Zukunft ihrer Kinder, dem heute zehnjährigen Akef, der 13-jährigen Atena und der siebenjährigen Elena, weswegen das Ehepaar Zabiehpor die Heimat verließ. Sein Asylverfahren wurde abgelehnt, Widerspruch ist eingelegt. Diesem Widerspruch hat auch sein Arbeitgeber Matthias Stähle ein Schreiben beigefügt, in dem er sich für Zabiehpor und seine Familie einsetzt. In der Malerei und Lackiererei hat sich Zabiehpor schnell zu einem sehr geschätzten Mitarbeiter entwickelt. „Herr Zabiehpor hat sich sehr gut eingefügt“, sagt Stähle. „Wir können nicht auf ihn verzichten und hoffen sehr, dass er in Deutschland bleiben darf.“ Zabiehpor lernte den Betrieb der Familie Stähle durch die ehrenamtliche Betreuerin der Familie aus dem Netzwerk Asyl kennen, die ihn im der Firma vorstellte. Nach einer Woche Praktikum waren sich beide einig.

Kinder sollen lernen können

Die Eltern Zabiehpor legen viel Wert darauf, dass ihre Kinder gute Schüler sind. Doch konzentriertes Lernen ist in der Unterkunft am Südring äußerst schwierig. Die fünfköpfige Familie wohnt auf 40 Quadratmetern sehr beengt und wünscht sich deshalb, eine größere Wohnung zu finden. Es ist ihr zweiter dringender Wunsch, der erste ist es, in Deutschland bleiben zu dürfen. Zum Einkommen trägt auch Mutter Farinus bei. Sie ist bei der Stadt Wangen angestellt und arbeitet an der Gemeinschaftsschule bei der Essensausgabe in der Mittagszeit.

Beschäftigung von Flüchtlingen steigt an

Madi Jammeh und Familie Zabiehpor sind Gesichter jener Flüchtlinge, die in Lohn und Brot stehen. Blickt man in die Statistik, zeigt sich, dass die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten aus nicht europäischen Asylländern, wie es im Behördenjargon heißt, sich im Landkreis Ravensburg von 221 im März 2016 auf 404 im März 2017 fast verdoppelt hat. Der Grund liegt hauptsächlich in den verbesserten Sprachkenntnissen. Martin Lobinger kann das mit Zahlen aus Wangen belegen: „Im Jahr 2017 haben wir in Wangen etwa 110 Zugewanderte, die einen Sprachkurs abschließen. Davon sind 75 Flüchtlinge, von denen 30 B1 erreichen werden und etwa 40 A2. „Das ist ein Potenzial, das es nun zu heben gilt“, sagt Lobinger.

Einfälle abklären

Aber er rät auch zur Vorsicht: „Man sollte nicht zu früh zu viel wollen.“ In der Vergangenheit habe es Fälle gegeben, da seien Arbeitsverhältnisse wieder aufgelöst worden, weil der Spracherwerb noch nicht ausgereicht habe. Das habe auf beiden Seiten Frustrationen ausgelöst. „Wichtig ist in jedem Einzelfall eine gute Abklärung“, sagt Lobinger. Wichtig ist auch, dass in sehr vielen Fällen die Genehmigung des Ausländeramts eingeholt werden muss, ob man einen Menschen im Asylverfahren überhaupt einstellen darf.

Unbedingt gründliche Beratung annehmen

Lobinger wirbt dafür, dass sich Unternehmen, die gerne einen Flüchtling Arbeit geben möchten, vorher gründlich beraten lassen. „Wir haben gute, motivierte Leute in allen Bereichen, die sich gerne ausreichend Zeit für Information, Beratung und Unterstützung nehmen“, sagt Lobinger. Außerdem gebe es sehr gute Fördermaßnahmen und Unterstützungsprogramme, um Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt oder in die Ausbildung zu integrieren.

Experten beim Informationsabend

Über all diese Dinge wird auch der Abend für die Unternehmen am Mittwoch, 22. November 2017 um 17.30 Uhr informieren. Im ersten Teil der Veranstaltung werden kompakt wichtige rechtliche Rahmenbedingungen und aktuelle  Projekte und Fördermöglichkeiten vorgestellt. Anschließend stehen alle genannten Agenturen, Einrichtungen und Experten für vertiefende Informationen, einen Erfahrungsaustausch und zur Klärung von Fragen und Einzelfällen zur Verfügung. Umgekehrt interessieren sich die Verwaltungen für die  Erfahrungen, Problem- und Fragestellungen der Unternehmen, weil auf dieser Grundlage weitere, möglichst praxisnahe Maßnahmen zur Arbeitsmarktintegration geschaffen werden können.

Bitte um Anmeldung

Für einen Imbiss ist gesorgt. Anmeldung bitte beim Flüchtlingsbeauftragten der Stadt Wangen, Martin Lobinger, unter martin.lobinger @wangen .de Er ist Ansprechpartner in allen Flüchtlingsfragen und freut sich auch über Wohnungsangebote, zum Beispiel für Familien wie Familie Zabiehpor.