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Donnerstag, 8. Juni 2017

Hindernisse auf dem Weg zur Freien Reichsstadt

Wangen gedenkt in diesem Jahr unter anderem seiner reichsstädtischen Wurzeln. Dr. Rainer Jensch rückte das 1217 in den Blick.

Eine ganze Reihe von Daten, die alle auf -17 enden und für die Stadtgeschichte interessant sind, beleuchtet jetzt eine Ausstellung im Stadtmuseum in der Eselmühle unter dem Titel Blickpunkte. Dr. Rainer Jensch richtete den Blick vor gut 100 Zuhörern im Rathaus auf die Wirkung des Jahres 1217 auf die Stadtgeschichte. Hätte Wangen nicht vor zwei Jahren erst groß und anhaltend seine 1200-jährige Geschichte gefeiert – das Jahr 1217 wäre sicher sonst Anlass für größere Feierlichkeiten gewesen.

Von 1217 stammt die Urkunde des Stauferkönigs Friedrich II., in der erstmals die Wangener Bürger genannt werden. Mit dieser Urkunde beginnt der Aufstieg Wangens zur Freien Reichsstadt. Jensch beschrieb zunächst die Urkunde, deren Alter zu entschlüsseln nicht so einfach ist und deren Erscheinungsbild mit den Jahrhunderten durch allerlei Umwelteinflüsse Schaden genommen hat.

Bis zur Einrichtung des städtischen Archivs lagerte sie im Rathausturm, dort wo heute das Trauzimmer ist. Und 1703 wurde sie im Angesicht heranrückender Soldaten mit anderen Wangener Kostbarkeiten in der Fluchttruhe, die noch heute im Museums zu besichtigen ist, in die Schweiz gebracht. „Diese Urkunde gehört zur wesentlichen DNA dieser Stadt und hat Verfassungscharakter“, sagte Jensch.

Ausgestellt wurde sie mit Stauferkaiser Friedrich II. von einer faszinierenden Herrscherpersönlichkeit, die nicht nur ihren Machterhalt im Sinn hatte, sondern auch ein großer Freund der Kunst und Wissenschaft war und es schaffte, Jerusalem zu erreichen, ohne das Schwert dafür zu nutzen, wie  Jensch ausführte. Der Blick auf die Karte, die der Stadtarchivar zeigte, demonstrierte es ganz klar: Wangen und seine Region lagen damals im Zentrum des Reiches, das von Italien bis an die Nordsee reichte. Der 1193 geborene Friedrich verliert früh seine Eltern und wird unter der Vormundschaft des Papstes aufwachsen. Dieser bannt und exkommuniziert den Welfen Otto IV. und ebnet damit den Weg für seinen Zögling, die Kaiserkrone zu erlangen. Auf seinem Weg nach Deutschland wird Friedrich in Chur von Abt Ulrich von St. Gallen in Empfang genommen, der ihn nach Konstanz und damit in Sicherheit vor Otto bringt.

Friedrich reist ohne Herr, verteilt aber viele Privilegien. Diese Freigiebigkeit besingt der Minnesänger Walter von der Vogelweide in seinen Liedern. So schafft er für sich und die Beschenkten eine Win-win-Situation. Als Otto im Jahr 1214 von den Franzosen geschlagen wird, ist der Weg für Friedrich den II. endgültig frei.

In seiner Pfalz in Ulm unterzeichnet er die Urkunde für Wangen „auf Bitten von Ulrich von St. Gallen und unseren Bürgern von Wangen“, wie es in der Einleitung heißt. Die Vogtei in Wangen sollte folglich immer in königlichen Händen bleiben. Bezeugt wurde dieses Privileg von einer Reihe hoher Fürsten. Rudolf von Habsburg bestätigte 1273 dieses Privileg und verlieh der Stadt dann auch 1286 dieselben Rechte wie sie Überlingen bereits besaß.

Ganz sicher können sich die Wangener jedoch nicht fühlen, denn schon 1298 wird ihr Freiheitsrecht an das Kloster St. Gallen verpfändet. In den Folgejahren wird über die Huldigung der Wangener gegenüber dem St. Galler Abt gestritten. Doch 1348 behauptet Wangen seine Reichsunmittelbarkeit und 1463 beendet der aus Wangen stammende, frische gewählte Abt Ulrich Rösch die inzwischen zur Farce gewordenen Huldigung der Reichsstädter gegenüber St.Gallen. 1608 kann Wangen endgültig alle Freiheitsrechte auf sich vereinigen.