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Sonntag, 29. Januar 2017

Landesamt für Denkmalpflege übergibt Werteplan

Dr. Annegret Kaiser (Mitte) übergibt Oberbürgermeister Michael Lang den denkmalpflegerischen Werteplan der Stadt Wangen im Allgäu. Mit im Bild sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Denkmalpflege sowie Bauamtsleiterin Astrid Exo (Zweite von rechts) und der Sanierungsbeauftragte der Stadt, Martin Schwenger (rechts).

Das Landesamt für Denkmalpflege hat der Stadt Wangen den denkmalpflegerischen Werteplan zur Gesamtanlage der „Altstadt Wangen im Allgäu“ übergeben.

Der historische Stadtkern von Wangen im Allgäu steht seit 1976 als Gesamtanlage unter Denkmalschutz. Nun ist auch der denkmalpflegerische Wert festgehalten.  Zu diesem Zweck hat Dr. Annegret Kaiser vom Landesamt für Denkmalpflege eine akribische Aufnahme der Gebäude, Straßenzüge, Plätze und Grünflächen erstellt, die sich heute auf dem Gebiet zwischen staufischer Mauer im Südwesten und Argen befinden. Sie bediente sich dabei der Baudaten, die bei der Denkmalpflege vorhanden sind, befragte den früheren Sanierungsbeauftragten der Stadt Wangen, Joachim Scheible, und nutzte die Wangen-Chronik von Stadtarchivar Dr. Rainer Jensch für ihre Untersuchungen. In Zahlen ergibt die Forschung folgendes Ergebnis: In der Wangener Altstadt gibt es 72 Kulturdenkmale, 30 Straßen und Plätze, 103 erhaltenswerte Gebäude und Plätze, sowie 205 topografische Punkte.

Ansschauliche Darstellung

Mit dem neuen Katalog werden die denkmalpflegerischen Werte in der Gesamtanlage präzise erfasst, aktualisiert und anschaulich dargestellt. In Texten, Karten und Fotos werden alle Elemente, die den historischen, schützenswerten Stadtkern prägen, beschrieben und bewertet, nicht jedoch auf ihren finanziellen Wert hin. Als städtebaulich-historischer Fachbeitrag des Landesamts für Denkmalpflege ermöglicht er für die Praxis einen unkomplizierten und schnellen Zugriff auf die Daten, wie es bei der Pressekonferenz am 19. Januar 2017 hieß. Weil die Daten nicht nur gedruckt vorliegen, sondern in einer speziellen Datenbank eingespeist sind, können sie unkompliziert und schnell abgerufen werden.

Mehr als die Summe der Denkmale

Rot sind die denkmalgeschützten Gebäude gekennzeichnet, orange die erhaltenswerten Gebäude und grau alle anderen Gebäude, die für die städtische Struktur von Bedeutung sind. Wenn sie beispielsweise fehlen würden, hätten Straßenzüge unattraktive Lücken. Deswegen sind diese Gebäude – auch wenn sie in ihrer Substanz für die Denkmalpflege nicht von Bedeutung sind – für das Erscheinungsbild der Stadt dennoch wichtig. „Eine Stadt ist eben mehr als die Summe ihrer Denkmale“, wie Hauptkonservator Dr. Martin Hahn sagte. Er verglich die Denkmale mit den Rosinen im Hefezopf. Sie könnten ohne den Teig außen herum auch nicht sein. Oberbürgermeister Michael Lang sagte dazu: „Für uns ist in der Altstadt jedes Gebäude erhaltenswert. Wichtig ist bei der Sanierung immer, dem Denkmal, aber auch dem Eigentümerinteresse gerecht zu werden.“

In Wangen gibt die Altstadtsatzung genaue Anleitungen

Nachdem die Landesdenkmalpflege inzwischen rund 40 Städte und Gemeinden in einem Werteplan erfasst hatte, waren jetzt Wangen, Isny und Leutkirch an der Reihe, wie Hauptkonservator Dr. Martin Hahn sagte. Er beruhigte zugleich: „Eine geschützte Gesamtanlage bedeutet nicht, dass nichts mehr passieren darf.“ In Wangen beispielsweise gibt die Altstadtsatzung genaue Anleitungen für das, was innerhalb des historischen Stadtkerns gewünscht und möglich ist.

Sanierung bringt Wohnraum in die Altstadt

Derzeit sind zehn Objekte in der Stadt in Planung oder sogar schon in der Umsetzung, was auch bedeutet, dass attraktiver Wohnraum in der Altstadt entsteht.  Wie der Sanierungsbeauftragte der Stadt Wangen, Martin Schwenger, sagte, seien 2016 zehn Wohnungen in der Stadt entstanden, 2017 dürften es vier bis sechs große Wohnungen werden. „Es ist gut, wenn in der Altstadt jedes Jahr drei, vier oder fünf lästige Baustellen sind, weil man dann weiß, dass es eine gesunde Altstadt ist“, sagte OB Lang. Es zeige, dass die Eigentümer für ihre Objekte eine Zukunft sehen. Als Beispiel nannte er das „Haus Rose“, das mit Millionenaufwand und viel Geduld von seinem Eigentümer zu einem Schmuckstück am Marktplatz gemacht wurde. Dieses Haus löste einen Dominoeffekt aus. Ein Nachbar hat bereits bei der Fassadensanierung nachgezogen, ein weiterer wird es demnächst tun, wie Schwenger sagte.

Wie attraktiv die Altstadt tatsächlich ist, zeige sich auch an der Anziehungskraft des Rathauses als Veranstaltungsort. „Hier wollen alle hin, obwohl das Haus weder barrierefrei noch behindertengerecht ist“, sagte OB Lang.