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Samstag, 10. Juni 2017

Tatort Museum - Auf den Spuren des Mittelalters

Katharian Blocher vom Altstadt- und Museumsverein und der Pädagoge Frank Gollasch bieten Schulen maßgeschneiderte Lernerlebnisse im Museum.

Tatort Badstube: Rot-weißes Absperrband liegt in der Badstube aus. Auf einer Decke innerhalb des Quadrats befindet sich eine ganze Reihe von Objekten: Zum Beispiel ein geflochtener Hut oder ein weißes Hemd oder Zweige. Um den Tatort herum sitzen Schüler und Schülerinnen der Klasse 7 des Gymnasiums und überlegen, worum es sich bei diesen Gegenständen handeln könnte. Sie sind mit ihrem Lehrer Bernhard Ladenburger gekommen, um einen Archäologie-Krimi zu erleben und dabei möglichst viel über das Mittelalter zu erfahren.

Nach der Einführung durch den Pädagogen, „Detektiv“ Frank Gollasch, und „Magd“ Katharina Blocher vom Altstadt- und Museumsverein (AMV) beschriften die Schüler und Schülerinnen ihren eigenen Detektivausweis mit Hilfe von Gänsekiel und Tinte und puzzeln die Stadtansicht von Johann Andreas Rauch zusammen. Auf diese Weise sind sie mitten im Wangener Mittelalter angekommen.

Erlebnisse gegen zu viel Kopflastigkeit

Anschließend geht es vor die Rauchsche Stadtansicht, die in einer großen Reproduktion in der Badstube hängt. Dort kreist alles um die Fragen, in welchem Gebäude sind wir? Woher kam das Wasser her? Warum nahm man es nicht aus der Argen? Und warum lagen Badstuben immer am Rand der Stadt? Die Detektive sind gefragt. Anschließend geht es zurück in Badstube, wo es unter anderem darum geht, herauszufinden, was für Fundstücke am abgesperrten Tatort versammelt sind. Geschichtslehrer Bernhard Ladenburger schätzt die rund dreistündige Exkursion ins Museum, weil sie das Mittelalter erlebbar macht. Vieles sei in den Lehrplänen des Gymnasiums ohnehin sehr kopflastig, weswegen so ein Ausflug mit einer Reihe von erlebnispädagogischen Aktionen von besonderem Wert sei.

Ähnlich sieht es Viviane Sauer, die mit ihrer siebten Klasse der Werkrealschule Niederwangen zum ersten Mal von dem Angebot Gebrauch macht. „Wir haben das Mittelalter schon im Herbst besprochen und ich sehe, wieviel durch die Erlebnisse hier im Museum wieder wachgerufen wird. Es ist ein tolles Angebot, das ich sicher wieder wahrnehmen werde“, sagt Sauer. Ihre Schüler und Schülerinnen haben sich für das Thema „Münzschatz – Geld und Handel“ entschieden und teilen sich nach der Einführung rund um den „Tatort“ in der Badstube in zwei Gruppen. Die eine geht mit Katharina Blocher zum Münzschatz und erfährt dort, wie Richard Streicher den Schatz bei der Sanierung der Friedhofskapelle St. Wolfgang gefunden hat. Die Schüler und Schülerinnen suchen in der Ausstellung eine falsche Münze und sie hören aus welch‘ turbultener Zeit der Schatz stammt und dass niemand weiß, wer ihn versteckt hat und warum.

Von Kröten und anderem Geld

Währenddessen sitzt die andere mit Gruppe mit Frank Gollasch an einem langen Tisch und überlegt, welche Namen Geld in anderen Ländern hat und woher im Deutschen der Begriff „Kröten“ kommt – nämlich aus dem Niederländischen. Sie hören, dass Karl der Große das Pfund Silber zum Ausgangswert einer ersten Währung im Deutschen Reich machte. Ein kleiner Exkurs zum Inflationsgeld rundete diese Einheit ab. Zum Abschluss des Morgens rund ums Geld schlagen die Schüler am Prägestock, den die Kreissparkasse im vergangenen Jahr gesponsert hatte, ihren eigenen Wangener Batzen. So konnten sie am Ende ein Stück Mittelalter mit nach Hause tragen.

Katharina Blocher vom AMV und der Pädagoge Frank Gollasch stellen den Schulen einen Katalog von insgesamt vier Modulen zur Verfügung. Die beiden weiteren befassen sich mit der Kindheit im Mittelalter und dem Stadtleben. Anlass für dieses Projekt war der Mittelaltermarkt im Jubiläumsjahr 2015, bei dem Katharina Blocher von einer ganze Reihe von erwachsenen Wangenern hörte, dass sie noch nie im Stadtmuseum waren.  Sie arbeitete mit Frank Gollasch ihr Projekt aus und konnte die Jugendstiftung Baden-Württemberg für einen Zuschuss von 4500 Euro gewinnen. Das Programm lief im vergangenen Jahr an und ist inzwischen so erfolgreich, dass 2017 alle Schulen teilnehmen. 

Info:
Weitere Infos und Kontakt katharina.blocher@gmx.de