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Freitag, 27. Januar 2017

Wangen im Allgäu baut Wasserkraft weiter aus

Die Stadtwerke Wangen im Allgäu machen Dampf in Sachen Wasserkraft. Ziel ist es, die städtischen Immobilien binnen weniger Jahre aus überwiegend eigenproduziertem Strom zu versorgen.

2017 reaktivieren die Stadtwerke das derzeit stillliegende Wasserkraftwerk T 4 am Standort des ehemaligen Textilveredlers NTW. Mit einer neuen doppelt geregelten Kaplanturbine werden voraussichtlich 1,6 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr erzeugt. Hier wird zudem die Wehranlage durch den Bau eines Umgehungsgewässers und die Abgabe einer hohen Mindestwassermenge ökologisch durchgängig gemacht. 330 Liter pro Sekunde müssen für den Fischaufstieg vorhanden sein und 800 Liter pro Sekunde müssen am Wehr in die Argen abgegeben werden. Die Denkmalpflege legt Wert darauf, dass der Kanal zu sehen ist. Der Baubeginn ist im Mai 2017 geplant. 3,5 Millionen Euro investieren die Stadtwerke Wangen. Aus diesem Grund hat der Gemeinderat auch 2016 das Stammkapital um eine Million Euro auf 4,4 Millionen angehoben.

Diese Investition schließt sich an die Sanierung der Wasserkraft weiter südlich. Innerhalb weniger Jahre kauften die Stadtwerke Wangen die Kraftwerke T 8 und T 9 in der ehemaligen Baumwollspinnerei und –weberei ERBA sowie südlich von Wangen und sanierten beide. Im nächsten Schritt bauten sie ein Mindestwasserkraftwerk am Argenwehr, das jährlich rund 200.000 Kilowattstunden Strom produziert. Daneben hebt der neue Fischpass auch die ökologische Qualität der Argen. Denn zusammen mit der 2014 gebauten Aufstiegshilfe für Fische, die das erste Projekt für die Landesgartenschau 2024 ist, belässt das Kraftwerk mindestens 800 Liter Wasser pro Sekunde in der Argen.

Die elektrische Leistung des Triebwerks T 8 in der ERBA beträgt rund 300 Kilowatt. Möglich wurde dies durch den Einbau einer neuen hocheffizienten, doppelt geregelten Kaplanturbine, die direkt mit einem permanent erregten Synchrognenerator gekoppelt ist. Im Mindestwasserkraftwerk am Argenwehr leistet ebenfalls eine doppelt geregelte Kaplanturbine maximal 50 Kilowatt. Beide kommunalen Kraftwerke erzeugen rund 1,9 Millionen Kilowattstunden Strom jährlich. Die maximale Leistung des Generators im T 9 beträgt 100 kW. Dort werden jährlich rund 500.000 kWh Strom erzeugt.


Die Energiegewinnung aus Wasserkraft knüpft an eine historische Tradition in Wangen an. Die Wasserkraft war schon im Mittelalter Quelle von Arbeit und Einkommen im Westallgäu. So ist 1426 ein Argenwehr im heutigen östlichen Stadtteil Epplings, erstmals urkundlich erwähnt, das zu einer im Eigentum der Stadt befindlichen Sägemühle gehörte. Vor mehr als 120 Jahren war Wangen außerdem die erste Stadt im Königreich Württemberg, in der die Straßen von elektrischem Licht erhellt wurden. Der Strom kam von Kraftwerken an der Argen. Auch die ERBA wurde 1863 vor allem wegen der reichlich vorhandenen Wasserkraft in Wangen gegründet.