Einfach Ankommen
und Wohlfühlen
Freitag, 26. Mai 2017

Wangener nehmen die Bindstraße in Besitz

Die längste Straße in der Altstadt - die Bindstraße - ist nun auch offiziell den Wangenern und Wangenerinnen übergeben worden.

Viele hundert Menschen haben beim Festakt den roten Teppich vom Kreuzplatz bis zum Eselberg beschritten.

Rund 400 Meter lang ist die Bindstraße und inzwischen nicht nur barrierefrei, sondern auch ein optischer Hingucker. Neben vielen anderen beschwingten Melodien spielten die Saloniker auch „Unter den Linden“, also ein Stück über die angeblich schönste Straße in Berlin. So war es für Oberbürgermeister Michael Lang ein Leichtes, den Bogen nach Wangen zu schlagen. Nicht nur die schönste, sondern auch eine steinreiche Straße sei die Bindstraße, sagte Lang. Denn 290 000 Pflastersteine waren im Lauf der Sanierung in die Straße und die Gehwege geschlagen worden. Neun Speiselokale und viele Geschäfte, die entlang der Straße liegen, hätten eine schwere Zeit hinter sich gebracht. So hoffe er nun, dass sie von dem neuen Gesicht der Bindstraße profitieren können.

Nicht nur die Optik war bei der Sanierung verbessert worden, auch die Technik. Denn unter der Oberfläche wurden neue Leitungen für Strom und Internet verlegt, aber auch Leerrohre für die Wärmeanlieferung eingebaut. Denn alle, die die Wärme irgendwann einmal brauchen werden, sollen sie auch bekommen können, sagte Lang. Neu und besonders für die Gastronomie ein Plus: Die Bindstraße ist jetzt zwischen Hafnergasse und Eselberg eine Einbahnstraße. So haben Fußgänger jetzt mehr Platz, um gemütlich unterwegs zu sein. 1,3 Millionen Euro hat die Stadt in diese Sanierung investiert.

OB Lang betonte, die Erneuerung der Straße sei nicht nur als Einzelmaßnahme zu sehen, sondern sie sei ein wichtiger Schritt in der Vorbereitung Wangens auf die Landesgartenschau 2024. 

Im Anschluss an die Ansprache schnitt Lang gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern des Gemeinderats ein rotes Band durch und lud alle Anwesenden sich an einer der drei Stationen bei Kuchen, Sekt oder Fairtrade Kaffee zu bedienen. Diesem Angebot kamen die Wangener sehr gerne nach. Büchereileiterin Gisela Stetter verkaufte antiquarische Bücher zugunsten der Stadtbücherei.

Die beiden Stadtführer des Gästeamts Beate Leupolz und Andreas Rommel nahmen zahlreiche Menschen mit auf einen Streifzug durch 600 Jahre Geschichte der Bindstraße. Dabei ging es um den Bierstreik im Jahr 1900 und die pragmatische Art des Umgangs der Wangener damit ebenso wie um die Hungerjahre bis 1817 oder die Sanierung der Eselmühle 1969. „Mit ihr hat die Stadtsanierung insgesamt begonnen“, sagte Rommel und verwies darauf, dass alles hätte auch ganz anders laufen können. Denn eigentlich war die Eselmühle zum Abriss vorgesehen und ein Kaufhaus hätte an ihre Stelle treten sollen. Durch den Einsatz des damaligen Oberbürgermeisters Dr. Jörg Leist kam es – zum Glück – anders.

Wer mochte konnte sich an diesem Tag auch über das Thema Verkehrssicherheit informieren. Die Verkehrswacht war mit einem eindrucksvollen Info-Park mit Sehtest, Alkoholbrille, einem Stand zum Thema Kindersicherung im Auto, einem Polizeiauto und einem Überschlagsimulator auf dem Marktplatz und dem Postplatz vertreten. So konnte sich jeder davon überzeugen, dass es nicht ratsam ist, mit 1,3 Promille ins Auto oder aufs Fahrrad zu steigen. Zu sehen waren durch die Brille immer zwei Linien. Welche davon die richtige war, das konnte man nur erraten.  Die Feuerwehr demonstrierte, wie sie ein Auto auseinandernimmt, um Verletzte zu retten.

Wer aus dem Überschlagsimulator ausstieg, hatte zumeist ein bisschen Schlagseite. Doch der Test lohnte sich schon allein wegen des Hinweises, auch wirklich den Sicherheitsgurt straff um die Hüften zu ziehen und vor dem Start immer die Jacke über den Gurt fallen zu lassen. Manch einer oder eine hatte diese Lektion aus dem Fahrunterricht inzwischen vergessen. Wie wichtig der Polizei dieser Tag der Verkehrswacht ist, zeigte Polizeipräsident Ekkehard Falk, der aus Konstanz angereist war. Im Innenhof des Hinderofenhauses schließlich zwitscherten die Pfefferschoten unter Leitung von Martina Klesse-Schmitz Lieder rund ums Piratenleben.