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und Wohlfühlen
Sonntag, 9. Februar 2014

Wangenerin Marianne Briegel hilft Kindern in Guatemala

Der Weihnachtsmann hat den Kindern etwas Praktisches gebracht: einen Rucksack mit Schulsachen. Marianne Briegel, Dritte von links, freut sich mit den Kindern.

Zu Wangenern, die im Ausland leben, hält die Stadt Wangen gerne Kontakt – wenn sie es wollen. Beispielsweise verschickt sie zu Weihnachten einen Band mit Artikeln und Bildern der Ereignisse im jeweils zu Ende gehenden Jahr. Neu in der Adressenliste ist Marianne Briegel. Sie arbeitet in Guatemala in der deutschen Botschaft. Ihr Herz schlägt allerdings auch für ein caritatives Projekt, das Kinder fördert.

In Villa Nueva, einem der gefährlichsten Bezirke in Guatemala-Stadt, hat Marianne Briegel ein Projekt aufgebaut, das sich um Kinder aus ganz schwierigen und sehr armen Verhältnissen kümmert. Ziel ist es, ihnen Bildung mit auf den Weg zu geben und sie zu starken Persönlichkeiten zu machen. Denn viele Minderjährige sind in dieser Region der Großstadt Opfer von Gewalt. Banden werben sie an, sie dealen mit Drogen oder sind sexueller Gewalt ausgeliefert. Immer häufiger werden sie als Mörder oder Erpresser benutzt.

Projekt für Kinder und Jugendliche entwickelt

Die Not dieser Kinder ist groß. Sie leben oft bei alleinerziehenden Müttern. Die Eltern arbeiten meist in „informellen“ Arbeitsverhältnissen ohne Vertrag und ohne Sicherheit. Regelmäßige Mahlzeiten und Schulbildung sind ihnen selten sehr wichtig. Kein Wunder, denn oft sind sie selber Analphabethen. Um die Kinder zu stärken, hat Marianne Briegel mit guatemaltekischen Akteuren das Projekt „Abriendos caminos“ – „Wege eröffnen“ gegründet.

Viel kreatives Potenzial

In einer Schule von Villa Nueva untergebracht, sorgen die Mitarbeiter dafür, dass die Kinder etwas zu essen bekommen und dass sie sich sinnvoll beschäftigen. Da gibt es Nachhilfe, wenn es in Mathe klemmt. Die Schülerinnen und Schüler malen, basten oder spielen dort Theater. „In den Kindern und Jugendlichen schlummert ein großes kreatives Potenzial“, erzählt Marianne Briegel.

Im FSJ in Guatemala gelandet

Sie kennt Guatemala, seit sie 2005 nach dem Abitur an den Kaufmännischen Schulen in Wangen für ein Freiwilliges Soziales Jahr dorthin ging. Während dieser Zeit lernte sie ihren heutigen Mann kennen. Nach dem FSJ ging die junge Frau zurück nach Deutschland, um Psychologie zu studieren. Die Beziehung hielt über Tausende von Kilometern hinweg. Ferienjobs machten die Flüge in den Semesterferien möglich.

Plan endete nach dem Psycholgie-Studium

Nach dem Studium war für die junge Frau klar, dass sie wieder nach Guatemala gehen würde. Es war nur nicht sicher, wie es dort weiter gehen sollte.  „Mein Plan endete mit meinem Psychologie-Studium. Was danach kommen würde, war mir selber nicht klar“, sagt sie heute. So packte sie ihre Koffer und zog zu ihrem Freund. Bei der deutschen Botschaft  fand sie Arbeit. Inzwischen hat sie eine Stelle in der Verwaltung. Sie organisiert deutsche Kulturveranstaltungen oder unterstützt deutsche Unternehmen und entsandte Botschaftsangehörige im Umgang mit der für Deutsche manchmal ungewöhnlichen Bürokratie des Gastlandes.

Kinder lernen Verlässlichkeit kennen

Auch darin hat sie in ihrem Projekt viel Übung gesammelt. „Die Strukturen sind dort nicht so klar wie hier in Deutschland“, sagt sie. Allein schon Zahlen zu beschaffen, die eine fundierte wissenschaftliche Basis für das Projekt bieten sollten, war schwierig und kostete viel Stehvermögen. „Das ist es auch, was die Kinder bei uns lernen – Verlässlichkeit,  Geduld und dass man etwas erreichen kann, wenn man konsequent arbeitet“, sagt Marianne Briegel.

Freitag und Samstag gehören den Kindern

Der Job in der Botschaft fordert sie fünf Tage in der Woche, der Freitagnachmittag und Samstag gehört den Kindern in Villa Nueva.  Meist ist sie gemeinsam mit ihrem Mann dort und sieht nach dem Rechten. Gerade in jüngster Zeit unterstützen die beiden dann auch die Mitarbeiter im Projekt, wenn es darum geht, Kontakte zu den Eltern aufzunehmen. „Wir arbeiten gerade verstärkt daran, Netzwerke mit Personen zu bilden, die zu den Kindern und Jugendlichen Kontakt haben“, berichtet sie.

Schul-Rucksack kostet so viel das Essen für zwei Wochen

Die guatemaltekischen Mitarbeiter bekommen eine kleine Bezahlung, beispielsweise 7,50 Euro pro Stunde, und da auch nur für die Zeit, in der sie direkt mit den Kindern arbeiten. Den kleinen Lohn brauchen sie dringend für ihr eigenes Auskommen. Zum Vergleich: Ein Mindestmonatslohn in dem mittelamerikanischen Land beträgt rund 180 Euro. Finanziert werden auch Weihnachtsgeschenke wie ein Rucksack mit Schulsachen. Er kostet 15 Euro und damit so viel wie das Essen für zwei Wochen. Den Familien ist damit eine große Last genommen.

Geld kommt aus der Heimat

Geld für das Projekt kommt von Freunden und Marianne Briegels Familie aus Wangen und manchmal aus völlig unerwarteten Quellen. So spielte vor kurzem das Amaryllis-Quartett ein Benefizkonzert für „Abriendo caminos“. Die Musiker hatten Marianne Briegel bei ihrer Arbeit in der Botschaft kennengelernt und dann beschlossen, sie von Deutschland aus auf diese Weise zu unterstützen. Derzeit arbeite sie aber daran, das Projekt auf eine nachhaltige Basis zu stellen. Intensiv denkt sie über die Gründung eines Vereins nach. „Das sollten wir mittelfristig anstreben“, sagt sie.

Info:

Wer gerne spenden möchte, kann Geld auf dieses deutsche Konto überweisen: Marianne Briegel, Konto 101 5577 628, BLZ 120 300 00, bei der DKB, Betreff: Abriendo caminos. Wenn die Spender ihre Emailadresse angeben, tritt Marianne Briegel gern in Kontakt mit ihnen. Wer sich für das Projekt interessiert, kann sich auch per E-Mail an Marianne Briegel wenden unter: marianne_briegel @web .de (Underline zwischen Vor- und Zuname)

 

Ehemalige Wangener, die gerne über die Ereignisse in Wangen auf dem Laufenden gehalten werden möchten, können ihre Adresse an Stefanie Küfer bei der Stadtverwaltung geben. Sie bekommen dann gegen Jahresende das Heft mit Berichten zugeschickt: stefanie.kuefer @wangen .de.