background
Einfach Ankommen
und Wohlfühlen
Freitag, 15. Mai 2015

Jörg Leist mit Ehrenbürgerwürde der Stadt ausgezeichnet

Alt-Oberbürgermeister Dr. Jörg Leist ist am 13. Mai 2015 zum Ehrenbürger der Stadt Wangen im Allgäu ernannt worden.

Oberbürgermeister Michael Lang überreichte seinem Vorgänger die Ehrenbürgerurkunde beim Festakt mit ehemaligen Weggefährten und heutigen Gemeinderäten und eine Sonderausgabe der Wangen-Chronik. Sie ist eingebunden in ein Stück Leder aus dem alten OB-Sessel, der im Büro des Oberbürgermeisters steht, und zeigt das Stadtwappen der Rücklehne.

Auszeichnung für das Engagement im Ehrenamt
Die Stadt Wangen ehrt damit vor allem das langjährige ehrenamtliche Engagement Leists während seiner 33-jährigen Amtszeit, aber ganz besonders darüber hinaus bis in die Gegenwart, wie Oberbürgermeister Michael Lang sagte. Lang nannte die Bereiche, in denen Leist bis heute tätig ist. Die Arbeitsgemeinschaft Heimatpflege, die Leist 1993 mit anderen Engagierten aus der Region ins Leben rief. Die Rauchausstellung, die 2014 als erfolgreichste Ausstellung im Wangener Stadtmuseum und der Badstube gezeigt wurde, lebte von seinem Engagement und dem des AMV mit seiner Tochter Irina an der Spitze. 

Oder die Hospizgruppe, die er bis zur Gründung des Hospizes am Engelberg beim Aufbau unterstützte und der er bis heute mit seinem Rat zur Seite steht. Oder der DRK-Ortsvorsitz, den Leist bis zum Ende seiner Amtszeit inne hatte und den dann Oberbürgermeister Lang übernahm. Die Geschichte des DRK in Wangen ist unter Federführung von Jörg Leist 2014 aufgearbeitet worden. Lang nannte weiter die Partnerschaften mit La Garenne-Colombes und Prato, Kunst und Kultur-Förderung unterschiedlichster Art,  wie bei den Brunnen und Figuren in der Altstadt, den Altstadtkonzerten.

Gemeinsam in Sachen Kunst unterwegs
Gemeinsam übergaben Leist und Lang 2003 „das Seelenmahl“ der Öffentlichkeit, und Leist veranlasste Lang zum Kauf einer Skulptur des in Rottweil verstorbenen Künstlers Siegfried Haas aus dessen Nachlass. Die „Diotima“ wird in den nächsten Jahren auf dem Landesgartenschaugelände aufgestellt werden.

Viele Verdienste
Dann ging Lang auf die Verdienste seines Vorgängers im Amt ein. Die Altstadtsanierung habe ihn von Beginn an beschäftigt und sei eine ganz „großartige Lebensleistung“, sagte Lang. „Die Stadtsanierung ist Wirtschaftsförderung pur.“ Sie diene nicht nur dem Erhalt von Kulturgut, sondern auch dem Erhalt der Steuerkraft einer Stadt. Der Masterplan dafür sei die Rauchsche Stadtansicht gewesen. Die Altstadtfibel sei gerade erneuert worden, sagte Lang, und das durch einstimmigen Beschluss des Gemeinderats. „Es ist ein großes Potenzial, dass der Gemeinderat hier gemeinsam steht.“

Folgen der Verwaltungsreform
Lang ging ein auf die Gemeinde- und Verwaltungsreform, die zunächst dazu führte, dass der Landkreis Wangen im Landkreis Ravensburg aufging, was die Bevölkerung im Allgäu gar nicht schätzte. Die Eingliederungsverträge mit den Ortschaften wurden verhandelt und unterschrieben. Die Inhalte führten dazu, dass man bis heute gut zusammen leben kann.

Dann wurde die Gallusbrücke gebaut, die ein verkehrstechnischer Befreiungsschalag für die Altstadt war, wie Lang sagte. Das Baugebiet Waltersbühl II, die Kläranlage, die Gewerbegebiete, die Jugendmusikschule, die heute 2500 Schüler hat und eine wichtiges Bindeglied zwischen den Städten im Allgäu hat, kamen hinzu. Unter Leist vertrauten Karl und Karoline Kohler sowie die Geschwister Mohr ihr Erbe der Stadt Wangen an. Die Mohr-Stiftung ermöglicht der Stadt im Kulturbereich und im sozialen Bereich vieles, was sonst nicht möglich wäre.

Am 12. Januar 2002 wurde Leist schließlich aus dem Amt verabschiedet. Gemeinderat, Verwaltung und Weggefährten inszenierten ein barockes Theaterstück, geschrieben von Siegfried Spangenberg. Die Bilder, die Lang davon präsentierte, unter anderem mit dem damaligen Landrat Guntram Blaser als Sonnenkönig, sorgten für großes Schmunzeln.

Leist, der all dies interessiert, amüsiert und teilweise auch bewegt verfolgt hatte, dankte seinem Nachfolger, in dem er die „treibende Kraft“ hinter der Ehrung vermutete.

Mit 80 Jahren Auszeichnung angenommen
Bereits zwei Mal habe er diese abgelehnt, sagte Leist: Das erste Mal 2001, als sie ihm von seinem Kollegen, Bürgermeister Gerd Locher, an ihn herangetragen wurde. Der Grund: er sei für seine Arbeit ordentlich bezahlt worden und Vergnügen habe sie ihm auch bereitet. Weshalb also noch eine Ehrung? Und das zweite Mal lehnte er den Antrag zum 75. Geburtstag ab. „Ich habe mich gedrückt und auf den 80. Geburtstag verwiesen“, sagte der Alt-OB.

Und fast hätte er noch einnmal abgesagt, dann nämlich wenn die Stadt wirklich die Linde am Bildstöckle in der Bregenzer Straße gefällt hätte, sagte der Baumfreund.

Leist dankte dafür, dass der heutige Hausherr ihm den Wunsch erfüllt habe, diese Zeremonie im Sitzungssaal des Rathauses und mit den alten Weggefährten aus Gemeinderat und Verwaltung zu vollziehen. Der Raum habe eine eigene Psychologie, lasse Platz für Gedankenflüge und sei auch in der Lage gewesen, den weißen Flügel von Konstantin Wecker einst aufzunehmen. Dieser sei über das Herren-WC ins Rathaus und dann vollends über die Treppen hinaufgehievt worden.

Weiter kritische Beobachtung
Leist endete seine Ausführung mit der Bemerkung, er werde, „solange es geht, das Geschehen in der Stadt mit hoffentlich kritischem Verstand begleiten.“ Denn alte Liebe roste nicht.

Der Abend wurde feierlich umrahmt von Richard Nolte (Flöte) und Monika Schuh (Gitarre), beide Lehrkräfte an der Jugendmusikschule Württembergisches Allgäu. Im Anschluss an den offiziellen Teil gab es bei Häppchen und Getränken Gelegenheit zum Austausch.