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Samstag, 17. Februar 2018

Der ERBA-Rückbau hat begonnen

In der Fasnetswoche ist der Bagger angerückt, um die ehemalige Weberei und einen Teil der Baumwollspinnerei abzubrechen.

Die Vorarbeiten für den qualifizierten Rückbau, wie es in der Fachsprache heißt, hatten bereits Anfang Januar begonnen. Denn die Gebäude können nicht einfach umgeworfen werden. Jede Schicht muss sauber getrennt und abgetragen werden, damit die unterschiedlichen Arten von Baumaterial auch entsprechend entsorgt werden können.  „Im ersten Schritt haben wir die Gebäude entrümpelt“, sagt Olaf Holz von der Firma Libare in Winterlingen, die für den Rückbau zuständig ist.

Und dann ging es zum Beispiel daran, den Estrich Schicht für Schicht aus den Gebäuden zu holen. In Halle 1, wo früher die Sportturbine alles rund um den Sport verkaufte, sei das relativ einfach, sagte Holz, denn der Estrich dort sei nicht schadstoffbelastet. Anders in der ehemaligen Skate-Factory: Dieser Boden enthält Spuren von Asbest, was bedeutet, dass die belastete Schicht sorgsam abgetragen werden muss.

Störstoffe gefunden

Die Fachleute unterscheiden beim Abriss Störstoffe von Schadstoffen. Zu den Schadstoffen gehören Stoffe wie Asbest, die giftig sind und speziell entsorgt werden müssen. Störstoffe sind solche Inhalte, die verhindern, dass zum Beispiel Beton in reiner Form zum Recycling gebracht werden kann. Im Fall der ERBA tauchte so Sulfat auf. Beton – wenn er denn wirklich in Reinform abgebaut wird – bleibt hier in der Region und wird im Straßenbau mitverwendet. Andere Stoffe werden auf spezialisierten Deponien entsorgt. Zu den Besonderheiten der ehemaligen Weberei gehört auch Teerkork, der an vielen Stellen verbaut wurde. Dabei handelt es sich um kleine Stücke Kork, die von PAK-haltigem Teer zusammengehalten werden. Sie gehören auch zu den organischen Stoffen und  müssen entsprechend sachgerecht entsorgt werden.

Belastet sind auch einige Dachkonstruktionen der früheren Weberei aus. Sie bestehen aus mehreren Schichten, darunter Teer- und Asbestanteile.  Die Materialien werden von den Mitarbeitern in Schutzanzügen und Schutzmasken teilweise von Hand ausgebaut und in Säcken zum Abtransport verstaut.

Staub und Lärm

Laut und manchmal sehr staubig geht es bei diesen Arbeiten zu. In der ehemaligen Baumwollspinnerei  steht eine dicke graue Wolke. Allerdings sind die Abbrucharbeiten nur zu einem Teil der Grund dafür. Olav Holz hebt ein Stück Baumwolle auf. „Solche Fäden und Flusen hat es in den Deckenzwischenräumen dieser Halle überall gegeben und die sind hier auch in der Luft“, sagt er.

Wieder draußen auf der Straße zwischen den Gebäuden beißt sich ein Bagger in die Wand von Halle 1 der ehemaligen Weberei. Vorsichtig zieht er Metall aus der Mauer und legt es auf einen Haufen. Dann packt er größere Betonmauerteile an und legt sie auf einen weiteren Haufen. So kann später auch der Abtransport sauber erledigt werden.

Finanzierung über Stadtsanierung

„25 000 Tonnen Material werden so in den kommenden Wochen entsorgt“, sagt Frank Schwarzwälder, der vonseiten der Stadt Wangen den Rückbau betreut. „Insgesamt 95 000 Kubikmeter umbauter Raum werden so verschwinden, an Fläche sind das rund 12 000 Quadratmeter.“  Wie lange es dauern wird, bis alles weg ist, kann im Moment nicht ganz sicher gesagt werden.  Der Plan geht von Ende März aus. Allerdings zeigt sich jetzt schon, dass die Materialien komplexer sind, als ursprünglich angenommen. So ist es auch denkbar, dass der bisher abgesteckte Auftragsrahmen von 1,2 Millionen Euro nicht ausreichen wird. Finanziert wird der Rückbau aus Mitteln der Stadtsanierung, die wiederum zu 60 Prozent von Bund und Land bezuschusst wird.