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Mittwoch, 13. November 2019

OB nimmt Narren-Bürokratie auf die Schippe

„Es goht da gega“ – Am 11.11. hat die Narrenzunft Kuhschelle weiß-rot bei der Martinisitzung Zunftmitglieder und andere „Obere“ um sich versammelt. Sie hat sich auch ein bisschen aufs Korn nehmen lassen müssen für anscheinend bürokratische Anflüge, wie sie in der Vereinszeitung „Kuhschelle“ erklärt wurden.

Oberbürgermeister Michael Lang verwies auf eine Passage der Seite 1 der Kuhschelle, in der von einer neuen Zunft- und Häserbelehrung die Rede ist, ohne die kein Neumitglied den Laufbändel für die Umzüge erhält. Das klinge sehr nach Bürokratie, meinte der Rathauschef und prüfte das Wissen von Zunftmeister Wolfgang Tengler in Sachen Wangener Fasnet auf Herz und Nieren“ mit ernsten und launigen Fragen.

So wollte er wissen, wie schnell die Narren an der Ehrentribüne und durch die Altstadt gehen dürfen. Tengler vermutete 10 Kilometer pro Stunde, weil die Zunft wolle, dass der Zug zügig unterwegs sei. Das war schon ziemlich richtig, wie OB Lang meinte. Man dürfe mit Schrittgeschwindigkeit durch die Stadt gehen. Dann fragte er, wann der Narr seine Maske abnimmt – vor dem zu Bett gehen, vor dem Umzug, weil man darunter nicht schnaufen kann oder vor der Ehrentribüne. Richtig war natürlich keine der Fragen, weswegen der Zunftchef mit seiner Antwort auch gar nicht falsch liegen konnte, als er sagte: „Ein richtiger Narr legt seine Maske erst am Fasnetsdienstag ab“.

Einen Publikumsjoker nahm Tengler in Anspruch für die Fragen, wann es in Wangen die erste Fasnet gab und welches Motto bei der Neugründung 1935 gefeiert wurde. Brauchtumsfachmann Bruno Schöllhorn lieferte die Antworten: „Ich würde es mal mit 1498 probieren und „Wangen im Jahr 2000“. 

Damit die Narren künftig die Bürokratie richtig hinkriegen, überreichte OB Lang dem Zunftmeister einen (Amts-)Schimmel, einen Griffel samt Spitzer und Ärmelschoner – alles Dinge, die bei den Ämtern schon lange der Vergangenheit angehören, aber jetzt vielleicht wieder an anderer Stelle Verwendung finden könnten, wie er meinte. Und schließlich überreichte er den beiden Zunftchefs, Wolfgang Tengler und seinem Vize, Markus Berte, jeweils eine Urkunde, die ihnen die Teilnahme am Fasnetsumzug in Wangen nach bestandener Zunft- und Häserbelehrung „genehmigt“. Beide erhielten nach Abstimmung im Saal die Benotung „saumäßig gut“. Die Zunft- und Häserbelehrung hat einen ernsthaften Hintergrund, wie Wolfgang Tengler sagte. „Sie soll sichern, dass die Wangener Zunftmitglieder ein gutes Auftreten haben.“

Alt-Bürgermeister Ulrich Mauch berichtete von seinen Erfahrungen als Pensionär. „Ich bin Pensionär in Ausbildung und ganz sicher, dass ich Lehrzeit-Verkürzung bekomme“, sagte er. Insbesondere als Koch sei er gut eingestiegen. Seine Frau habe ihn kürzlich gefragt, was gibt es heute. „Nix“, habe er geantwortet – und morgen? „Auch nix“, erhabe schließlich vorgekocht.

Die Zunft ehrte eine ganze Reihe verdienter Mitglieder und verabschiedete auch einige aus ihren Ämtern. Beispielhaft hier zu nennen ist Uli Müller, dessen 60-jährige Mitgliedschaft von Ehrenzunftmeister Jürgen Kaiser gewürdigt wurde. Müller sei allseits bekannt als „Uli von Akkordien“, der die Fasnet mit seiner Musik bereichere und sich ansonsten in vielen Bereichen der Zunft engagiert habe und noch engagiert. Derzeit kümmert er sich hauptsächlich um das Zunftarchiv. 

Neu im Leitungsteam der Narrenzunft ist Narrenvater Sascha Reichl als „Sascha, der Eitle von Ibanien. Er löst Markus Orsingher ab. Sascha Reichl hat mit Peter Engstler und Andreas Joos zwei Stellvertreter.