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Dienstag, 24. Juli 2018

Festspiele 2018 feiern jetzt Premiere

Die Festspiele Wangen starten diese Woche in die Saison 2018. Peter Raffalt, künstlerischer Leiter der Festspiele Wangen, Regisseur und Schauspieler, blickt im Interview auf seine zweite Wangen-Saison.

Am Donnerstag, 26. Juli 2018, ist Premiere für  „Volpone. Der Fuchs“ nach Ben Jonson. Bis zum Sonntag, 5. August 2018 folgen weitere Premieren für „Aladdin und die Wunderlampe“ aus Tausendundeiner Nacht und „Heute Abend: Lola Blau“ von Georg Kreisler. Zudem wird „Der Kontrabass“ von Patrick Süskind wieder aufgenommen. Wir haben mit Peter Raffalt über seine Arbeit und die Stücke gesprochen.

Wie geht’s Ihnen im zweiten Sommer in Wangen?
Peter Raffalt: Sehr gut geht es mir. Wir sind ein sehr harmonisches und homogenes Team. Alle sind sehr motiviert. Und gewisse Dinge kennt man schon vom vergangenen Jahr, was die Arbeit effizienter macht.

Was meinen Sie damit?
Raffalt: Das sind die technischen Abläufe, die hier einfach anders sind als im Theater. Zum Beispiel die Zusammenarbeit mit dem städtischen Bauhof. Aber sie läuft tadellos wie alles andere auch. Mir macht die Arbeit hier richtig Spaß. Ein Wirtschaftsboss hat einmal gesagt, „Stellen Sie sich vor, Sie gehen das ganze Leben lang gern zur Arbeit. Dann sind Sie arbeitslos.“ Also demnach bin ich in Wangen arbeitslos.

Ist die Arbeit für die Festspiele Wangen heute anders als 2017, weil die Stücke auch noch nach Überlingen weiterziehen?
Raffalt: Das kann ich erst sagen, wenn wir auch in Überlingen gespielt haben. Für die Konstruktion des Bühnenbildes musste Dominique Wiesbauer allerdings beide Spielorte im Blick haben. Natürlich arbeiten wir schon mit den Statisten in Überlingen. Aber die eigentliche Planung für den Umzug beginnt erst, wenn hier die Premieren hinter uns liegen.

Kommen wir auf die Stücke zu sprechen: Im vergangenen Jahr haben wir mit „Viel Lärm um nichts“ eine Shakespeare-Komödie gesehen. Jetzt inszenieren Sie mit Ben Jonsons „Volpone. Der Fuchs“ das Stück eines Shakespeare-Zeitgenossen - warum?

Raffalt: Volpone ist eine ganz harsche Kritik am Kapitalismus, geschrieben in einer Zeit, die diesen Begriff noch gar nicht kannte. Es geht um die Habgier des Menschen, und dieses Thema ist heute so aktuell wie damals und wird auch in 500 Jahren wahrscheinlich noch aktuell sein. Die Gier und das Geld bilden eine Achse, um die sich die Menschheit dreht. Zu Geld und zu Vermögen zu kommen, ist ja an sich nichts Verwerfliches. Aber oft geht beides mit Unlauterkeit und moralischem Verfall einher. Das kann man bis heute sehen, wenn man die Nachrichten schaut - egal, ob es um die Finanzkrise, den Abgasskandal oder Steuerhinterziehung bei Fußballmanagern geht, die dann auch noch mit einem blauen Auge davonkommen. Obwohl Volpone ein Stück im Stil der Comedia dell arte ist, ist es auch heute noch sehr aktuell.

Kann man Volpone denn übernehmen, wie Jonson ihn geschrieben hat? Oder haben Sie ihn kräftig redigiert?
Raffalt: Ich habe ich ihn nicht komplett umgeschrieben. Ich habe sein Gerüst übernommen. Wenn man Jonson im Original spielen würde, käme man vermutlich nicht unter fünf Stunden weg. Ich habe also vereinfacht, gekürzt und einen anderen Schluss geschrieben.

Verraten Sie das Ende schon?

Raffalt: Ich verrate so viel: Bei Jonson gibt es ein Happy End mit Moral. Ich habe dem Stück eine ganz andere Offenheit gegeben.

Der Stoff des Familienstücks „Aladdin und die Wunderlampe“ spielt im Original im Fernen Osten und im Orient, richtig? Ist es überhaupt wichtig, in welcher Umgebung die Geschichte angesiedelt ist? Anders gefragt: Könnte sie auch in Tirol, im Allgäu oder irgendwo sonst in der Welt angesiedelt sein?
Raffalt: Im Text heißt es „eine Stadt im fernen China“. Es kann gut sein, dass sich bei der Überlieferung einfach eine Ungenauigkeit eingeschlichen hat. Wir haben durchaus überlegt, ob wir das Stück in China oder in Wangen spielen lassen, haben diese Gedanken aber verworfen. Denn man verbindet mit dem Namen „Aladdin“ bei uns einfach den Orient. Inhaltlich spielt es tatsächlich keine Rolle, wo das Stück spielt. Denn es geht um jemanden, der völlig unerwartet zu sehr großem Reichtum gelangt und dadurch moralisch auf die Probe gestellt wird. Diese Probe besteht er, denn er schenkt dem Geist, der ihm zu allem Reichtum verholfen hat, die Freiheit – und das obwohl er weiß, dass er dann keine Wünsche mehr frei haben wird. Das ist eine sehr gereifte Entscheidung. Weil es aber märchenhaft und poetisch ist, haben wir uns dafür entschieden, das Stück arabisch zu belassen – auch wenn wir uns bewusst sind, dass beim Blick auf die heutige arabische Welt wie in Mossul oder Aleppo so gar nicht märchenhaft ist. Theater hat aber die Berechtigung, Menschen in eine Phantasiewelt zu entführen. Das wollen wir bei „Aladdin“ tun.

Worauf kann sich das Publikum freuen, wenn es am Nachmittag zum Familienstück kommt?

Raffalt: Wir haben schöne arabische Musik und Tänze. Und es gibt bei uns Kamele, Affen und Pinguine, die sich verirrt haben. Sie erleben im Orient funktionierende Integration und werden sogar zum Großwesir ernannt.

Im Rahmenprogramm haben Sie dieses Mal zwei Solostücke mit „Heute Abend: Lola Blau“ und „Der Kontrabass“. Was zeichnet diese Stücke aus?

Raffalt: „Heute Abend: Lola Blau“ wird ein ganz berührender Abend, der sehr zu Herzen geht. Er thematisiert die Vertreibung, das Flüchtlingsleben und das Ausgestoßensein. Den Kontrabass machen wir noch zweimal, weil er im letzten Jahr so erfolgreich war. Es wäre sehr schön, wenn das Wangener Publikum diese beiden Stücke als Festspielperlen wahrnimmt.

Also alles bereit, für einen schönen Festspielsommer?
Raffalt:  Noch proben wir. Aber wir freuen uns sehr, Teil des Wangener Kulturprogramms zu sein, übrigens auch der Kulturnacht am 3. August.

Info: An allen Donnerstagen gibt Peter Raffalt bereits um 18.30 Uhr eine Einführung zu „Volpone. Der Fuchs“ und erklärt die Hintergründe. Dieses Angebot ist kostenlos.

Kartenservice: Eintrittskarten gibt es bei allen bekannten Vorverkaufsstellen, im Gästeamt Wangen, Bindstraße 10, 88239 Wangen, über www.festspiel-wangen.de und www.reservix.de