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Samstag, 10. März 2018

Blindenfußball-Bundesliga spielt während Wangener Welten

Die Blindenfußballbundesliga spielt gerne mitten im städtischen Leben. So wird es auch in Wangen sein. Foto: Agentur Tailormade, Oliver Meyer

Die Masken schützen nicht nur die Köpfe der blinden Spieler. Sie stellen auch sicher, dass alle unter gleichen Seh-Bedingungen starten. Foto: Agentur Tailormade, Oliver Meyer

Organisatoren:

Die Wangener Welten warten bei ihrem 10-Jahr-Jubiläum mit einem außergewöhnlichen sportlichen Event auf: Die Deutsche Blindenfußballbundesliga wird den ganzen Samstag, 7. Mai 2018, über ihren ersten Spieltag in Wangen austragen.

Blindenfußball ist eine in Deutschland noch junge Disziplin. Gespielt wird sie von Menschen, die ganz erblindet sind oder von solchen, die nur noch sehr wenig Sehkraft besitzen. Um sicher zu gehen, dass alle mit gleichen Voraussetzungen  spielen, tragen sie Augenmasken.

Ganz anders als beim Fußball der Sehenden, gibt es auf den Rängen keine Schlachtenbummler mit Tröten, Hupen oder anderen Instrumenten. Denn die Blinden müssen den Ball hören und auf Kommandos von außen reagieren können, wie Oliver Deutscher, Abteilungsleiter Gesellschaftliche Verantwortung bei Württembergischen Fußballverband erläutert. Der Ball, mit dem gekickt wird, ist schwerer als ein normaler Fußball und auch etwas kleiner. Gefüllt ist er mit Metallblättchen, die beim Spielen rasseln und es so den Spielern ermöglichen, ihn zu lokalisieren. Blinde Fußballer haben eine besondere Lauftechnik, mit der sie den Ball nicht nur vorantreiben, sondern auch ständig  kontrollieren können. Dennoch sind sie in der Lage exakte Pässe zu spielen.

Einziger Spieler, der in dieser Spielart sieht, ist der Torhüter. Er hat nicht nur die Aufgabe, möglichst keinen Ball an sich vorbei ins Eckige ziehen zu lassen. Er muss auch sein Team vor dem Tor mit Worten dirigieren. Der Trainer an der Längsseite des Feldes gibt Kommandos für die Spieler im Mittelfeld und hinter dem Tor des Gegners steht ein so genannter „Guide“, der die Stürmer mit Worten unterstützt. Einfache Kommandos wie „10-1“ oder „Wechsel“ bedeuten: „Es sind noch 10 Meter bis zum Tor und noch ein Gegenspieler ist dazwischen“ oder „Den Ball auf die andere Seite spielen“.

Sehr wichtig ist das Kommando „Voy“. Es ist spanisch und heißt „Ich komme“. Es muss von Spielern lauf gerufen werden, die auf einen anderen Spieler zulaufen. Wird dieser Ruf vergessen, erhält das ballführende Team vom Schiedsrichter einen Freistoß.

Manche Zuschauer tragen Kopfhörer, denn das Spiel wird von zwei Reportern live kommentiert, ähnlich wie bei einer Rundfunkreportage. So können auch die Auswechselspieler den Spielverlauf verfolgen. Da die Reportage per Livestream auch im Internet übertragen wird, so dass auch daheim Gebliebene mitfiebern.
Das Spielfeld der Blindenfußballer ist mit 20 mal 40 Meter kleiner als das der sehenden Spieler. Ähnlich wie beim Hallenfußball stehen entlang der Längsseiten Banden, die auch ins Spiel einbezogen werden. Die Spieldauer beträgt zweimal 25 Minuten reine Spielzeit. Bei Unterbrechungen wird die Uhr angehalten. Das Tor entspricht einem Handballtor mit zwei mal drei Meter.

Blindenfußball wird in Deutschland meist in den großen Städten angeboten. Laut Sepp Herberger Stiftung des DFB, die auch das Turnier in Wangen organisiert, leben in Deutschland 145.000 blinde und mehr als 500.000 sehbehinderte Menschen. 2006 gilt als das Geburtsjahr des Blindenfußballs in Deutschland. Im Rahmenprogramm der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 fand in Berlin das erste große internationale Turnier auf deutschem Boden statt: der International Blind Challenge Cup (IBCC).

Derzeit werde an 19 Orten trainiert. Meist sind diese Teams Teil eines bereits bestehenden Vereins. Im vergangenen Jahr haben sich folgende Vereine an der Blindenfußballbundesliga beteiligt:  SF Blau-Gelb Blista Marburg, FC St. Pauli, Chemnitzer FC, FC Schalke 04, Borussia Dortmund,  MTV Stuttgart, SG PSV Köln/ Teutonia Köppern sowie SG TSV 1860 München / Viktoria Berlin.