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Donnerstag, 16. Januar 2020

„Der letzte Jolly Boy“ am Holocaust-Gedenktag

Am Jahrtag der Befreiung des KZ Auschwitz zeigt das Rupert-Neß-Gymnasium im Lichtspielhaus Sohler den Film "Der letzte Jolly Boy" über den Holocaust-Überlebenden Leon Schwarzbaum.

Drei Jahre lang begleitete Hans-Erich Viet, Autor und Regisseur den Holocaust-Überlebenden Leon Schwarzbaum. Gemeinsam kehrten sie zurück an die Orte größter Pein, ungeheurer Unmenschlichkeit, tiefster Erniedrigung und Tod. Schwarzbaum musste zur Zeit der NS-Diktatur das Schlimmste mitansehen, aber er überlebte; als einziger seiner Familie. Geboren am 20. Februar 1921 in Hamburg-Altona als Sohn eines Altmetall-Händlers, zogen die ursprünglich polnischen Juden wieder zurück in die Heimat nach Bedzin (nahe Kattowitz) in Oberschlesien. Schwarzbaums Leidenschaft war die Musik. Er liebte den amerikanischen Swing, steppte und gründete gemeinsam mit Freunden eine A-cappella-Gruppe: Die Jolly Boys. Doch kurz nach seinem Abitur im September 1939 passiert es: Die Deutschen fallen in Polen ein. In seinem Wohnort Bedzin wird die Synagoge angezündet. Schwarzbaum kommt ins Konzentrationslager Bobrek und leistet dort Zwangsarbeit für Siemens.Die drei weiteren Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau, Buchenwald und Haselhorst hat er mit viel Glück überlebt.

Gemeinsam mit dem Ostfriesen Viet, der zuvor insbesondere als Regisseur von Krimis der beliebten Reihe „Polizeiruf 110“ in der Öffentlichkeit in Erscheinung trat, taucht Schwarzbaum tief in seine Vergangenheit ein. Lange hat er das Thema verdrängt, im Herbst seines Lebens ist der Wunsch, zu verstehen, was nicht zu verstehen ist, jedoch zu groß geworden. Der daraus entstandene Dokumentarfilm wurde 2018 unter anderem mit dem Filmpreis des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) ausgezeichnet.

Auf den Tag genau 75 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau zeigt das Rupert-Neß-Gymnasium in Zusammenarbeit mit der Stadt Wangen am Montag, 27. Januar, 19.30 Uhr, den preisgekrönten Film im Wangener Lichtspielhaus Sohler. Vormittags bei den Schüleraufführungen wird auch Oberbürgermeister Michael Lang anwesend sein, der die Initiative zu diesem Projekt hatte. Neben dem Filmemacher können Gemeinschaftskunde-Fachvorsitzender Shawn Perekrestenko und Schulleiter Michael Roth auch Thomas Walther begrüßen. Dieser spielt in der Geschichte Schwarzbaums eine entscheidende Rolle: Der frühere Staatsanwalt und Richter aus Wangen bereitete die Anklage gegen den KZ-Aufseher John Demjanjuk vor. Damit sorgte er nicht nur dafür, dass erstmals ein Wachmann zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt wurde, sondern auch, dass die „Opfer ein Gesicht bekommen“ haben, sagt Walther. Ihnen ist Gerechtigkeit widerfahren. Ausgezeichnet wurde Walther deshalb im Juli 2019 mit dem Bundesverdienstkreuz.

Am Abend ist dann die Öffentlichkeit zum Film geladen. Wie bedeutend diese Veranstaltung ist, zeigt auch, dass sowohl Filmemacher Viet als auch Walther an diesem geschichtsträchtigen Tag alle weiteren Termine abgesagt haben und aus Ostfriesland (Viet) und Ungarn (Walther) nach Wangen kommen werden.

Info: Die Filmvorführung mit anschließender Diskussion beginnt am Montag, 27. Januar 2020, um 19.30 Uhr im Lichspielhaus Sohler. Karten gibt es im nur im Rupert-Neß-Gymnasium (Mail: info@rng-wangen.de, Tel. 07522 / 97843-3) zum Preis von 5 Euro (Ermäßigte: 3 Euro).

Text: Rupert-Neß-Gymnasium