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Montag, 13. August 2018

Erweiterung des Biomasse-Heizkraftwerks ist in Betrieb

Sieben Jahre nach der ersten Inbetriebnahme haben jetzt Stadt und Stadtwerke Wangen im Beisein zahlreicher Gäste die Erweiterung des Biomasseheizkraftwerks hinter dem Allgäu-Stadion gefeiert.

„Wir feiern die Fertigstellung eines Heizkraftwerks – etwas, was man bei 30 Grad Hitze nicht bräuchte“, sagte Oberbürgermeister Michael Lang schmunzelnd angesichts der Tatsache, dass Objekt und Jahreszeit scheinbar gar nicht zusammenpassten.  Andererseits ist weder Zeit noch passendes Klima für Feiern, wenn das Kraftwerk voll in Betrieb ist, denn dann ist Winter. 

OB Lang beschrieb die Erfolgsgeschichte dieses Kraftwerks, das ab 2021 rein rechnerisch sämtliche städtischen Liegenschaften mit Wärme versorgen wird. Dass der Erfolg so schnell kommen würde, damit hatte bei der Stadt und den Stadtwerken Wangen im Allgäu niemand gerechnet. Viel passiere in Wangen auf dem Energiesektor insgesamt in den Bereichen Wärme und Wasserkraft, sagte OB Lang. Einen großen Anteil an dieser Entwicklung habe das versierte und engagierte Personal, Urs Geuppert und Frank Müller, die später von Architekt Thomas Knecht auch als die „Jungen Wilden“ bezeichnet wurden. „Das ist ein kleines Team, das viel tut. Sie wollen etwas bewegen“, sagte Lang.

Eine Investition in die Zukunft

Mit Blick auf die Tatsache, dass sich manche Investition in die Infrastruktur im Energiesektor erst nach vielen Jahren auch in Heller und Pfennig auszahlen wird, fügte er hinzu: „Vermutlich weiß man bei der Stadt erst richtig zu schätzen, was da bewegt wurde, wenn wir alle ums Eck sind.“ Der so gelobte Urs Geuppert dankte allen, mit denen dieses Projekt umgesetzt werden konnte auch weiter entwickelt wird.

In diesen Dank schloss Lang auch die Unternehmen ein, die auf der Baustelle tätig waren. „Wir sind froh um die Kompetenz auf unseren Baustellen. Denn gut ausgebildete Fachkräfte sind ein knappes Gut, aber notwendig, damit wir den technischen Fortschritt umsetzen können“, sagte er. Beteiligt waren die Firmen Lehnert, Ebert, Rast, Schele und Rummel, Herz, Froling, Geiger, Burk, Berkefeld und HPC. OB Lang dankte auch den Nachbarn für ihr Verständnis für die Anlage. „Wir wollen es gut machen und haben einen kurzen Draht“, sagte er. 

Geschichte der pausenlosen Netzerweiterung

Thomas Knecht vom zuständigen Ingenieurbüro in Wilpoldsried umriss die Historie des Biomasseheizkraftwerks. Vor zehn Jahren habe nach dem Beschluss des Gemeinderats die Entwicklung begonnen. Die Stadt sei von Anfang an Hauptakteur gewesen, aber auch der Landkreis und das Land Baden-Württemberg seien mit ihren Gebäuden auf die Planung aufgesprungen. Die ersten Schritte seien mit dem damaligen Tiefbauamtsleiter Wolfgang Friederich gemacht worden, dann seien Urs Geuppert und Frank Müller dazugekommen. Die Planungen für den ersten Bauabschnitt starteten 2009, zwei Jahre später wurde das Heizkraftwerk in Betrieb genommen. Das Nahwärmenetz wurde ab 2013 jedes Jahr schrittweise ausgebaut: Zuerst wurde die Argeninsel angeschlossen, dann die Berger Höhe, der Südring, der Festplatz. Derzeit geht die Entwicklung weiter im ERBA- und Auwiesen-Gelände. Auch in der Altstadt ist der Ausbau geplant, denn dort könnten Bewohner ihre Häuser mit Nahwärme nachhaltig umrüsten und würden dabei auch noch Platz in ihren dann nicht mehr gebrauchten Heizkellern gewinnen. Konkret heißt das: 2011 hatte das Nahwärmenetz eine Länge von 990 Metern, heute von 3,7 Kilometern – Tendenz weiter steigend. Die Entwicklung in der ERBA wird voraussichtlich von einer weiteren Heizzentrale vor Ort aus gesteuert. Dort soll dann auch Wärme aus dem in der Nähe vorbeifließenden Abwasserkanal gewonnen werden. Diese Anlage könnte so groß werden, dass im Sommer die Heizzentrale hinter dem Allgäu Stadion abgeschaltet werden kann, stellte der Ingenieur in Aussicht. 

Thema für die Landesgartenschau

Mit der Verortung des Energiethemas in der ehemaligen Schreinerei und Tischlerei im ERBA-Gelände, die den Stadtwerken bereits gehört, könnte auch das Energiethema ein Teil dessen sein, was bei der Landesgartenschau 2024 präsentiert, sagte OB Lang. Zudem sei es ein Baustein für den European Energy Award, mit dem die Stadt bereits zweimal – zuletzt in Gold ausgezeichnet wurde.

Wer Lust hatte, konnte sich in den Räumen umsehen und sich die Funktionsweise der Anlagen erläutern lassen.