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Sonntag, 4. November 2018

Festakt an der 60 Jahre alten Martinstorschule

Mit einer kurzweiligen Feier hat die Martinstorschule am Donnerstag ihr 60-jähriges Bestehen gefeiert.

Nach der Begrüßung durch Schulleiter Ulrich Zumhasch ging es Schlag auf Schlag. 60 Jahre in zehn Minuten – diese reife Leistung schafften die vier Schülerinnen und Schüler Izaora, Cinthya, Oskar und Jacob bei ihrer Präsentation. Schlaglichtartig nannten sie die wichtigsten Stationen von der Gründung der Hilfsschulklasse 1958 bis heute. 

Spannend fand Ulrich Damm vom Staatlichen Schulamt diese Geschichte in Stichworten. Er sagte, damals vor 60 Jahren hätten sich mit der Gründung der Hilfsschulklasse Menschen nicht damit abfinden wollen, dass ganze Teile der Bevölkerung von Bildung ausgeschlossen werden sollten. Diese Menschen hätten jeden Menschen mit seinem Potenzial im Blick gehabt. 

In der würzigen Kürze der Schulgeschichte klang auch an, was im Festvortrag von Mechthild Ziegler, der Landesvorsitzenden des Vereins Lernen Fördern, ausführlicher betrachtet wurde: Es war in Baden-Württemberg ein langer Weg von der Lernunterstützung von Kindern bis hin zum umfassenden sonderpädagogischen Angebot. „Eltern wollen das Beste für ihr Kind“, sagte sie. „Doch was ist das Beste?“ So kamen beispielsweise in den 1990er Jahren erste Inklusionsgedanken auf. Außenklassen wurden gegründet. 2009 wurde die Förderschule insgesamt in Frage gestellt. „Doch 2015 wurden die Förderschulen als gleichrangig mit der Inklusion im Schulgesetz verankert“, sagte Ziegler. Voraussetzung für eine entsprechende Förderung sei die Wertschätzung, die einem Kind entgegengebracht wird.

Dass es davon eine ganze Menge an der Martinstorschule gibt, bescheinigte Oberbürgermeister Michael Lang Schulleiter Ulrich Zumhasch und der ganzen Schulfamilie. Er dankte namens der Stadt Wangen allen, die zum Wohl der Schule beigetragen haben und schloss dabei die beiden anwesenden früheren Schulleiter Klaus Kottmann und Wolfgang Jesz ein, die von 1975 bis 2015 die Geschicke der Schule lenkten. „Unter den elf kommunalen Schulen ist die Martinstorschule so etwas wie die Verbindung zwischen allen Schulen“, sagte Lang. Er habe Ulrich Zumhasch „als einen unglaublich den Menschen zugewandten Schulleiter“ kennengelernt. So habe er selbstverständlich Flüchtlingskinder in seiner Schule aufgenommen. 

Im Rundgespräch von Eltern und Schülern bekannte der scheidende Elternsprecher Florian Emele, dass er seine Tochter ursprünglich nicht auf diese Schule schicken wollte und resümierte: „Sie war das Beste, was unserer Tochter passieren konnte.“ Die Vorsitzende des Fördervereins Freunde der Martinstorschule, Brigitte Sauvage, schilderte die Aufgaben des Vereins, der für ein Frühstücksangebot ebenso sorgt, wie er Schullandheimaufenthalte und Arbeitskleidung finanziert, wenn es die Eltern nicht können. Tobias erzählte von seinem Weg zum Hauptschulabschluss über die Kooperationsklasse mit der Berufsschule. Heute lernt er bei der Firma Waldner. Angelina ist Klassensprecherin in der achten Klasse und möchte entweder in der Pflege oder im Kindergarten arbeiten. Zwei Praktika sollen ihr die Entscheidung erleichtern. 

Die Reden wurden musikalisch umrahmt vom Schulchor, der begeistert das Lied vom „armen Dorfschulmeisterlein“ sang. Für einen feierlichen Einstieg und einen unterhaltsamen Schluss sorgte der Instrumentalkreis unter der Leitung von Hans Ramacher.