background
Einfach Ankommen
und Wohlfühlen
Mittwoch, 26. Juni 2019

Gedenken und Feiern in La Garennes-Colombes

- Kranzniederlegung am Grab des unbekannten Soldaten unter dem Triumpfbogen in Paris.

- Ein kleiner Umzug zieht zum Abschluss des Stadtfests am Sonntagabend durch La Garenne-Colombes.

- Die Musikkapelle Niederwangen sorgte mitten im Markt für großes Hallo.

- Viele Jahre der Freundschaft verbinden André Gavé, Jean-Pierre Butet, Walter Patschke, Vorsitzender des Partnerschaftsvereins, der Vertreter der Stadt Daroun-Harissa im Libanon, Jean Moukawam, Isabelle Juvin-Marleix, Schwester von Bürgermeister Juvin und Beigeordnete für Kultur, OB Michael Lang und Christine Vaussoué (von links).

- OB Michael Lang begrüßt Madame Catrin, Witwe von Dr. Max Catrin, der gemeinsam mit Dr. Jörg Leist die Partnerschaft mit Wangen begründet hat.

Delegation der Stadt und des Partnerschaftsvereins und die Musikkapelle Niederwangen erleben das Stadtfest

Mit vielen – auch sehr bewegenden - Eindrücken ist die Delegation der Stadt und des Partnerschaftsvereins aus der Partnerstadt La Garenne-Colombes zurückgekehrt. Das vergangene Wochenende war eins des Feierns, aber auch der Besinnung auf die Vergangenheit und des Hinhörens, mit welchen Themen sich die Freunde in Frankreich beschäftigen. Da La Garenne-Colombes auch Freundschaften mit Städten im Libanon, in Israel und in Portugal pflegt, gab es zudem Gelegenheit, neue Kontakte zu knüpfen. Die Musikkapelle Niederwangen war mit rund 40 Musikerinnen und Musikern in der Partnerstadt. Denn das Stadtfest in La Garenne fällt immer auch mit der Fêtes de la Musique zusammen, einem Musikfest also, das in ganz Frankreich begangen wird. So gab es zweimal Gelegenheit für die Musiker aus dem Allgäu am Samstag bei Platzkonzerten zu spielen. Das internationale Repertoire der Kapelle kam gut beim Publikum an. 

Erinnerung an Bürgermeister Dr. Max Catrin

Zu den Momenten, in denen der Blick in die Vergangenheit ging, gehörte die Einweihung der Esplanade Dr. Max Catrin, die nach dem früheren Bürgermeister benannt ist. Für die Wangener war es ein besonderer Termin, denn Catrin und Alt-OB Dr. Jörg Leist „verlobten“ ihre Städte vor 40 Jahren und gründeten die eigentliche Partnerschaft ein Jahr später. Im kommenden Jahr wird also Jubiläum gefeiert. Die Bürgerinnen und Bürger in La Garenne-Colombes erinnern sich an Catrin vor allem als einen Bürgermeister, der viel für die Stadtentwicklung getan hat, wie sein Nachfolger Philippe Juvin sagte. So habe er einen stark von Industrie geprägten Ort zu einem lebenswerten Wohnort gemacht. Es wurde in eine Reihe von Gebäude und Anlagen investiert, die das Leben der Menschen besser machten, wie sein Nachfolger Philippe Juvin sagte. Dazu gehörte auch die Schule, vor der nun der Platz Catrins Namen erhielt.

Reges Treiben im Sportpark

Zu den öffentlichen Anlagen, die gerade auch während des Stadtfestes genutzt werden, gehört der Sportpark in unmittelbarer Nachbarschaft zum nächsten Ort Nanterre und vor der atemberaubenden Kulisse der Skyline von La Defense. Am Samstag des Stadtfests herrscht im Sportpark reges Treiben. Auf dem Fußballplatz zeigen fünf- bis sechsjährige Buben ihren stolzen Eltern, was für technische Übungen mit dem Ball sie schon beherrschen. In der Sporthalle nebenan findet derweil eine Gala statt, bei der kleine Turnerinnen und sehr junge Judoka unter dem großen Beifall ihrer Eltern ihr Können am Boden unter Beweis stellen. 

Niederwangener Musikkapelle spielt am Marktplatz

Unterdessen haben sich die Niederwangener Musiker auf dem zentralen Platz einen Ort im Schatten bezogen, wo sie spielen können. Oberbürgermeister Michael Lang dankt ihnen für ihr Kommen. Direkt daneben tobt das bunte Leben eines Samstagsmarktes. Derzeit geht es noch etwas beengt zu auf dem Gelände, denn hinter der Markthalle befindet sich die Großbaustelle einer Tiefgarage, die im kommenden Jahr über 300 Fahrzeugen Platz bieten soll. 

Nach dem Konzert marschiert die Musikkapelle durch eine der Straßen ab, - mitten zwischen Marktständen hindurch. Für freie Bahn sorgen die beiden Stadtchefs, Philippe Juvin und Michael Lang, die vorausgehen. Viele Marktbesucher verfolgen das Spektakel interessiert und zücken die Handys, um schnell einen kleinen Film zu drehen. Am Ende der Straße muss die Polizei ihr Fahrzeug kurz umparken, damit die Musiker Platz haben.

Besuch des unbekannten Soldaten am Triumpfbogen

Einer der Höhepunkte des Aufenthalts steht am späten Samstagnachmittag im Pariser Triumpfbogen auf dem Programm. Für ein paar Minuten wird der Verkehr im Kreisverkehr am Platz de L‘Étoile gestoppt, damit der Zug aus Fahnenträgern, Vertretern der Stadt und geladenen Gruppen würdig aufmarschieren und sich im Zentrum des Platzes aufstellen kann.

Anschließend folgt eine strenge, militärisch geprägte und sehr bewegende Zeremonie, in deren Verlauf der französischen Gefallenen aller Kriege und des unbekannten Soldaten im Besonderen gedacht wird. Bürgermeister Philippe Juvin legt mit seinen Kollegen aus Wangen, Michael Lang, und Yoqneam in Israel, Simon Alfasi, und dem Vertreter der libanesischen Stadt Daroun-Harissa im Libanon, Jean Moukawam,  Blumen nieder und hält gemeinsam mit weiteren Vertretern eine Art Schwert  in die Öffnung, um die Flamme am Grab des unbekannten Soldaten zu entzünden. Diese Zeremonie findet täglich statt. Die französischen Städte können sich für eine Teilnahme bewerben.  Für die Vertreter der befreundeten Städte war es eine besondere Ehre, an der Zeremonie teilnehmen zu dürfen.

Erinnerung an ermordete jüdische Bürger

Wie nahe Gedenken und Feiern beieinander liegen können, zeigte der Sonntagnachmittag. Zuerst übergab die Stadt La Garenne-Colombes mit zahlreichen Vertretern der jüdischen Gemeinde und der israelischen Botschaft der Öffentlichkeit eine Gedenktafel für den zehnjährigen Jean Navon, der mit seiner Familie während des Zweiten Weltkriegs 1943  in Frankreich zuerst ins Konzentrationslager Drancy verschleppt und im Vernichtungslager Auschwitz gemeinsam mit seiner Schwester und den Eltern ermordet wurde, weil er Jude war. Bürgermeister Juvin, der die Geschichte dieses Jungen und seiner Familie selber im Zentralarchiv für die Dokumentation des Holocausts, Yad Vashem, in Jerusalem, recherchiert hatte, war es wichtig zu betonen, dass es nicht die Nazis gewesen seien, die das Kind aus der Schule holten. Es sei die französische Polizei gewesen und auch die Schule, die eigentlich für die Ideale Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit stehen sollte, sei kein Schutzraum für das Kind gewesen.

Dass heute in Frankreich an dieses Geschehnis erinnert wurde, liegt auch an der aktuellen Situation. Ein Vertreter der jüdischen Gemeinde sagte, es sei wichtig, an die Vergangenheit zu erinnern, aber man sollte auch die Terroropfer der Gegenwart nicht vergessen, unter denen gerade in jüngster Zeit in Frankreich ganz gezielt auch Juden waren. Die Veranstaltung schloss mit der französischen Nationalhymne und der Europahymne.

Umzug beschließt das Fest

Direkt anschließend begab sich die Wangener Delegation mit den Franzosen zum Startpunkt des bunten Umzugs, an dem sich viele Akteure des Stadtfestes beteiligen. Wer sich dort tagsüber beteiligt hatte, konnte sich einreihen. Er bildet gleichzeitig das Ende des Festes.

Wohnen in La Garenne-Colombes

Wohnen ist auch in La Garenne-Colombes eins der zentralen Themen. Nur einen 20-minütigen Spaziergang vom großen Banken- und Geschäftsviertel La Defense entfernt, wollen viele Menschen in der Stadt nebenan leben.  Ein Blick in die Angebote der Immobilienmakler und Gespräche in La Garenne-Colombes zeigen: Bezahlbarer Wohnraum ist auch in der unmittelbaren Nähe zu Paris kaum zu haben. Es sei heute schon so, dass gerade junge Familien 20 oder 30 Kilometer weiterziehen, weil sie dort weniger bezahlen, erzählen Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Je nach Lage und Komfort liegen die Preie für eine Vier-Zimmer-Wohnung bei 500 000 bis 2,5 Millionen Euro. 

Wer sich zu Fuß auf den Weg durch die Stadt macht, geht durch eine hübsche Wohnstadt mit vielen Gärten und kleinen Grünzonen. Viele Bewohner machen aus ihrem Balkon ein kleines Gartenparadies. In manchen Wohnquartieren wurde schon in der Vergangenheit darauf geachtet, grüne Oasen mitzuplanen. Dieser Wege wird heute umso mehr beschritten. Direkt neben dem Theater ist eine Anlage geplant, die innerhalb mehrstöckiger Wohngebäude öffentliche Gärten vorsieht.