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Einfach Ankommen
und Wohlfühlen
Sonntag, 23. Februar 2020

Jung und Alt verbringen Zeit zusammen

Immer mittwochs besuchen zehn Kinder der Kita im Ebnet das Matthäus-Ratzeberger-Stift der evangelischen Heimstiftung und verbringen mit ebenfalls zehn Senioren zwei gemeinsame Stunden.

Das Programm wechselt von Woche zu Woche und wird durch Personal beider Einrichtungen professionell begleitet. Beim Besuch kürzlich stand Malen auf dem Programm. 

Zwei Kinder und zwei Seniorinnen oder Senioren teilen sich einen Tisch. Gemalt wird zu zweit – ein Kind und ein Erwachsener. Über dem Raum liegt geschäftige Ruhe. Draußen ist an diesem Nachmittag zwar alles grün, doch drinnen heißt das Thema „Schneemann“. Zu sehen ist alles Mögliche: Der weiße Schneemann mit den drei bekannten Kugeln für Beine, Bauch und Kopf, aber auch völlig freie Interpretationen des Motivs finden sich. Heinz Roggenbuck malt selber und hat deshalb großen Spaß an diesem Nachmittag. „Ich lasse hier alte Zeiten aufleben“, sagt er und gibt dem Schneemann seines Schützlings noch ein bisschen Form.

Ausgegangen ist die Kooperation von Angelika Schmitz, Erzieherin in der Kita im Ebnet. „Ich habe früher mal in Berlin so etwas Ähnliches gemacht. Und jetzt habe ich die Vox-Doku ‚Wir sind klein, und ihr seid alt!‘ im Fernsehen gesehen, die ganz ähnlich funktioniert“, sagt sie. Als Sie damit zu ihrer Kita-Leiterin Teresa Fernandes kam, war diese begeistert. „Ich habe sofort gesagt, ‚Mach! Kümmere dich!‘“, erzählt Fernandes. Tanja Stark, die seit dem Sommer Hausdirektorin im Matthäus-Ratzeberger-Stift ist, befürwortete und unterstützte das Projekt von Anfang an. „Für mich war sofort klar, dass das Projekt hier im Matthäus-Ratzeberger-Stift stattfinden muss“, erzählt sie. „Alle profitieren von den gemeinsamen Erlebnissen – unsere hochbetagten Bewohner ebenso wie die Kinder.“ In der Lebenswelt vieler Senioren seien die Enkel oft weit weg. Kinder in dieses Alters seien also selten in ihrer Umgebung. Ähnliches gelte umgekehrt auch für die Kinder, die oft weit weg von Oma und Opa aufwachsen und deshalb nur wenig Gelegenheit zum Kontakt mit alten Menschen haben. So kommen alle aus ihrem gewohnten Alltag und lernen miteinander und haben einfach auch Spaß zusammen.

Auch bei den Kindergarteneltern stieß das Angebot  sofort auf Gegenliebe. Und dass die Kinder hier wichtige Erfahrungen machen, hat sich schnell gezeigt. Jessica Bradtke, Mutter von Finn, erzählt, dass ihr Sohn inzwischen ganz genau weiß, wann es wieder ins Matthäus Ratzeberger-Stift geht. „Und er legt auch großen Wert darauf zu sagen, dass sie ins ‚Seniorenheim‘ gehen – und nicht zu alten Leuten“, erzählt sie. Ein wesentliches Ziel des Projekts ist damit wohl erreicht, das da heißt, den Kindern einen respektvollen, wertschätzenden Umgang mit Senioren näherzubringen und emotionale Beziehungen herzu-stellen und umgekehrt den Senioren einen Zugang zu früheren kommuni-kativen, sozialen Lebenswelten zu ermöglichen und Erinnerungen wachzurufen.   

Im Spätherbst startete das Projekt, das es längerfristig geben soll. Neben Angelika Schmitz ist von der Kita auch die Fachkraft für den Kita-Einstieg, Kordula Schreiner, im Boot, vonseiten des Matthäus-Ratzeberger-Stifts sind die Alltagsbegleiterinnen Elisabeth Herz und Tina Langemair beteiligt. Für alle ist der Nachmittag mit den Kindern inzwischen schon eine Institution, was sich in den Weihnachtsferien zeigte. „Im Trubel war vergessen worden zu sagen, dass in den Ferien das Treffen mit den Kindern ausfällt. Die Enttäuschung darüber war groß“, berichtet Tanja Langemair. Der Nachmittag endete mit gemeinsamen Sing- und Klatschspielen. Und das Programm für den folgenden Mittwoch wurde bereits erfreut zur Kenntnis genommen: Es soll gespielt werden. Wieder eine Möglichkeit, für Heinz Roggenbuck und seine Mitbewohner im Heim, die Vergangenheit aufleben zu lassen.