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Freitag, 25. Januar 2019

Junge Musiker messen sich bei „Jugend musiziert“

Sie sind gewappnet für den Wettbewerb „Jugend musiziert“, die Schlagzeuger Hendrik Späth, Jule Knoll, Johannes Kächele, Helene Müller, Tom Verdeil und Jonathan Hasel (von links).

Insgesamt 52 Musikschülerinnen und -schüler der Jugendmusikschule Württembergisches Allgäu (JMS) treten beim 56. Regionalwettbewerb "Jugend musiziert" am Samstag, 26. Januar 2019, an.

Am Wochenende zuvor gab es die Generalprobe, wobei am Sonntagnachmittag sechs der insgesamt zwölf Schlagzeuger der Klassen von Uwe Eichele und Matthias Jakob präsentierten, was sie an Trommeln, Pauken und Mallets und noch ganz anderen Instrumenten drauf haben. Uwe Eichele erläuterte moderierend einige Spezialitäten.

So spielte der nach Agustin Rupp jüngste Teilnehmer, Tom Verdeil, neben Pauken, Snare Drum und Drum Set ein Instrument, das sein Papa konstruierte. Es besteht aus den vom Komponisten geforderten Komponenten Dose, Flasche, Kochtopf und Karton. Motto: Es gibt fast nichts, was nicht als Rhythmus-Instrument taugt. Ganz anders dagegen Johannes Kächele, dessen Instrumentarium leicht ein Wohnzimmer überfordern kann: Vier Pauken, eine Trommel, das Vibraphon und ein Marimbaphon, das später wegen Größe und Gewicht von vier Erwachsenen aufgeräumt wurde. Sowohl Johannes Kächele als auch Tim Waizzenegger legen in diesem Sommer das Abitur ab und haben jetzt einen großen Vorteil: Sie können ihre Wettbewerbsstücke auch in die Abiturprüfung im Musikzug einbringen.

Obwohl seit Kurzem die Mallets, wozu Marimbaphon und Vibraphon gehören, nicht mehr zwingend im Repertoire eines Schlagzeugers bei „Jugend musiziert“ verlangt werden, legt Uwe Eichele großen Wert auf genau diese Instrumente. „Die Mallets sind unsere Melodieinstrumente, und Marimbaphonspieler sind immer gefragt bei Orchestern und Kapellen“, sagt er. Diese Erfahrung hat auch Jule Knoll bereits gemacht: Sie hat sich auf dieses Instrument spezialisiert – auch, weil es ihr im Orchester immer wieder zufällt. Sie tritt ausschließlich als Marimbaphon-Solistin an. Jonathan Hasel, der im Wettbewerb auch Snare Drum und Pauken spielt, hat seit Kurzem ein Marimbaphon zu Hause. „So hat der Wettbewerb immer auch Nebeneffekte“, sagt Eichele. Mit demselben Instrumente-Park wie Jonathan geht auch Helene Müller in den Wettbewerb. Sie hat sich für die Vorbereitung von ihrer bisherigen Partnerin im Unterricht getrennt. Aber wenn die Vorspiele vorbei sind, werden die beiden Mädels wieder gemeinsam lernen. Obwohl erst 13 Jahre alt, ist Hendrik Späth bereits ein äußerst routinierter „Jugend musiziert“-Teilnehmer. Mit fünf Jahren hat er den Unterricht begonnen und wurde bei der ersten Möglichkeit gleich gemeldet. Seither immer wieder, mal als Solist wie dieses Jahr, mal im Ensemble. So spielt er nun seinen fünften Wettbewerb. Ebenfalls um Wertungen werden unter den Schlagzeugern Markus Jehmlich, Konrad Schmidt, Katja Kempter und Bernd Kempter kämpfen, die bereits am Samstag ihre Stücke probten.

Rückgang der Teilnehmerzahlen hat viele Gründe

Dass trotz den Engagements der Lehrer immer weniger Musikschüler und Musikschülerinnen bei „Jugend musiziert“ antreten ist ein landesweites Phänomen, wie der Leiter der Jugendmusikschule Württembergisches Allgäu, Dr. Hans Wagner, feststellt. „Man kann die Wettbewerbe immer nur im Drei-Jahresrhythmus vergleichen, weil immer alle drei Jahre dieselben Konstellationen ausgeschrieben sind“, sagt Wagner und vergleicht die Zahlen von 2018, wo 66 junge Musiker und Musikerinnen von der JMS gemeldet waren, mit 2015 (99) und 2012, wo es 92 waren. „Die Zahlen schwanken, aber die Tendenz geht nach unten.“  Allerdings will er nicht in ein Klagelied einstimmen:  „Die Teilnehmerzahlen aus Baden-Württemberg sind exorbitant hoch, wenn man es mit anderen Bundesländern vergleicht.“

Gerade in diesem Jahr sei es fast logisch, dass das Allgäu weniger Teilnehmer stellt, denn Blasinstrumente sind dieses Mal nur am Rande gefragt. Und das seien die Musiker in der Region besonders stark. Ein Schwerpunkt bei Jugend musiziert 2019 liegt bei den Saiteninstrumenten.
Die Gründe für den Rückgang seien vielschichtig. „Natürlich nimmt G8 uns einige Schüler, aber es kommen andere Gründe hinzu: Die Freizeitangebote sind vielfältig und die Bereitschaft, sich über längere Zeit an etwas zu binden, geht zurück. Das trifft auch die Ensembles.“

In diesem Jahr kommen zu den 52 Schülerinnen und Schülern, die an die JMS im Allgäu gehen, weitere 50 Teilnehmer aus dem übrigen Landkreis. Um den Trend wieder umzukehren, meint Wagner, sollte dem Wettbewerb vielleicht eine andere Richtung gegeben werden. Bisher werde er von den Organisatoren als Möglichkeit der Nachwuchsrekrutierung gesehen. „Vielleicht sollte man ihm mehr den Charakter eines Musikfestes geben“, überlegt er und fügt noch einen ganz anderen Gedanken hinzu. Viele junge Musiker fragten sich heute, wie gut ihre Chancen denn überhaupt sind, die Musik zum Beruf zu machen. Die Zahl der Orchester werde reduziert und im Wettstreit um die begehrten Plätze dort sei die Konkurrenz inzwischen längst international.

Insgesamt sieht Wagner die Begabtenförderung jedoch nicht in Gefahr. Natürlich sei es in großen Städten mit einer Musikhochschule - im Gegensatz zum Ländlichen Raum - oft ein kurzer Weg, um besonders talentierte Jugendlichen eine zusätzliche Förderung angedeihen zu lassen. Doch gerade durch die Stipendien der Franz-Xaver-Bucher-Stiftung, sowie durch die Meisterkurse und die Vorstudien am Landeskonservatorium in Feldkirch hätten junge Ausnahmeschüler auch im Württembergischen Allgäu beste Voraussetzungen sich zu entwickeln.

Info: Zuhörer sind beim Wettbewerb sehr willkommen. Alle Termine finden sich hier