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Samstag, 6. Juni 2020

Kindergarten Primisweiler: Komplett aus Holz gebaut

In diesen Tagen sollte der neue Kindergarten Primisweiler St. Raphael offiziell eingeweiht werden. Zwar ist derzeit alles ein bisschen anders, doch genutzt wird der Kindergarten inzwischen schon mit großer Begeisterung.

Das Gebäude, ganz aus Holz konstruiert, setzt am Dorfrand neben Schule und Sporthalle einen außergewöhnlichen Akzent, fügt sich durch seine Gliederung und den Baustoff Holz jedoch gut in die Umgebung. Die vier Gruppenhäuser und das Krippenhaus funktionieren alle in sich mit Garderoben, Toiletten oder Schlafraum als geschlossene Einheiten. Sie siedeln sich neben Forscherräumen, der Küche mit Essplätzen, einem Mehrzweckraum, dem Büro, Teamzimmer und Netzwerkraum für Beratungsgespräche und dem Kinderwagenraum um einen großen Mittelteil, der nur zum Teil die Funktion eines Flurs übernimmt, aber vielmehr öffentlicher Raum und eine Art Marktplatz darstellt. 

Komfortabler Eingang 

Wer den Kindergarten betritt wird an der Theke in Empfang genommen. Dort können die Kinder übergeben, wichtige Fragen mit den Erzieherinnen besprochen oder einfach nur ein paar freundliche Worte gewechselt werden. Der Weg in die Gruppenhäuser führt durch Garderoben, die sich durch eingebaute Holzschränke und jeweils den direkten Zugang zum Außenbereich auszeichnen. Die dort verlegten Bodenbeläge nehmen Nässe und Schmutz auf, so dass die Gruppenräume geschont sind. Die Schränke bieten Platz für mehrere Sätze Kinderkleidung oder andere nützliche Dinge – durchaus wichtig, wenn Kinder den Tag in der Kita verbringen. In den oberen Etagen der Schränke verschwinden Spiel- und Arbeitsmaterialien.

Atmosphäre durch Holz

In die Gruppenräume lassen große Fenster viel Licht und schaffen wunderbare Ausblicke ins Grüne, manchmal auch auf die Alpen. Die Holzwände sorgen für eine optisch ruhige, gemütliche Atmosphäre. Die Holzoberflächen ermöglichen eine vielfältige Nutzung, und vor allem lassen sie Raum für die Buntheit durch Kinder und Gegenstände, die genutzt werden. 

Die angenehme Atmosphäre wird verstärkt durch die so genannte Kaskadenlüftung, die die Räume durchströmt und für einen stetigen Luftaustausch sorgt. Aber es gibt auch Fenster zum Öffnen. Dies war ein Wunsch, den Architekt Gerhard Feuerstein aus Lindau, dem Team der Erzieherinnen erfüllt hat, die wie Leiterin Ulrike Heiling sagt. Bei einer wöchentlichen Austauschrunde konnte sie sich mit ihren Kolleginnen in den Planungs- und Bauprozess einbringen und fand vielfach Gehör. 

Kreativer Außenbereich

Durch die Art der Anlage der Häuser hat jedes einzelne einen eigenen Innenhof. Freiflächen, Spielelemente und die Auswahl der Beläge, Materialien, Gehölze und Stauden sollen die verschiedenen Bildungsbereiche, bestehend aus Bewegung, Rollenspiel, Spielen und Gestalten, sowie die Erforschung der Sinne, der Natur und Kulturellen Umwelt fördern. Das Konzept dafür wurden von Kappler Landschaftsarchitektur und Karin Dettmar gemeinsam mit den Planern und der Kindergartenleitung erarbeitet. Darüber hinaus gibt es im Außenbereich eine Reihe von attraktiven Spielgeräten und das von Eltern und durch Sponsoren ermöglichte Tierhaus mit Hühnern und Hasen. 17 000 Euro wurden dafür gesammelt. 

Lob und Dank an Planer und Ausführende
 

Oberbürgermeister Michael Lang zeigte sich sehr erfreut über den Bau und lobte die planerische wie auch die handwerkliche Leistung. „Wir haben hier wiederum ein sehr gutes Ergebnis in Holzbauweise“, sagte er bei der offiziellen Übergabe an die Kirchengemeinde. Und er dankte der katholischen Kirchengemeinde, dass sie ein so großes Projekt mitgetragen habe. Vonseiten der Stadt wurde die frühe Planung, die Projektierung und die Entwicklung eines Standard-Raumprogramms für Kindergartenneubauten von Elmar Gomm und Stefan Lontzek vom Fachbereich Architektur und Gebäudemanagement begleitet. Jörg Weh übernahm das Projekt nach dem Baubeschluss durch den Gemeinderat und geleitete es durch die Bauphase.

Möglichst wartungsfreie Bauweise

Der Bau sorgt nicht für eine angenehme Umgebung für Kinder und Personal in der Einrichtung. Zu den Zielen, die die Stadt Wangen mit diesem Neubau aus Holz verfolgte, gehören eine möglichst wartungsfreie Bauweise, eine hohe Energieeffizienz, eine ökologische Bauweise und eine hohe regionale Wertschöpfung. Die Wärme für das Gebäude wird über eine Fernwärmeleitung von der benachbarten Turn- und Festhalle und der dort installierten Hackschnitzelheizung bezogen. Beheizt werden die Räume über eine Fußbodenheizung. Auf den Dächern produzieren Photovoltaikanlagen Strom, der direkt genutzt werden kann. 

So wenig Technik wie möglich

Die eingeschossige Bauweise sollte, so die Hoffnung der Planer, auch zu unterdurchschnittlichen Folgekosten führen. So konnte auf Aufzug und Treppenhaus verzichtet werden. Eine teure Fassadenreinigung in den oberen Stockwerken wird nicht nötig sein. Der Kindergarten ist in das „Low-Tech-Projekt“ der Internationalen Bodenseekonferenz (IKB) aufgenommen. Mit diesem Projekt will die IBK längerfristig eine Reihe von Low-Tech-Gebäuden in der Bodenseeregion begleiten, die sich in der Planungs- und Bauphase oder einem frühen Stadium der Nutzung befinden. Aus der Analyse, Messungen und Evaluationen sollen Leitfäden und Handreichungen für die öffentliche Hand und Bauherrn entstehen. Unter anderem ist die Energieagentur Ravensburg in das Projekt eingebunden.

Der Kostenrahmen von 4,1 Millionen Euro wird voraussichtlich eingehalten.