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Einfach Ankommen
und Wohlfühlen
Dienstag, 28. Mai 2019

Kleine Filme machen mechanische Musikinstrumente erlebbar

Das Stadtmuseum ist um eine Attraktion reicher. Im Erdgeschoss, also gut erreichbar auch für jene, die sich mit dem Gehen schwertun, gibt es jetzt 16 kleine Filme zu sehen, die zeigen, wie die mechanischen Musikinstrumente klingen. Teile dieser Sammlung sind seit rund 25 Jahren in den oberen Stockwerken des Museums zu besichtigen.

Im Gemälde- und Skulpturensaal im ersten Stock des Stadtmuseums steht prominent in der Raummitte ein großer Flügel. Bei näherem Hinsehen fällt ein ungewöhnlicher Holzkasten an der Unterseite des Flügels auf. Auch eine Standuhr aus der Barockzeit mit „Flötenspielwerk“ fällt ins Auge. Beide gehören zu einem besonderen Sammlungsschwerpunkt des Museums.

Im nächsten Stockwerk finden Musikbegeisterte und technikaffine Besucher gleichermaßen ein Wunderland verschiedenster mechanischer Musikinstrumente vor. Durch den freundschaftlichen Kontakt der damaligen Kommissionsvorsitzenden des Altstadt- und Museumsvereins Rosemarie Leist zum Sammler Friedrich Wilhelm Kalina aus Lindau kam die Stadt Wangen Mitte der 90er Jahre in den Besitz eines Teils einer ungewöhnlich qualitätvollen Sammlung mechanischer Musikinstrumente. Den größeren Sammlungsteil konnte sich die Stadt Lindau sichern. Jedoch zeigen die Instrumente, die nach Wangen gingen, einen wunderbaren Querschnitt der Sammlung und sind fast alle tatsächlich noch funktionstüchtig und bespielbar. Über Wochen und Monate musste die Kommissionsvorsitzende nach Lindau fahren und dem Sammler ihr Können bei der Bedienung der Instrumente beweisen, bevor er sich dazu entschließen konnte, sie abzugeben.

Die Sammlung wurde in die ab 1988 vom Ehepaar Heimann neu eingerichteten „Wangener Bürgerstuben“ integriert und ist dadurch vom Besucher im originalen historischen Ambiente des 19. und frühen 20. Jahrhunderts zu bestaunen. Als besonderen Glücksfall kann es bezeichnet werden, dass Wangen vom Sammler Kalina auch gleich seinen Restaurator und Mechaniker „ererbt“ hatte. Bertram Schmid aus Amtzell betreut nun seit über 30 Jahren die Sammlung, seit dem Einzug ins Heimatmuseum sogar ehrenamtlich. Er sorgt dafür, dass die sensible Feinmechanik der wertvollen Geräte weiterhin funktioniert. Ihm ist es auch zu verdanken, dass über die Jahre verschiedene Ehrenamtliche des Altstadt- und Museumsvereins (AMV) zu Musikinstrumentenführern ausgebildet wurden.

Seitdem finden wöchentlich Demonstrationen der wichtigsten Instrumente statt, derzeit immer samstags um 15 Uhr. Mit Argusaugen wacht dann Bertram Schmid darüber, dass keine Kurbel falsch herum gedreht wird, die Uhrwerke nicht überdreht und die Instrumente gepflegt werden. Kleine Reparaturen kann er selbst noch erledigen, größere Beschädigungen wären jedoch sicher irreparabel.

Deshalb wurden in der Vorstandschaft des AMV bereits in den 90erJahren Pläne geschmiedet, die Musikinstrumente in Film und Ton aufzunehmen, einerseits zur Dokumentation, andererseits aber auch als Bereicherung für die Museumsbesucher. Denn an fünf von sechs Öffnungstagen schweigen die Instrumente und sind ohne Vorführung nur zu sehen, aber nicht zu hören. Auch ist es für den Erhaltungszustand der bis zu 200 Jahre alten Instrumente nicht gut, wenn sie immer wieder von verschiedenen Personen in die Hand genommen und vorgeführt werden. Ein kleines Risiko der Beschädigung bleibt immer.

Stadtarchivar und Museumsleiter Dr. Rainer Jensch und Irina Leist, die im Auftrag der Stadt fürs Museum tätig ist, haben nun die Initiative ergriffen und mit dem letzten noch verbliebenen Musikinstrumente-Vorführer Michael Schikora Film- und Tonaufnahmen gemacht. „Es war fünf vor zwölf, denn Michael Schikora ist unser letzter Mohikaner“, sagt Irina Leist. „Es sind noch nicht alle Musikinstrumente zu hören, aber ein Anfang ist gemacht.“ 16 kleine Filme können im Foyer des Museums, also ebenerdig zu erreichen, auf der Medienstation abgespielt werden.

Öffnungszeiten

Das Museumspersonal freut sich über zahlreichen Besuch und gibt Hilfestellung beim Bedienen der Medienstation.  Das Museum ist montags bis freitags von 14 bis 17 Uhr, samstags von 11 bis 17 Uhr und an Sonn- und Feiertagen von 14 bis 17 Uhr geöffnet.