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Einfach Ankommen
und Wohlfühlen
Freitag, 28. August 2020

Neue Ausleger laden zur Entdeckungstour ein

Die Corona-Zeit ist durch den Sanierungsbeauftragten der Stadt, Martin Schwenger, für einige schöne Arbeiten an Details der Altstadt genutzt worden. Sein besonderer Fokus galt den Auslegern an Geschäften und Gastronomiebetrieben.

Im Mittelalter mussten Gaststätten ein Schild vor die Tür hängen. Diese Tradition lebt in Wangen insbesondere seit dem Beginn der Altstadtsanierung vor rund 50 Jahren fort. Mit der Sanierung des alten Stadtkerns wurden auch elektrische Werbeflächen aus dem Bild der Straßen und Plätze verbannt, und so hängen heute Schilder nicht nur vor Wirtschaften, sondern auch vor Geschäften. „Wir haben jetzt die Zeit genutzt und fünf neue Ausleger hergestellt“, sagt Martin Schwenger. Sie dienen nach seinen Worten auch dem Zweck, Gastronomiebetrieben und Geschäften in schwieriger Zeit zu einer besonderen Werbung zu verhelfen. Zu diesem Zweck werden historische Ausleger und kleine Ziergeländer, die im Bauhof schlummern, aufgearbeitet und wieder mit neuen Werbeschildern ausgestattet.

So erhielt beispielsweise das „Goldene Kreuz“ am Kreuzplatz nach der Sanierung des Brunnen 2019 und dem neuen frischen Anstrich jetzt auch einen passenden Ausleger. Die Farbgebung in Gold und Rot ist perfekt auf den historischen Brunnen vor dem Haus abgestimmt. Als Thema dient den Auslegern entweder die aktuelle Nutzung oder Historisches. So hängt in der Herrenstraße 28 jetzt ein „S“ für die Eigentümerfamilie Sohler. Früher gab es in dem Haus eine Gastwirtschaft mit dem Namen „Gasthaus zur Höflichkeit“. Heute bietet dort ein Optiker–Filialist seine Dienste an.

Ganz neu und von Stadtschlosser Bernd King aufgehängt ist der Ausleger am Haus Gegenbaurstraße 29. Dort arbeitet die Firma Ritter Immobilien, wie sich leicht am neuen Ausleger ablesen lässt. Er nimmt die Form der Burg auf, die im Logo der Firma enthalten ist. „Die Grundausleger werden von der Stadt gestellt und bleiben auch in städtischem Eigentum“, sagt Schwenger.  „Die Werbeschilder jedoch gehören den Hauseigentümern oder Nutzern und werden auch von ihnen finanziert.“  So kommen zum Beispiel gerade für die Ausleger oft Kunstschmiedearbeiten zum Einsatz, die zuvor an anderer Stelle als Ziergitter ausgedient und im Bauhof gelagert waren. Bei der Ausgestaltung sind zahlreiche Handwerker und auch der städtische Bauhof mit im Boot. Wenn es um die Farbfassung geht, legt der Stadtsanierer gern selber Hand an. „Das macht mir Spaß, das ist ein Hobby von mir, und es soll ja auch voran gehen“, sagt er.

In jüngster Zeit entstand in der Bindstraße auch eine hübsche Dschunke am Haus des China-Restaurants „Hongkong“ oder eine Schnecke an der Schmuckschnecke in der Schneckengasse zwischen Zunfthausgasse und Schmiedstraße. Die beiden witzigen Toilettenschilder in der Brotlaube hängen zwar schon eine Weile, fallen aber nicht sehr auf. „Wir mussten sie höher hängen, damit Lieferfahrzeuge da noch durchkommen“, sagt Schwenger. 

Ein neues Aussehen hat der jetzt anthrazitfarbene Fisch am Wollgeschäft in der Schmiedstraße bekommen, dort wo früher das Gasthaus Dreikönig für Gäste da war. Die Damen im Wollgeschäft haben wieder das neue Gewand gehäkelt – jetzt in Dunkel- und Hellblau. Wie Schwenger berichtet, sei dort vor einiger Zeit ein Kind beobachtet worden, das beim Anblick des vorigen und ausgebleichten, gestreiften Fischkleids zu seinem Opa sagte: „Warum darf ich nicht im Schlafanzug auf die Straße, wenn da so was rumhängt?“  Natürlich fand der Opa, dass man beides nicht vergleichen kann.Fertiggestellt wurden auch die beiden Ausleger an der Weinstube Kempter in der Bindestraße und bei der Polsterei und Sattlerei Klotz in der Langen Gasse.

Weshalb der schöne Ausleger vom „Haus Rose“ nicht an der Herrenstraße, sondern auf der Rückseite zur Braugasse hängt, hat laut Schwenger einen Grund, der mit der Sanierung des Gebäudes zu tun hat. Da er ein Produkt der Jugendstilzeit ist passte er nicht mehr an die Spätbarocke Fassade an der Herrenstaraße. Und so markiert er jetzt den Eingang zum Notariat.

Und woher kommen die kreativen Ideen für die Schilder? Oft hat der Stadtsanierer bei einer Tasse Kaffee in der Früh einen witzigen Einfall. Manchmal muss dann auch die Zeitung am Frühstückstisch für einen schnellen Entwurf herhalten. Viele dieser neuen Ausleger haben einen besonderen Pfiff oder Witz. „Sie sollen seriöse Werbeschilder sein, und doch auch mit den Ideen spielen“, beschreibt Schwenger das Konzept. Dass er damit oft den richtigen Nerv trifft, kann er häufig beobachten, wenn Touristen die Kamera zücken oder Einheimische ihn fragen, „was ihm womöglich noch so alles einfällt.“ Man darf gespannt sein.