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Samstag, 6. April 2019

Neues Museumsdepot beheimatet die ersten Stücke

Das Magazin des Stadtmuseums im ehemaligen EVS-Gebäude ist so gut wie geräumt. Gut erhaltene und für die Stadtgeschichte wertvolle Stücke sind in den vergangenen Wochen ins neue Magazin in Primisweiler umgezogen worden.

Beim Ortstermin mit Kulturamtsleiter Hermann Spang, Museumsmitarbeiterin Irina Leist und Stadtarchivar Dr. Rainer Jensch sowie den Vorstandsmitgliedern des Altstadt- und Museumsvereins Theo Keller, Marion Einhauser und Gernot Dettweiler informierte sich Oberbürgermeister Michael Lang über den Stand der Dinge. 

„Das Magazin im Buchweg ist fast leer“, sagte Irina Leist. „Wir sind sehr froh, dass wir aus dem EVS-Gebäude raus sind, denn dort gab es im Februar einen Wasserschaden.“ Dieser konnte aber den Museumsstücken nichts mehr anhaben. 

Ein Teil der vorhandenen Stücke wurde bereits sortiert und erfasst. In akribischer Kleinarbeit werden Objekte vermessen und fotografiert, verblasste Inventarnummern entziffert, Altinventarkarten ausgewertet und anschließend digitalisiert. Der Grund: „Die Objekte haben erst dann einen Wert für die Stadt, wenn die Hintergrundinformation da ist“, wie Rainer Jensch sagte. So wurde beispielsweise eine Fahne gefunden, von der sich herausstellte, dass sie beim großen Erntefest 1842 in Cannstatt im Zug der Württemberger vor dem König mit dabei war. Oder die Lederskistiefel des Wangener Skispringers Max Fischer wurden von Schimmel befreit und entsprechend katalogisiert. 

Die gründliche Inventarisierung soll auch langfristig der Forschung und den Museen in der Region nützen. Denn ein Ziel sei es, durch Digitalisierung die Allgäuer Museen zu vernetzen, womit sich beispielsweise gemeinsame Ausstellungen zu bestimmten Themen einfacher organisieren ließen.

Nicht alle Objekte gingen mit ins neue Quartier. Denn einige Teile waren nicht mehr brauchbar oder wurden für das Museum oder die Stadtgeschichte als nicht wesentlich befunden. Andererseits wurden bei den Räumarbeiten auch Dinge entdeckt, von deren Existenz weder Jensch noch Leist bisher wussten. So kam beispielsweise eine Altwangener Tracht zum Vorschein, die einst für 1500 D-Mark gekauft worden war, wie Jensch erklärte. Ein Lappenbeil aus der Bronzezeit, das als verschwunden galt, wurde wiedergefunden und auch verschiedene andere Fundstücke ließen „Weihnachten und Ostern zusammenfallen“, so Irina Leist.

Die Objekte ruhen derzeit in Eurokisten versehen mit Packzetteln oder so genannten Corletten im Erdgeschoss des neuen Magazins. Von dort werden sie in nächster Zeit in spezielle Metallschränke und –regale im ersten Stock ziehen. Einige Stücke – so ist der Plan - sollen künftig stets in einer Art „Schaudepot“ im Erdgeschoss zu sehen sein, so dass bei Führungen auch der Blick hinter die Kulissen der Museumsarbeit möglich sein wird. 

Großen Dank sprach OB Lang dem Altstadt- und Museumsverein, insbesondere jedoch Irina Leist und Dr. Rainer Jensch für den großen Kraftakt aus, den sie geleistet hatten. Dabei ist die Arbeit noch lange nicht zu Ende, denn auch unter dem Dach des Museums sowie in mehreren anderen Gebäuden schlummern noch historische Schätze der Stadt, die darauf warten, gehoben zu werden. Der Umzug ins neue Museumsdepot entlaste das Dachgeschoss der Mühle auch von einer hohen Brandlast, hieß es.

Finanziert wird der Umzug, das Restaurieren und Reparieren sowie die Erfassung der Objekte durch den Altstadt- und Museumsverein, die Stadt Wangen, aber auch durch Fördergelder des Landes und - so hoffen die Beteiligten - durch LEADER. Das vom Altstadt- und Museumsverein eingereichte Projekt „Schaudepot“ wurde jüngst als eines von 11 Projekten von der LEADER-Aktionsgruppe als förderwürdig eingestuft.