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Donnerstag, 9. April 2020

Nicht alle Ausflüge sind in Corona-Zeiten erlaubt

Corona-Virus: Bildautor: File:3D medical animation corona virus.jpg: https://www.scientificanimations.com

Ostern steht vor der Tür – und die Temperaturen steigen. Eigentlich spricht alles für einen Ausflug ins Grüne – zum Beispiel mit der Familie. Was ist in Corona-Zeiten erlaubt? Und mit welchen Bußgeldern muss man rechnen? Ordnungsamtsleiter Nicolai Müller beantwortet Fragen dazu.

Dürfen Familien gemeinsam einen Spaziergang oder eine Radtour rund um Wangen machen?

Müller: Ja und nein. Voraussetzung ist, dass die Familienmitglieder im gleichen Haushalt wohnhaft sind. Am Beispiel einer Familie mit Kindern lässt es sich gut beschreiben. Sind die Kinder beispielsweise noch kleiner und leben im gleichen Haushalt, wäre ein Spaziergang erlaubt. Leben die Kinder nicht mehr im Haushalt, ist der Aufenthalt im öffentlichen Raum als Familie nicht erlaubt.

Enkel und Großeltern – wie sieht es da aus? 

Müller: Sie dürfen zwar nach der Verordnung im privaten Raum zusammen sein. Doch die Mediziner raten genau von dieser Konstellation ab. Denn die Kinder könnten das Virus an die Großeltern, die in der Regel der Risikogruppe über 60 Jahre angehören, weitergeben. 

In unserer Region macht man bei diesem Wetter gern auch Ausflüge in die Region. Ist das möglich?

Müller: Egal, wohin man gerne fahren würde – es gilt insgesamt weiterhin die Regel: Bleiben Sie zu Hause. Wandern und radeln von daheim aus ist sehr gut. Aber: Ausflüge nach Bayern – auch mit dem Rad - sind derzeit ausgeschlossen. Die Polizei im Freistaat kontrolliert das auch und die Strafen sind empfindlich. Ausflugsziele anzusteuern – zum Beispiel mit dem Auto – passt nicht zu den Regeln und ist auch sinnlos, weil sie ohnedies geschlossen oder gesperrt sind. Also: Zuhause bleiben!

Was ist, wenn zwei erwachsene Kinder ihre Eltern im Allgäu besuchen möchten? Die Tochter studiert und hat bei den Eltern noch ihren ersten Wohnsitz. Der Sohn arbeitet und ist am Arbeitsort auch mit Erstwohnsitz gemeldet. Können sie zusammenkommen?

Müller: Ja, sie dürfen Ostern gemeinsam mit den Eltern verbringen. Allerdings gilt dann eine merkwürdig anmutende Vorschrift: Die Tochter darf mit beiden Eltern spazieren gehen, der Sohn jedoch nur mit jeweils einem Familienmitglied. Es ist sicher verständlich, wenn die vier Personen gemeinsam aufbrechen wollten. Aber Vorsicht: Die Polizei kontrolliert auch über die Osterfeiertage, und Verstöße gegen die Kontaktverbote werden strikt geahndet. 

Was ist, wenn die beiden jungen Leute ihre Lebenspartner mitbringen?

Müller: Sie können gemeinsam in der Wohnung zusammen sein, aber komplizierter wird es, wenn gemeinsame Spaziergänge oder Radtouren anstehen. Wenn Eltern, Tochter und Partner oder Partnerin gemeinsam unterwegs sein wollen, müssen Tochter und Partner/Partnerin in derselben Wohnung gemeldet sein. Das würde dann ja auch aus dem Ausweis hervorgehen. Im Beispiel des Sohnes würde das heißen, dass immer nur zwei Personen zusammen unterwegs sein könnten. Diese Regelung kann auch nicht umgangen werden, wenn zwei nebeneinander gehen und die anderen zwei zwei Meter dahinter. Auch das stellt eine Gruppe von vier Personen dar.

Was würde es kosten, wenn man sich hier falsch verhält?
 

Müller: Das kommt auf den jeweiligen Verstoß und auf dessen Schwere an. Der Bußgeldkatalog des Landes gibt einen großen Rahmen vor. Mit 150 Euro pro Person ist bei einem solchen Verstoß aber mindestens zurechnen. Dasselbe gilt, wenn irgendwo Gruppen – zum Beispiel beim Feiern – angetroffen werden.

Nun ist Ostern eine Zeit, in der auch gerne noch Geschenke gekauft werden. Was, wenn ein Geschäft öffnet, das es nach der vom Land ausgegebenen Verordnung nicht darf?

Müller: Das Land hat da sehr konkrete Vorgaben gemacht, die auch kontrolliert werden. Wenn bei uns Verstöße angezeigt werden, dann müssen wir dem auch nachgehen. Für Geschäfte, die unerlaubt öffnen, liegt die Bußgelduntergrenze bei 2500 Euro. Die Polizei kontrolliert auch auf solche Verstöße hin sehr strikt. 

Hin und wieder sieht man einen blauen Zettel, der ein Bußgeld ankündigt, an Autos in der Stadt, obwohl weit und breit viele Parkflächen frei sind. Ist das notwendig?

Müller: Auch Knöllchen bleiben notwendig. Grundsätzlich gilt besonders in Krisenzeiten, dass der Staat funktionieren muss. Und das bedeutet auch, dass Gesetzte und Regeln einzuhalten sind. Das trifft nicht nur auf den persönlichen Abstand wie bei der Corona-Pandemie zu, sondern auch auf das Falschparken oder überzogene oder nicht gelöste Parktickets.