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Sonntag, 25. August 2019

Noch nie so viel Strom erzeugt wie 2018

Siegfried Weber vom VBBW-Verband Bürgerenergiegenossenschaften (Zweiter von rechts) überbrachte Urkunden für die langjährige Engagierten in der BEG Region Wangen. Unser Bild zeigt Walter Gebhard, Christoph Müller, Dr. Johannes Aschauer, OB Michael Lang und Wolfgang Friedrich (von rechts).

Viele gute Nachrichten hat es bei der 10. Generalversammlung der Bürgerenergiegenossenschaft Region Wangen eG gegeben: Noch nie wurde so viel Strom erzeugt wie 2018, und die Mitglieder erhalten auch in diesem Jahr wieder eine Dividende von 3 Prozent.

Einzig trübe Botschaft: Die Genehmigung für den Energiepark „Länge“, an dem die BEG mit 200 000 Euro beteiligt ist, wurde vom Verwaltungsgericht Freiburg widerrufen. Das Urteil muss nun vom Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Mannheim überprüft werden.

Sehr erfreut zeigte sich der Technische Vorstand, Wolfgang Friedrich, von der Menge des erzeugten Stroms im vergangenen Jahr mit 475.000 Kilowattstunden (kWh). „So gut waren wir noch nie!“, sagte Friedrich. Die Photovoltaik-Anlagen (PVA) liefen während des sonnenreichen Jahres 2018 auf Hochtouren. Außerdem wurden auf der Amtzeller Kinderkrippe die relativ flach auf dem Dach montierten Solarmodule gereinigt, was prompt zu einer höheren Energieausbeute führte. Weil die Reinigung so erfolgreich war, werden nun nach und nach auch andere PVA fachgerecht gereinigt, kündigte Friedrich an. 

Prognose für 2019 etwas gedämpfter

Zur Prognose für 2019 gehörte, dass der durch den harten Winter einige Solarmodule der PVA in Göttlishofen und in Neuravensburg Schaden genommen hatten und repariert werden mussten. Da auch im März und April 2019 bereits deutlich geringere Erträge gemessen wurden als im Vorjahr, geht Friedrich auch insgesamt von einer niedrigeren Gesamtbilanz 2019 aus. So werden nun 460.000 kWh angepeilt. Das ist dann immer noch sehr annehmbar“, sagte er.

Derzeit betreibt die BEG zwölf PVA mit einer Gesamtleistung von 431,5 kWp. Gespräche laufen aktuell mit der Stadt Wangen über den Bau einer weiteren Anlage auf dem Dach des neuen Kindergartens St. Raphael in Primisweiler. Ebenfalls in Gesprächen befindet sich die BEG derzeit mit einem Wangener Unternehmen, das sich vorstellen kann, auf seinem Dach eine PVA der BEG zu installieren. 

Anlagen laufen sehr erfolgreich

Mit Blick auf die Anlagen, die in zehn Jahren installiert worden sind, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende, Oberbürgermeister Michael Lang, sie seien sehr erfolgreich. Und es sei gelungen, in allen Jahren 3 Prozent Dividende auszuschütten, was im Vergleich zu anderen Finanzanlagen eine sehr gute Rendite sei. Dem Vorschlag, auch dieses Jahr an der 3-Prozent-Dividende festzuhalten genehmigte die Versammlung einstimmig bei einer Enthaltung.

Erfolgreich umgesetzt ist seit Herbst 2018 das Lichtcontracting mit der Stadt Wangen, in das die BEG investiert hat. Sie ermöglichen der Stadt 70-prozentige Energieeinsparungen und die Einsparung von rund 20 Tonnen des klimaschädlichen CO2. 

BEG reduziert Verbindlichkeiten

ine positive Bilanz konnte auch Finanz-Vorstand Christoph Müller vorlegen. Mit Jahresende 2018 hatte die BEG 541 Mitglieder, die insgesamt 8059 Anteile hielten. Aktiva und Passiva lagen bei 1,03 Mio. Euro. „Wir konnten unsere Verbindlichkeiten deutlich von 221 500 auf 160 000 Euro reduzieren“, sagte Müller.  So konnte auch die Höhe der flüssigen Mittel „verschwindend gering“ gehalten werden. Sie liegt bei 0,3 Prozent. Die Anlagenquote beträgt 95,7 Prozent und die Eigenkapitalquote bei 82,7 Prozent. 

Dank an die seit Jahren Engagierten

OB Lang dankte den derzeitigen Vorständen Wolfgang Friedrich und Christoph Müller für ihre von hohem Sachverstand geprägte Arbeit und schloss mit Blick auf die zurückliegenden zehn Jahre ausdrücklich deren Vorgänger Siegfried Bühner und Dr. Johannes Aschauer mit ein. Für ihr Engagement von Beginn an bis heute wurden die Aufsichtsräte Christine Bucher, Hans-Dieter Dörr, Walter Gebhard, Anton Glatthaar, Michael Lang und Dieter Neugebauer sowie Dr. Johannes Aschauer, der 2011 vom Vorstand in den Aufsichtsrat wechselte und Christoph Müller, der den umgekehrten Weg machte, geehrt. Die Urkunden überbrachte Siegfried Weber aus Tettnang, der dem Vorstand des VBBW-Verbands der Bürgerenergiegenossenschaften angehört.

Windpark „Länge“: VGH prüft Genehmigungsverfahren 

Die Umsetzung des Windparks „Länge“ in der Nähe von Donaueschingen, an dem die BEG mit 18 weiteren kommunalen und öffentlich-rechtlichen Partnern beteiligt ist, zieht sich hin. Nachdem im Februar 2018 dieser Windpark bei der Ausschreibung nach dem Erneuerbaren Energien-Gesetz als einzige Anlage in Baden-Württemberg den Zuschlag erhalten hatte und daraufhin auch Waldflächen für den Bau gerodet worden waren, wurde der Bau durch die Klage der „Naturschutzinitiative Rheinland-Pfalz“ gestoppt. Das Verwaltungsgericht Freiburg kritisierte, dass die Genehmigung über zwei Behörden gelaufen sei – das zuständige Landratsamt und das Regierungspräsidium Freiburg. Dieser Weg, den Baden-Württemberg seit 2012 geht, sei bundesweit einmalig und müsse geändert werden, so dass nur noch eine Behörde an der Entscheidung beteiligt sein wird. Dieses Gerichtsurteil betrifft neben dem Windpark „Länge“ auch alle anderen in Baden-Württemberg genehmigten und noch nicht gebauten Windparks in gleicher Weise.  Derzeit liegt der Fall beim VGH in Mannheim. „Ich bin zuversichtlich, dass der Windenergiepark ‚Länge‘ kommt“, sagte OB Lang. „Wir brauchen einen langen Atem – und den haben wir auch.“ Der Windpark soll 45 Millionen kWh Strom erzeugen – so viel wie eine Großstadt im Jahr verbraucht. 

Weil man an diesem Beispiel sehe, wie langwierig und unsicher die Investition in Windenergie ist, habe die BEG die Stadt gebeten zu prüfen, ob es beispielsweise entlang der Autobahn oder auf anderen Konversionsflächen Möglichkeiten für PVA gibt. Das Genehmigungsverfahren sei in diesem Bereich vereinfacht worden.