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Donnerstag, 4. Juli 2019

Prof. Locher-Finke beleuchtet Wangen in der NS-Zeit

Zum Abschluss der kleinen Vortragsreihe über die Wangener Entsprechungen der großen politischen Umwälzungen in den vergangenen 100 Jahren lädt die Kulturgemeinde am Donnerstag, 4. Juli 2019, zu einem Vortrag von Prof. Dr. Birgit Locher-Finke ein.

Die aus Wangen stammende Tübinger Politologin wird sich auf ihr 1999 erschienenes Buch „Die verdrängten Jahre? Wangen im Allgäu 1933 – 1945“ über die Nazi-Zeit in Wangen beziehen und eine Brücke schlagen zu den immer notwendigen Anstrengungen, demokratische Strukturen zu pflegen und zu bewahren.

Sie schreibt dazu:  „Was geschah in den Jahren 1933-1945 in Wangen? War hier tatsächlich, wie landläufig oft angenommen, nur wenig zu spüren von den Auswirkungen nationalsozialistischer Herrschaft? Stand Wangen wirklich so abseits von den Ereignissen der „großen Politik“?

Der Vortrag zeigt, wie in der katholischen Zentrumshochburg der politische Umsturz verlief und das gesamte öffentliche und gesellschaftliche Leben der Stadt unter das Diktat der NSDAP geriet. Welche Folgen hatte dies für Lokalpresse, Schule, Jugend und Kirche? Neben den finstersten Schattenseiten des Regimes wie der Verdrängung der Juden, der Verfolgung politischer Gegner und der Zwangssterilisierung und Tötung von „Erbkranken“ sind auch Akte des politischen Dissenses und der Menschlichkeit dokumentiert. Der Vortrag beleuchtet auch die Zeit des Zweiten Weltkriegs: das Alltagsleben an der „Heimatfront“ und die Schrecken der „Kriegsfront“. Nicht zuletzt geht es auch um die dramatischen Ereignisse am Kriegsende, den Beginn der französischen Besatzungszeit und die schwierige Suche nach Gerechtigkeit in den Entnazifizierungsverfahren.

Wangens „verdrängte Jahre“ gehören zur Geschichte der Stadt. Die Aufarbeitung dieser Zeit schließt nicht nur eine Lücke in der lokalen Historie, sondern sensibilisiert auch für die fortwährende Notwendigkeit, sich für eine demokratische Kultur einzusetzen. Der Vortrag macht daher auch mit aktuellen Bezügen deutlich, dass vor dem Hintergrund der historischen Erfahrungen um den Erhalt der Demokratie immer wieder neu gerungen werden muss.“

Info:

Der Vortrag findet um 20 Uhr im Giebelsaal der Badstube statt. Eintritt: 7 Euro, für Mitglieder der Kulturgemeinde 5 Euro. Im Anschluss besteht bei einem kleinen Umtrunk Zeit für Gespräche und Austausch.