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Mittwoch, 29. Januar 2020

RNG-Veranstaltung holt das Thema Holocaust nach Wangen

Am Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus hat das Rupert-Neß-Gymnasium (RNG) dem 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am Montag, 27. Januar 2020, einen eigenen Beitrag gewidmet.

Das RNG zeigte im Kino Sohler morgens für Schülerinnen und Schüler und abends für die Öffentlichkeit den Film „Der letzte Jolly Boy“, einen Dokumentarfilm über den ehemaligen KZ-Häftling Leon Schwarzbaum. Regisseur Hans-Erich Viet hatte Schwarzbaum in Detmold beim Prozess gegen den SS-Sturmbannführer Reinhold Hanning kennengelernt, wo Schwarzbaum an der Seite des in Wangen und Budapest lebenden Richters und Rechtsanwalts, Thomas Walther, aussagte.

Es war ein berührender Film über einen sehr rüstigen, über 90-jährigen Mann, der nach vielen Jahrzehnten an die Stätten seiner Jugend zurückkehrt. Gemeinsam mit Hans-Erich Viet findet er, das Haus in Bedzin bei Kattovice, in dem er mit seinen Eltern und seiner Großmutter wohnte. Er traf in der Schule auf junge Menschen und einen interessierten Geschichtslehrer, die sich spontan seine Geschichte erzählen ließen. „Ich habe hier Abitur gemacht, aber mein Zeugnis haben sie mir abgenommen, als ich nach Auschwitz kam“, erzählt er den jungen Menschen.
Einer der Schüler fragt ihn, ob er den Deutschen verziehen habe. „Das kann ich nicht. Wie kann ich jemandem verzeihen der 35 Mitglieder meiner Familie umgebracht hat?“, sagt er. Schwarzbaum und Vieth halten im ehemaligen Ghetto, wo Schwarzbaum das Haus wiederfindet, von dem seine Eltern eines morgens abgeholt und nach Auschwitz deportiert wurden. Er flüchtete sich ins Haus der Großmutter, die er aber nur tot auf dem Boden liegend fand. Als er einen Monat später nach Auschwitz kam, erfäuhr er, dass seine Eltern mit allen anderen Juden aus Bedzin direkt vom Zug ins Gas gegangen waren. Schließlich sieht man den alten Mann über das Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau gehen und Menschen, die er dort trifft, vom Leben und Sterben im Lager berichtet.

In einer der Szenen über den Prozess gegen Reinhold Hanning ist er richtig wütend und sagt enttäuscht Hanning habe zur Sache nichts gesagt. So überreicht er einem seiner Anwälte einen Brief, in dem er ihm unter anderem anküdnigt, dass er sich vor einem himmlsichen Gericht werde verantworten müssen.

Thomas Walther und Hans-Erich Viet waren bei der Filmvorführung anwesend und beantworteten Fragen der Schülerinnen und Schüler. Was dieser Reinhold Hanning für ein Mann gewesen sei, will jemand wissen. Thomas Walther, sagte von Hanning sei bekannt, dass er als pflegebedürftiger Mann in der Klinik ausländisches Personal, insbesondere aus Polen, mit Worten beschimpft habe, die darauf schließen ließen, dass er nichts gelernt hatte. Schulleiter Michael Roth wollte wissen, ob aus der Arbeitsbeziehung zwischen Schwarzbaum und Vieth eine Freundschaft entstanden sei, was Vieth bejahte. Und auch Thomas Walther erzählte, dass die Arbeit an der Aufarbeitung der NS-Zeit sein Leben verändert habe. Er ist mit der Tochter einer Auschwitz-Überlebenden in Budapest verheiratet und pflegt viele freundschaftliche Kontakte vor allem nach Kanada, die durch die Arbeit entstanden sind.

Im Anschluss an die zweite Vorführung übernahmen Oberbürgermeister Michael Lang, von dem auch die Idee für dieses Ereignis ausgegangen war, die Führung durch die Stadt. Er erinnerte an den Gebäuden in der Gegenbaurstraße und am Postplatz an die jüdischen Familien Lehmann-Dahlberg und Stern, sowie an die Familie Lindauer und den Deuchelrieder Viehhändler Fröhlich, die in Wangen lebten. Am Haus Stern, Postplatz 3, ist an einem Holzladen im Dach noch ein Stern zu sehen.  Der Spaziergang endete mit einer kleinen Zeremonie an der Kirchenmauer, wo an der Tafel, die den Opfern des Nationalsozialismus gewidmet ist, vier rote Rosen für die Wangener Familien und eine weiße für alle weiteren Opfer angesteckt wurden. Eine Musikgruppe des Rupert-Neß-Gymnasiums gab der Veranstaltung den passenden Rahmen.