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Dienstag, 17. September 2019

"Shoa vor Gericht" oder "Die Zukunft des Vertrauens"

Der Wangener Rechtsanwalt und Träger des Bundesverdienstkreuzes, Thomas Walther, hält im Rahmen der Langen Nacht der Volkshochschule am 20.09.2019 einen Vortrag über die Aufarbeitung der Verbrechen der NS-Zeit.

Er blickt als Vertreter von Überlebenden und Opfern der Shoa auf den Wandel in der deutschen Justiz. Er macht deutlich, welch hohe Bedeutung die so späten Gerichtsverfahren gegen die früheren Angehörigen der SS-Wachmannschaften in der Mordmaschinerie für sie und ihre Familien besitzen. Es wird deutlich, wie die Überlebenden aus der Welt von Hass und Vernichtung den Weg gefunden haben, Vertrauen in unser Land und ihre Justiz neu zu gewinnen, in welchem das Menschheitsverbrechen an den Juden Europas industriell organisiert wurde.

Die Justiz hat nun erkannt: Bereits die planvoll gestalteten „Lebensverhältnisse“ in den von SS-Totenkopfeinheiten bewachten Konzentrationslagern waren Instrumente des Tötens. Im System der Sklavenarbeit für die NS-Kriegsziele war allein der Tod Endpunkt des Leidens.

Die von Walther vertretenen Nebenkläger vor Gericht erkennen in dieser neuen Sichtweise der Justiz die Abbildung ihres eigenen Lebensweges und des Todes ihrer ermordeten Familien.

Der Vortrag findet am Freitag, den 20.09.2019 im Saal des Weberzunfthauses um 20:15 Uhr statt. Der Eintritt ist frei.

Thomas Walther (76) war seit 1975 Richter und Staatsanwalt in Memmingen, Kempten, Sonthofen und Lindau. 2006 wechselte er zur Zentralen Stelle zur Aufklärung von NS-Verbrechen in Ludwigsburg, wo er maßgeblich zu der Anklage gegen John Demjanjuk beigetragen hatte. Seit seiner Pensionierung und Beendigung des Einsatzes 2009 in Ludwigsburg setzt er nun als Rechtsanwalt der Opfer sowie mit Recherchen zu noch lebenden Zeugen der Verbrechen seinen Einsatz für die Bestrafung noch lebender NS-Täter fort. Für seine Verdienste bekam er am 13.Juli 2019 in einer berührenden Feierstunde in Wangen das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.