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Donnerstag, 7. Februar 2019

Spatenstich am Schlauchenweiher startet Biotopverbund

Mit dem Spatenstich zur Sanierung des Schlauchenweihers fiel in Wangen im Allgäu der Startschuss für das erste größere Vorhaben des Modellprojekts „Biotopverbund Ravensburg“.

Oberbürgermeister Michael Lang begrüßte neben den Vertreterinnen und Vertretern der Heinz Sielmann Stiftung, die das Projekt umsetzt, Staatssekretär Dr. Andre Baumann aus dem Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft, Landtagsabgeordnete Petra Krebs, den Direktor des Regionalverbands Bodensee-Oberschwaben, Wilfried Franke, Landrat Harald Sievers sowie Vertreterinnen und Vertreter der Städte  Ravensburg, Leutkirch und der Gemeinde Schlier, die ebenfalls an dem Biotop-Vernetzungsprojekt beteiligt sind. Lang dankte all jenen, die sich schon immer ehrenamtlich um den Schlauchenweiher kümmern und für den Naturschutz einsetzen. Dieses Gelände sei immer mehr verlandet, dabei sei es ein wichtiger Ort für viel Amphibien, sagte Lang.

 „Der Ausbau der grünen Infrastruktur ist eine der wichtigsten Aufgaben, um eine vielfältige Natur und attraktive Heimat zu erhalten“, betonte Staatssekretät Baumann. In den Modellkommunen Ravensburg, Wangen im Allgäu, Leutkirch und Schlier werden bis Ende 2019 zahlreiche Projekte zum Ausbau einer grünen Infrastruktur für Pflanzen und Tiere umgesetzt. Das Land Baden-Württemberg unterstützt den Aufbau des Biotopverbunds  mit insgesamt 900.000 Euro aus seinem Sonderprogramm zur Stärkung der biologischen Vielfalt.

„Um die Artenvielfalt zu erhalten, brauchen wir intakte Lebensräume und die Verknüpfung dieser Lebensräume – den Biotopverbund. Mit dem Biotopverbund schaffen wir Zebrastreifen für Schmetterlinge, Wildbienen und Co.“, erläuterte der Staatssekretär. Die Isolation von Lebensräumen sei eine der Hauptursachen für den Rückgang der Artenvielfalt.

„Mit dem Klimawandel ändern sich auch die Verbreitungsareale unserer heimischen Arten“, machte Baumann deutlich. „Auch unter Tier- und Pflanzenarten gibt es Klimaflüchtlinge.“ Es sei daher enorm wichtig, dass Biotope und Lebensstätten von Tier- und Pflanzenarten in einem engmaschigen Netz des Lebens miteinander verknüpft sind. „Mit dem Biotopverbund machen wir die Natur fit für den Klimawandel. Ich bin froh und dankbar, dass wir in Kooperation mit der Heinz Sielmann Stiftung hier im Landkreis Ravensburg einen weiteren Schritt hin zu einem landesweiten Biotopverbund gehen“, betonte Baumann. Die Stiftung wisse, wie moderner Biotopverbund funktioniere, so der Umweltstaatssekretär. Sie habe dies in „Sielmanns Biotopverbund Bodensee“ bereits mehrfach unter Beweis gestellt.

Der Ausbau der grünen Infrastruktur ist einer der Handlungsschwerpunkte in der Naturschutzstrategie des Landes. „Engagierte Partner wie die Stadt Wangen im Allgäu und die drei weiteren Modellkommunen übernehmen dabei eine vorbildliche Vorreiterrolle ein“, betonte Baumann. „Es sind nicht unbedingt die großen und spektakulären Maßnahmen, die einen Biotopverbund ausmachen. Auch ein gut geplantes Netz von vielen kleinen Maßnahmen trägt zum Erhalt der biologischen Vielfalt und funktionierenden ökologischen Wechselbeziehungen in der Landschaft bei. Die beteiligten Planungsbüros haben dazu einen wichtigen Beitrag geleistet.“

Den Prozess plante die Planstatt Senner aus Überlingen, die in Wangen bereits zu Beginn in die Planungen zur Landesgartenschau 2024 eingebunden war. „Hier schließt sich für uns ein Kreis“, sagte Oberbürgermeister Michael Lang. Landesgartenschauen hätten auch viel mit der Verbesserung der Natur zu tun. Und nun gehe es auch bei diesem Projekt um Verbesserungen für Flora und Fauna. In die Praxis setzt die Firma Edelmann aus Isny in Zusammenarbeit mit Landschaftsarchitekt Armin Woll die Sanierung des Weihers und des Mönchs um. 

Landrat Harald Sievers zeigte sich sehr erfreut, dass die Heinz Sielmann Stiftung im Landkreis Ravensburg mit dem Biotopverbund aktiv ist. Er verwies auf die intensive Arbeit, die bereits heute zum Schutz der Landschaft im Landkreis Ravensburg gemacht werde. Beispielshaft nannte er die Landschaftspflegeverträge: Von den 1400 Verträgen, die es im Bereich des Regierungsbezirks Tübingen gebe, sei die Hälfte im Kreis Ravensburg unterschrieben worden. 

Dr. Heiko Schumacher und Sindy Bublitz von der Heinz Sielmann Stiftung erläuterten das Projekt aus ihrer Sicht. Die Stiftung sei in ganz Deutschland, aber auch international im Sinne des Naturschutzes im Einsatz, sagte Schumacher. Bereits seit 15 Jahren arbeitet sie am Bodensee am Biotopverbund. Jetzt mache die Stiftung den Schritt in den Landkreis Ravensburg. „Die Heinz Sielmann Stiftung will die Biotopverbundidee auch in andere Landkreise weitertragen“, kündigte Schumacher an. 

Angelaufen sei das Projekt bereits 2018 mit dem Auswahlverfahren, aus dem die vier Modellkommunen Wangen, Leutkirch, Schlier und Ravensburg hervorgingen. Nun seien die Planungen abgeschlossen und die Umsetzung der einzelnen Schritte zur Biotopvernetzung könnten beginnen, sagte Sindy Boblitz, die vor Ort das Projekt betreut. 

Der Schlauchenweiher ist eins von mehreren Renaturierungsprojekten. Außerdem sollen neue Biotope angelegt werden, damit gefährdete Arten, wie etwa der Kammmolch am Schlauchenweiher, ihren Lebensraum behalten oder finden. Der Schwerpunkt des Biotopverbunds liege auf Stillgewässern. Aber auch extensive Grünland und Streuobstwiesen sollen gepflegt werden.