background
Einfach Ankommen
und Wohlfühlen
Samstag, 5. Januar 2013

Stadtwerke Wangen setzen auf Wasserkraft

Weitere Bausteine, mit denen das Wangener Energieleitbild umgesetzt wird, werden in diesem Jahr in Angriff genommen. Neue Kraftwerke und Turbinen werden rein rechnerisch rund die Hälfte des Stroms produzieren, den die Stadt Wangen für ihre Liegenschaften braucht.

Die Stadtwerke Wangen im Allgäu wollen zwei Wasserkraftwerke sanieren und ans Netz bringen. Zusätzlich soll ein kleines Kraftwerk am Argenwehr unterhalb der Isnyer Brücke gebaut werden. Wenn alle drei Kraftwerke in Betrieb sind, erzeugen sie insgesamt mehr als 3,6 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr. Dies ist ein weiterer Schritt zur Verwirklichung des Energieleitbildes der Stadt Wangen im Allgäu, die anstrebt, sich in Zukunft selber aus regenerativen Energien zu versorgen.

Turbinenaustausch im Sommer

Im Kraftwerk mit dem kurzen Namen T8 in der ERBA wird voraussichtlich im Sommer 2013 die Turbine ausgetauscht. Der Gemeinderat der Stadt Wangen hat dazu grünes Licht gegeben. Im gleichen Jahr kommt auch das Argenwehr bei der Isnyer Brücke auf einen modernen Stand. Dazu gehört der Einbau einer Art Fischtreppe, im Fachjargon Umgehungsgerinne genannt. Sie sieht wesentlich naturnaher aus als die Aufsteighilfen der Vergangenheit. Ein kleines Kraftwerk, das an dieser Stelle mit geplant ist, wird rund 200.000 kWh pro Jahr erbringen.

Kraftwerk wird saniert

Inzwischen hat die Stadt von der Neuen Textilveredelung Wangen GmbH  (NTW) das Wasserkraftwerk auf deren Firmengelände an der Oberen Argen gekauft. Nun soll es für die Stromerzeugung saniert werden. Die beiden großen Kraftwerke sollen jeweils rund 1,7 bis 1,8 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr produzieren.  Das bedeutet rein rechnerisch: Strom aus Wasserkraft wird den Strombedarf der gesamten städtischen Liegenschaften pro Jahr zur Hälfte decken. Dazu gehören auch Straßenbeleuchtung, Wasserversorgung, Abwasserreinigung, Freibad und andere. Bis es soweit ist, muss noch ein Stück Weg gegangen werden.

·        Erster Schritt: Die Stadt muss ein neues wasserrechtliches Verfahren für das Wasserkraftwerk auf dem NTW-Gelände durchlaufen. Die Signale aus dem Landratsamt Ravensburg, wo die untere Wasserbehörde angesiedelt ist, sind positiv.

·       Technisch notwendig ist der Bau eines neuen Krafthauses, das dann auch mit einer neuen Turbine ausgerüstet wird.  Sie wird eine Leistungserhöhung gegenüber der alten Maschine von 130 Prozent bringen.

·         Die Kanalsanierung steht an. Ob er teilweise verdolt  oder offen geführt wird, werden die weiteren Planungen ergeben. In jedem Fall wird das Stadtbild am Kohlplatz durch den sanierten Kanal gewinnen. Profitieren werden auch die Anlieger, denn in Zeiten von Hochwasser kann Wasser aus der Argen über den reaktivierten Kanal abgeleitet werden.

·      Das Epplingser Wehr muss erneuert werden. Der geplante Fischpass wertet das Kraftwerk ökologisch erheblich auf. Dort können dann erstmals Fische auf- und absteigen.

·      An der Stelle des ehemaligen Aquädukts, das vom Pfingsthochwasser 1999 zerstört wurde, ist ein Düker vorgesehen – ähnlich wie am Kanal bei der ERBA. Das wiederum bedeutet eine noch höhere Sicherheit für die Bewohner des Kohlplatzes. Als Industriedenkmal will die Stadt den alten Generator aus dem Jahr 1918 erhalten.

 

Zur Geschichte der Wasserkraft an der Oberen Argen am Standort Epplings/Sigmanns

  • 1426 ist ein Argenwehr in Epplings erstmals urkundlich erwähnt. Es gehörte zu einer im Besitz der Stadt befindlichen Sägemühle, wie sie im Tal der Oberen Argen sehr häufig waren.
  • 1873 baute die Papierfabrik Wangen den noch heute bestehenden Triebwerkskanal, der die S-Schleife der Oberen Argen in Sigmanns um 40 Prozent verkürzt. So wird das notwendige Gefälle für die verstärkte Nutzung der Wasserkraft geschaffen.
  • 1918 Einbau der beiden Francis Turbinen  des Kraftwerks T4.
  • Später übernahm die ERBA/Ausrüstung das Kraftwerk, das heute noch in der Hand des Nachfolgeunternehmens NTW (Neue Textilveredelung Wangen GmbH) ist.
  • 1999 reißt das Pfingsthochwasser das Aquädukt weg, das bis dahin den Triebwerkskanal über die Argen führte.