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und Wohlfühlen
Dienstag, 19. März 2019

Tiermotive – abgeschaut aus der Natur

Tiere auf schwarzem Grund waren lange Jahre ihr Markenzeichen: Ingrid Jehle aus Memmingen malt, so wie die Natur es ihr vorgibt.

Hasen gehören zu ihren Lieblingsmotiven, aber auch ein schöner Gockel oder heimische Vögel. Möglichweise ist ihre Teilnahme beim Ostereiermarkt 2019 ihre letzte in Wangen.

„Ich freue mich wirklich sehr auf Wangen“, sagt die Künstlerin strahlend. „Ich mag die Stadt und das Publikum und ich verstehe mich auch gut mit der Organisatorin Julieta Strobel.“ Dass es dennoch ihr letzter Markt sein könnte, ist dem Älterwerden geschuldet. Das Malen fällt ihr schwerer, und ein bisschen fehlt ihr inzwischen auch die Geduld für langwierige Projekte. 

Dazu gehören auch die schwarzen Eier. Viele Jahre lang hat sie dafür zuerst Eier mit Ölfarbe schwarz grundiert. „Das dauert schon einmal eine ganze Zeit, bis sie trocken sind“, sagt Ingrid Jehle. Anschließend hat sie ein Grundmuster ausgekratzt, zum Beispiel ein Oval oder einen Kreis, in dem das Tiermotiv Platz finden sollte. Eine weiße Grundierung sorgte sodann für den schönen Kontrast, bevor das eigentliche Motiv mit zahllosen exakten Pinselstrichen und Aquarellfarben aufgebracht wurde. Inzwischen lässt Ingrid Jehle das Grundieren sein und malt ihr Motiv direkt auf das weiße Ei auf. 

Und das mit großem Erfolg. Sie öffnet eine große Plastikwanne, in der dicht an dicht Eier mit Vogelmotiven liegen.  „Das ist meine Wangen-Kiste“, sagt sie strahlend. Zurecht – denn da sind Rotkehlchen zu sehen, Meisen oder Buchfinken. Ein wunderschöner Star nimmt fast ein ganzes Ei ein. „Den habe ich hier im Garten gesehen“, erzählt Ingrid Jehle. Überhaupt bezieht sie so manches Motiv aus direkter Anschauung, sehr oft aber auch aus Naturbüchern. „Ein Kunde bringt mir eigene Bilder, die ich dann umsetzen soll. Das ist manchmal gar nicht einfach“, stellt sie fest. 

Gemalt hat sie schon als junges Mädchen. Eine Frau in der Nachbarschaft war Künstlerin und zeigte ihr, wie es geht. „Ich habe anfangs immer Blumen auf die Eier gemalt. Weil sie so schön waren, wollte sie niemand essen“, erinnert sie sich schmunzelnd. Das Hobby ruhte während sie in den Beruf ging, heiratete und ihr Sohn zur Welt kam. Doch als der Bub so etwa sechs oder sieben Jahre alt war, habe sie begonnen, mit ihm gemeinsam zu malen. Und so stieg sie selber immer mehr ins Eier malen ein. War in ihrem Beruf als Sekretärin sehr viel Exaktheit gefordert, so lebte sie im Hobby ihre kreative Seite aus. „Und was ich malte, fand Anklang“, sagt sie. 

Auf Märkte sei sie eher zögerlich gegangen, zunächst in der näheren Umgebung, später im Raum München, und sie schaffte es unter anderem, bei Dallmayer auszustellen. Sehr gern fuhr sie mit ihren Kunstwerken auch in die Klöster Maulbronn, Andechs oder Benediktbeuren. Viele schöne Begegnungen hätten sich dabei ergeben, erinnert sie sich. Zum Beispiel tauchte eines Tages in Gräfelfing eine Frau auf, die sich als Cousine ihres Mannes vorstellte. 

40 Jahre lang war sie so unterwegs. Inzwischen habe sich die Szene stark verändert. „Es gibt vor allem nicht mehr so viele Sammler“, stellt sie fest. „Die einen haben keinen Platz mehr und hören deshalb auf zu sammeln oder oftmals haben die Erben keinen Sinn für die schönen Stücke.“  

Aber Wangen sei noch immer einer der sehr guten Märkte – weil er ein reiner Ostereiermarkt geblieben ist und weil der Anspruch an die Aussteller noch immer hoch sei, lobt Ingrid Jehle.