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Montag, 24. September 2018

WAVE-Fahrer in Wangen auf die Reise geschickt

Die WAVE Austria ist am Samstag in Wangen im Allgäu gestartet. Ein buntes Teilnehmerfeld mit rund 69 Teams machte sich vom Marktplatz aus auf die erste Etappe, die am Abend in Stams in Tirol enden sollte.

Die zehnte WAVE ist auch die bisher größte, denn in diesem Jahr wurden sie geteilt. Ein Feld rollte im Juni durch die Schweiz, jetzt ein anderes Fahrerfeld auf dem Weg über den Großglockner, nach Kärnten, Wien und Richtung Salzburg. In acht Tagen wollen sie 1600 Kilometer, 14.600 Höhenmeter und 40 Etappenorte hinter sich bringen. 

Bei der WAVE geht es nicht um Tempo, wie der Schweizer Organisator Louis Palmer sagte. Es geht um etwas Anderes: Die Tour soll denen, die sie fahren Freude machen. Für sie soll es eine Urlaubswoche unter Gleichgesinnten sein. Deshalb gewinnt auch nur der, der einen interessanten Blog im Internet hinterlässt, sein Fahrzeug schön dekoriert und bei einem Quiz möglichst viele Fragen richtig beantwortet. Für die Menschen in den Etappenorten soll die WAVE aber ein Anstoß sein, vom Verbrennungsmotor auf E-Fahrzeuge umzusteigen. „Wir wollen einen Tsunami auslösen“, sagte Palmer. Bei der offiziellen Begrüßung der Fahrer am Freitagabend in der Stadthalle berichtete er von dem Schweizer Dorf Anwil, das durch die WAVE einen richtigen Schub in Richtung E-Mobility bekommen habe. Inzwischen hätten in der Schweiz auch große Lebensmittelketten ihr Liefersystem und auch einige Kommunen ihre Müllfahrzeuge auf E-Lkws umgestellt. 

Viel habe sich in den vergangenen Jahren verändert auf diesem Gebiet, sagte Palmer. „2013 waren wir zu langsam, weil wir zu wenig Strom hatten“, sagte er und zeigte ein Foto von einem Fahrkartenautomaten, den die Fahrer kurzerhand vom Stromnetz genommen hatten, um das eigene Fahrzeug anzuhängen. Das sei heute kein Thema mehr. Schon gar nicht in Wangen: Damit die Teilnehmer mit einer guten Ladung auf den Weg gehen konnten, hatten die Stadtwerke auf dem Aumühleparkplatz entsprechende Anschlussmöglichkeiten geschaffen. Auch sonst gab es viel Beifall für die Wangener Organisationdurch den Umweltbeauftragten der Stadt, Reiner Aßfalg, sowie die Führungen in der Altstadt durch Gästeführerin Beate Leupolz   und zu den Wasserkraftenwerke im Landesgartenschau 2024-Gebiet durch den stellvertretenden Leiter der Stadtwerke Wangen im Allgäu, Urs Geuppert.


Oberbürgermeister Michael Lang begrüßte die Gäste und berichtete einem sehr interessiert lauschenden Publikum von den Anstrengungen, die die Stadtwerke Wangen seit 2006 in Sachen erneuerbare Energien machen. „Wir sind stolz drauf, dafür mit dem European Energy Award in Gold ausgezeichnet zu sein“, sagte er. Die E-Mobilisten bezeichnete er als „tolle Vorbilder“. Bis in einigen Jahren gebe es sicher einen sehr großen Markt für elektrisch betriebene Fahrzeuge.

Und so fuhren am Samstag alle Teams durch die Altstadt – und man hörte sie nicht. Moderator Thomas Bergert zeigte sich denn auch begeistert, „dass bei der WAVE nichts stinkt und keinen Lärm macht“. Oberbürgermeister Michael Lang eröffnete die WAVE, indem er mit seinem Dienstfahrzeug, einem elektrisch betriebenen Renault Zoe vorausfuhr. Anschließend schickte Louis Palmer die Fahrer einzeln, nach einem kurzen Interview auf die Strecke. Die Alllgäuer Käsekönigin sorgte mit Leupolzer Käse für einen schmackhaften Start in den Rallye-Tag und die Band „Scho wieder mir“ gab dem Ganzen einen flotten akustischen Drive. 


Den Vormittag über blieben E-Fahrzeuge von Autohäusern in der Region, aber auch kommunale Fahrzeuge aus Wangen und Bodnegg auf dem Marktplatz stehen, so dass sich Interessierte von der neuen Technologie ein Bild machen konnten. 

Die WAVE - eine Chance für die Wissenschaft

Viele, die die WAVE mitfahren, haben beruflich mit dem Thema zu tun. Unter den Teams sind Solar–Hersteller ebenso wie Fahrzeugvermieter, die ausschließlich E-Mobile anbieten. Drei Hochschulteams fahren die WAVE 2018 durch Österreich: Eins davon kommt von der FH Campus Wien, eins von der Universität Magdeburg und ein weiteres von der Hochschule in Biberach. Alle drei befassen sich in der Forschung mit der E-Mobiltät. Die „6 Hells Angels“ aus Biberach werden auf Motorrollern über die Alpen fahren und Erfahrungen sammeln. Die Hochschule habe das Projekt aus diversen Gründen initiiert, sagte Alexander Floß. Ein Grund ist die Parkplatzthematik auf dem Campus. „Viele Leute kommen aus einem Umkreis von 20 Kilometern zu uns. Da muss man nicht unbedingt ein Auto fahren,“ sagte Floß. Klar ist, dass sechs Motorroller nur so viel Platz brauchen wie ein großes Fahrzeug. Die Hochschule Wien wirbt unter anderem für ihren Masterstudiengang, dessen Absolventen so begehrt seien, dass sie einen Job bereits vor dem Abschluss in der Tasche hätten, wie Andreas Petz und Lukas Haider sagten. Und Stefan Lüdecke und Kai Seidensticker von der Universität Magdeburg wollen als Entwickler die Funktionalität bestimmter Komponenten in ihrem Fahrzeug testen. „Es ist ein sehr tolles Gefühl, mit 110 Kilometern in der Stunde so nah am Boden zu fahren. Das ist echtes Go-Cart-Feeling.“, sagte Stefan Lüdecke, als sie in dem blauen Flitzer auf den Marktplatz rollten. 

Für Aufsehen sorgten die Motorräder der Marke Johammer. Die ganz eigene Form, die Hans Hammerschmid entworfen und konstruiert hat, ist nicht nur optisch attraktiv, sie sorgt auch für eine gute Reichweite. 50 dieser Fahrzeuge hat Hans Hammerschmid verkauft. Ob es eine weitere Produktion gibt, ließ er offen. Javier Lindenmüller hat sich vor einem Jahr einen Johammer zugelegt. „Seither steht meine BMW in der Garage“, sagte er. Es sei ein ganz anderes Reisen, man entschleunige, sagte der Münchner. „Man steigt auf den Johammer und der Urlaub beginnt“, sagte er. Neben diesen Spezialkonstruktionen fahren auch eine Reihe von Motorrädern in der WAVE. Für Emilio Bolla aus Wettingen in der Schweiz ist es die zweite WAVE und er freut sich einfach, mit Menschen unterwegs zu sein, die seine Leidenschaft für die E-Mobiltät teilen.

Unter den Zweirädern ist jetzt zum dritten Mal Beat Strickler mit seinem E-Bike. „Ich freue mich schon auf den Großglockner“, sagte er. Um mit den anderen Teams gemeinsam an den jeweiligen Etappenorten anzukommen, wird er unterwegs das eine oder andere Dorf links liegen lassen. Und er hat zwei Freunde animiert, in einem Begleitfahrzeug mitzufahren, das nicht nur Ersatzteile sondern auch die Reisetasche transportiert.

Auch ein Wangener Team ist unter den WAVE-Teilnehmern: Hermann und Gertrud Klotz fahren mit ihrem Nissan e-NV 200 Evalia die Rallye mit. „Wir freuen uns saumäßig auf die Tour“, sagten sie und gingen nach einer letzten Nacht im heimischen Bett gut ausgeruht auf die Reise. Wer ihre Erlebnisse mitverfolgen möchte, findet sie als „Team Wolfatz“ auf Facebook.