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Sonntag, 6. April 2014

WLAN-Hotspots bieten hohen Service

Die kleinen Antennen sind komplett unauffällig im Stadtbild von St. Gallen. Sie sorgen aber für hervorragenden mobilen Datenverkehr im historischen Stadtkern und haben die elektromagnetische Strahlung deutlich gesenkt. Fotos: Stadt St. Gallen

Die Schweizer Stadt St. Gallen zeigt beispielhaft, wie man mit WLAN-Hotspots die Strahlung in der Stadt vermindern und andererseits den mobilen Datenverkehr verbessern kann. Die Stadt Wangen will davon lernen.

In Zeiten des allzeit bereiten Smartphones oder Tabletts gleicht die Aufgabe einem Spagat: einerseits sollen Mobilfunknetze immer größere Datenmengen transportieren, andererseits soll die elektromagnetische Strahlung, die von den Sendemasten ausgeht, nicht noch weiter steigen.

Die Stadt St. Gallen hat vor drei Jahren das Thema angenommen, in der Altstadt viele kleine Antennen verteilt und sie an ihr leistungsstarkes Glasfasernetz angeschlossen. So entstanden lauter WLAN-Hotspots. Ergebnis: Der Empfang in den mobilen Geräten ist besser, die Strahlung für die Bürger hat dabei interessanterweise abgenommen. Bei einer Vorstellung in St. Gallen hat sich Oberbürgermeister Michael Lang gemeinsam mit Melanie Griebe von der Stadtplanung sowie Hubert Jörg und Karl Winter vom Arbeitskreis Mobilfunk über das Projekt informiert. Sein Resümee: Wangen im Allgäu könnte sich das Modell zu eigen machen.

Elektrosmog vermindern

Die Frage, die St. Gallen für sich inzwischen weitgehend beantwortet hat, lautet: Wie ermögliche ich in der der Innenstadt eine schnelle, verlässliche und bedarfsgerechte mobile Kommunikation? Und wie schütze ich gleichzeitig die Bewohner vor ständig zunehmendem Elektrosmog. Bis heute wird in St. Gallen der Mobilfunk größtenteils mit leistungsstarken Antennenmasten (Makrozellen) der Mobilfunkbetreiber abgedeckt.

Das bedeutet: die Stadt ist systematisch in Funkzellen unterteilt, innerhalb denen eine Antennenanlage den Mobilfunk überträgt. Die Größe dieser Gebiete beträgt in Städten typischerweise mehrere hundert Meter, kann in wenig frequentierten Gebieten jedoch auch mehrere Kilometer betragen. Je leistungsstärker eine Antennenanlage ausgelegt ist, desto größer ist das Gebiet, das sie versorgen kann. Funkzellen werden so ausgelegt, dass sie sich gegenseitig überlappen und so auch am Zellenrand und in Gebäuden eine ausreichende Abdeckung sichern. Die dafür notwendige elektrische Feldstärke steigt dabei nicht linear sondern überproportional an, je mehr man sich einer Antenne nähert. Damit treten in unmittelbarer Nähe der Antennenanlage stark erhöhte hochfrequente elektromagnetische Felder auf.

Datenmengen in der Stadt riesig

In der Innenstadt ist die Belastung durch diese elektromagnetischen Felder meist ungleich größer als auf dem Land, denn auf engstem Raum werden hier ständig wachsende Datenmengen über die Antennenanlagen transportiert.

Seit etwa drei Jahren bauen die städtischen Werke in St. Gallen ein leistungsfähiges Glasfasernetz aus. Auch die historische Mitte St. Gallens wurde daran angebunden und so wurde eine wichtige Voraussetzung für den Anschluss der vielen kleinen WLAN-Hotspots geschaffen, über die  Smartphones, Laptops und Tabletts versorgt werden können.

Kurzer Weg zum Glasfasernetz

Der Gedanke war, dass die mobilen Geräte auf möglichst kurzem Funkweg Zugang zum leistungsfähigen Glasfasernetz und damit zum Internet erhalten. So wurden in der Altstadt außen an den Häusern und auch an Bussen kleine Antennen angebracht, die per Funk zügig ins Internet führen. Diese Antennen mit geringer Sendeleistung sind so klein, dass sie kaum auffallen. Sie wirken optisch wie Schilder von Hausnummern oder Teile von bestehenden Geländern. 

Erleichterung für die Bürger

Weil man die Antennen entsprechend ausrichten kann, ist es möglich, dass in der Straße oder auf einem Platz zwar munter im Internet gesurft werden kann, innerhalb von Gebäuden aber dadurch keine Mehrbelastung auftritt. Für die Bürger in der Stadt ist das eine große Erleichterung. Denn bisher drangen die Funkstrahlen der großen Antennenmasten durch alle Wände.

Das sehen auch die Fachleute von der Initiative Bodensee-Mobilfunk als großen Vorteil des Projekts an. Die Initiative setzt sich für einen vorsorgenden Gesundheitsschutz für die Bevölkerung rund um den Bodensee vor dem Hintergrund ein, dass die Mobilfunkanbieter ihre Antennen immer mehr aufrüsten. Dr. Stefan Zbornik von der Initiative Bodensee-Mobilfunk verweist auf die objektiv vorhandenen Messdaten in St. Gallen, die zeigen, dass die Strahlung mit dem Einsatz von mehreren schwachen Antennen tendenziell geringer wurde, obwohl sich der Datenverkehr im Laufe des über einjährigen Betriebs stark erhöht hat.

Sichere Datenbasis

Der Nachweis lässt sich erbringen, weil das städtische Amt für Umwelt die Strahlungswerte gemessen hat, bevor das neue System aufgebaut wurde. So gibt es sichere Vergleichsdaten. Wo vorher mit bis zu dreimal 3000 Watt flächendeckend in alle Häuser und Straßen gesendet wurde, funken jetzt viele kleine Antennen mit maximal 6 Watt. In der Summe genügt ein Bruchteil der vorigen Strahlungsleistung für die Versorgung der Innenstadt, weil die Teilnehmer zunehmend von den großen Antennenmasten zu den kleinen WLAN-Hotspots wechseln.

Die Stadt St. Gallen hat ihre neue Infrastruktur in Sachen Kommunikation mit knapp 600.000 Schweizer Franken (490.000 Euro) finanziert. Ursprünglich hatte man angenommen, einen Teil dieser Summe über Nutzergebühren refinanzieren zu können. Doch es hat sich gezeigt, dass das neue System nur dann akzeptiert wird, wenn man es den Bürgern kostenlos zur Verfügung stellt. Neben den Bürgern profitieren selbstverständlich auch die vielen Touristen vom neuen System.

Wangen im Allgäu hat ähnliche Voraussetzungen wie die Stadt St. Gallen. Deshalb laufen nun auch hier Überlegungen, ob und wie man von den Schweizern lernen könnte. So könnten historische Beziehungen, wie es sie zwischen St. Gallen und Wangen im Allgäu schon im Mittelalter gab, in heutiger Zeit mit Hilfe modernster Technologie wieder aufleben.

Info:

Weitere Informationen zu den Projekt in St. Gallen gibt es im Internet unter http://wireless.sgsw.ch . Informationen zum Bodensee-Mobilfunk sind über die Adresse

www.strahlenschutz-am-bodensee.de auffindbar.