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und Wohlfühlen
Donnerstag, 12. September 2019

Zum Schulanfang das passende Programm

Für viele Besucherinnen und Besucher öffnet die aktuelle Ausstellung „Rund um den ersten Schultag“ in der Städtischen Galerie In der Badstube in Wangen im Allgäu ein Fenster in die eigene Vergangenheit. Sie dauert bis zum 20. Oktober 2019.

Zu sehen sind Stücke aus der Sammlung des Hamburgers Hans-Günter Löwe, ergänzt durch Objekte aus eigenen Beständen und Leihgaben des Schulmuseums Friedrichshafen und sie bietet ein interessantes Begleitprogramm. Lesen Sie hier einen Rundgang durch die Schau. 

Ein vergleichsweise junger Brauch

Wissenswertes und Erstaunliches haben die Macher für diese volkskundliche Ausstellung zusammengetragen. Gleich neben dem Eingang sind Zuckertüten zu sehen – aus verschiedenen Zeiten und mit einem Holz, das zum Formen der Spitztüten verwendet wurde.  Wer selber eine Zuckertüte im Arm hatte, wundert sich vielleicht, wie jung dieser Brauch ist. Er stammt - so ist zu lernen - aus Sachsen und Thüringen. Erste Erwähnungen stammen von 1781/82. Pfarrersohn Carl Gottlieb Brettschneider hielt in seinen Lebenserinnerungen folgenden Gedanken fest: „Ich erinnere mich noch, wie ich mit einem neuen A-B-C-Buch und einem neuen Katechismus nebst schönem Griffel in die Dorfschule zu Gersdorf eingeführt wurde und eine Zuckertüte von dem Schulmeister bekam, und wie ich glaubte, dass ich alle Tage eine solche erhalten würde, und daher sehr befremdet war, an den folgenden Tagen nichts zu empfangen.“

Weil die Schule früher nach Ostern begann, war der Brauch der Zuckertüte zu Beginn eng an das Osterfest gebunden. Beleg dafür sind jene Schultüten, die einen Osterhasen als Dekor tragen – zu sehen in einer eigenen Ostertüten-Vitrine. Gefüllt waren sie oft mit Ostereiern und Schokoladenhasen.

Früchte des Zuckertütenbaums

Im selben Raum hängen an einem Baum eine ganze Reihe bunter Tüten. Es ist der Zuckertütenbaum, der in einem Kinderbuch aus Dresden 1852 bereits zum Thema gemacht wurde. Häufig – so scheint es – trug ein Baum im Schulhof solche Früchte. In manchen Orten gab es wohl den Brauch, dass die künftigen Erstklässler den Baum gießen sollten, damit er am ersten Schultag die begehrten Früchte trüge. In manchen Orten habe der Baum jedoch auch im Keller des Schul- oder Lehrerhauses gestanden, so dass nur der Lehrer sehen konnte, ob die Früchte schon reif waren.

Besucher halten Erinnerungen fest

Im selben Raum liegt ein Buch aus, in dem Ausstellungsbesucher von ihrer Schultüte erzählen können. Da finden sich alle möglichen Kommentare vom Scherz „ich hatte 1941 keine Zuckertüte, das merkt man heute noch“ bis hin zum Bericht eines Kindes, das offensichtlich erst kurz in die Schule geht: „Meine Schultüte hate eine EisenBahn Drauf und Drinen war ein cooler Becher drinen“. Überhaupt laden in verschiedenen Räumen Bücher dazu ein, aus der eigenen Schulzeit zu erzählen. So findet sich zum Bespiel unter „Mein schönstes Schulerlebnis“ die Aussage: „Vier Klassen in einem Raum in Primisweiler 1964“.

Urgroßmutters Klassenzimmer

Aus Uromas Zeiten stammt das Klassenzimmer, für das vom Schulmuseum Friedrichshafen die Ausstattung zur Verfügung gestellt wurde. Bänke und Tische aus Holz und wenig bequem – in den Tischen eingelassene Gefäße für Tinte und vorne ein Pult für den Lehrer, wie ihn Fans des Films von der „Feuerzangenbowle“ kennen. Oben an der schrägen Tischplatte ist eine Vertiefung eingelassen, in der ein Stock liegt – Zeichen für eine gänzlich andere Vorstellung von Erziehung als heute. Museumsaufsicht Irmgard Insam kann sich gut an ein solches Klassenzimmer in ihrer eigenen Schulzeit erinnern. In die Tintenfässer in den Tischen wurden nicht nur Federhalter, sondern auch manchmal die Zöpfe der Mädchen eingetunkt, sagt sie.

Werbung und Pädagogik

Einen interessanten Blick werfen die Ausstellungsmacher auch auf das Thema Werbung in der Schule. So zeigen sie eine ganze Reihe von Stundenplänen, die die Schüler ausfüllen konnten. Rund um das Raster von Montag bis Freitag oder Samstag waren die unterschiedlichsten Bilder gedruckt, die in Kriegszeiten Bewunderung für die Soldaten an der Front bewirken sollten oder in den 1960er Jahren auch von der Industrie genutzt wurden – so lange, bis diese Art der sanften Beeinflussung verboten war.

Wangener Besucher amüsieren sich beim Ausgang über eine Reihe von Fotos, die stadtbekannte Persönlichkeiten an ihrem ersten Schultag zeigen. Es darf geraten werden, wer sie sind, und die Lösung haben die freundlichen Damen und Herren der Aufsicht bei der Hand.

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, Sonn- und Feiertage 14 bis 17 Uhr, samstags 11 bis 17 Uhr. 

Eintrittspreise: Erwachsene 3 Euro, mit SZ-Karte 2,50 Euro, ermäßigt für Schüler, Studenten, Schwerbehinderte und Besucher mit Gästeamtskarte oder Wangenkarte 1,50 Euro. Für Kinder bis 10 Jahren ist der Eintritt frei.

Zum Rahmenprogramm gehören Führungen zum Beispiel sonntags 1./22. September und 20. Oktober 2 Euro pro Person zzgl. Eintritt. Am Sonntag, 6. Oktober, 15 Uhr heißt es „Nichts gelernt fürs Leben?“ Alle sind sie zur Schule gegangen: Erich Kästner, Thomas Mann oder Ludwig Thoma. Ihre Erinnerungen wurden zu Texten, zu Autobiographien oder Romanen. Friederike Lutz, Leiterin des Schulmuseums Friedrichshafen, lädt zu einer kleinen literarischen Rundreise durch Klassenzimmer, Schlafsäle und auf Schulhöfe ein. Eintritt in die Ausstellung und Lesung: 5 Euro 

Speziell an Kinder richten sich folgende Programmpunkte: 

An den Sonntagen, 29. September und 13. Oktober, 14.30 bis 16 Uhr heißt es „Schule anno dazumal“ mit Rudi Öttl, Museumsführer im Schulmuseum Friedrichshafen, für Kinder im Alter von 8 bis 12 Jahren. So war Schule früher – in der Ausstellung erwartet die Besucher ein Klassenzimmer wie zu Uromas Zeiten. Mit zeitgenössischer Kleidung, Schiefertafel und Griffel erleben die Kinder eine historische Schulstunde anno dazumal. Ein Entdeckerrundgang durch die Ausstellung rundet das Programm ab. Eintritt frei für Kinder bis 12 Jahren.
Am Samstag, 19. Oktober, 15 Uhr nimmt Friederike Lutz, Leiterin des Schulmuseums Friedrichshafen, Kinder ab sechs Jahren mit in die Schulwelten großer Kinderbuchheld/Innen. Titel der Veranstaltung: „Zweimal Drei macht Vier“. Eintritt frei für Kinder bis 12 Jahren.

Der Flyer mit dem kompletten Programm ist auf der Seite www.galerie-wangen.de zu finden.