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im Allgäu

Urlaub machen im Smart Home auf vier Rädern

Zwei Männer vor einem Wohnmobil

Philipp Wex und Stefan Krause und ihr Alphavan

Es könnte gerade nicht besser laufen für die beiden Wangener Philipp Wex und Stefan Krause: Nachdem ihr Produkt zu Jahresbeginn mit dem „iF Design Award 2021“ ausgezeichnet wurde, kam jetzt mit dem „Red Dot Design Award 2021, best of the best“ ein weiteres hochwertiges Prädikat hinzu.

Das Produkt, für das sie die Auszeichnungen entgegennehmen konnten, heißt Alphavan und ist ein Premium-Wohnmobil, das sich im Komfort von vielen anderen unterscheidet: Optisch durch attraktive, abgerundete Formen.  Technisch durch die Leichtbauweise und die eingebaute Smart Home-Technologie, steuerbar unter anderem über eine App. Energetisch durch die große Lithium-Ionen Batterie im Heck und die PV-Anlage auf dem Dach. Und im Gebrauch durch viele durchdachte Details, die aus einem Mercedes-Benz Sprinter ein komfortables Zuhause auf Zeit werden lassen. Egal, ob man mit der Familie in den Urlaub fährt oder bspw. auf Geschäftsreisen viel Zeit in einem Wohnmobil verbringt, der Alphavan gehört bereits nach weniger als zwei Jahren zur Topklasse. Die Veredelung des Sprinters geschieht in einem kleinen Start-up – beinahe unter Garagenbedingungen – zurzeit im ehemaligen NTW-Gelände in Wangen im Allgäu. 

Dass sich die beiden Geschäftsführer Philipp Wex und Stefan Krause gefunden haben, ist purer Zufall. Dass sie Brüder im Geiste sind, haben sie schnell gespürt. Die Geschichte, dass sie beide mit zwei Jahrgängen Unterschied ihre Schullaufbahn am Rupert-Neß-Gymnasium in Wangen absolvierten, ohne sich zu kennen, lässt Zuhörer schmunzeln.

Stefan Krause war als Maschinenbauer lange Zeit weltweit im Motorradsport unterwegs, unter anderem mit Hero, einer der ganz großen Marken in diesem Geschäft. Projekte im Zusammenhang mit der Rennserie Dakar lagen zuletzt in seiner Hand. Doch schon seit 2010 beschäftigt er sich mit der Frage, wie man Wohnmobile innovativ und leicht ausbauen kann. Bei der Entwicklung traf er mit der Trochtelfinger Firma Vöhringer einen Partner, der ihn sehr stark unterstützte, wie Krause erzählt. So habe das Unternehmen 2019 gefragt, ob er das Leichtbaukonzept umsetzen wolle. „Ich konnte dann das Konzeptfahrzeug auf dem Messestand von Vöhringer in Düsseldorf ausstellen“, erzählt Krause. Dort trafen sich Stefan Krause und Philipp Wex zum ersten Mal. Wex hatte als Informatiker mit einem MBA-Studium nicht nur an der Entwicklung der digitalen Systeme im Mercedes Sprinter von Beginn maßgeblichen Anteil. Schon da ging es auch um die Thematik, wie man aus einem Lieferwagen ein modernes Reisemobil machen könnte. Und die Einbindung digitaler Lösungen stand auch damals schon auf seinem Plan. 

Als sich die beiden Männer in Düsseldorf begegnen, ist für beide offensichtlich: Sie haben ein gemeinsames Ziel. Und so verabschieden sie sich von ihren Arbeitgebern, um sich zusammen auf den weiteren Weg zu geben. „Große Unternehmen sind wie Tanker“, sagt Philipp Wex. Das heißt, sie bewegen sich langsam auf einen neuen Kurs. Das Unternehmen Alphavan hat zwei Geschäftsführer, vier Vollzeit-Mitarbeiter und einige 450 Euro-Kräfte und ist damit wendig wie ein Schnellboot - um im Bild zu bleiben. Das Team baut den Sprinter zu einem rollenden Zuhause aus mit einem festen Schlafplatz für zwei Personen im oberen Bereich und einem zweiten Raum, der als Kinderzimmer genutzt werden kann. Die Matratze, die dort für die Nacht eingelegt wird, lässt sich klein zusammenfalten, so dass sie jede Menge Stauraum lässt – egal ob für Fahrräder oder Campingzubehör oder als Spielzimmer. 

Zum Komfort gehören von Hand gefertigte, hochwertige Sitzgarnituren, deren Bezüge ein Sattler in der Region näht. So können die Kunden die Farbe des Leders ebenso auswählen wie die der Nähte. Die kompakte Küche besticht durch das Design der Kunststoff-Möbel mit den abgerundeten Ecken mindestens so wie durch den zwei Platten-Induktionsherd oder den Kühlschrank, der sich in zwei Richtungen öffnen lässt. Wer es sich unter dem Vordach gemütlich gemacht hat, kann vom Handy aus das Licht im Fahrzeug einschalten oder dimmen oder die Rund-um-Soundanlage starten. Trotz all dem ist das Fahrzeug 3,5 Tonnen leicht. „Gedacht ist der Alphavan für Menschen, die das Fahren in einem Mercedes PKW gewöhnt sind und auch im Wohnmobil ähnlichen Komfort genießen wollen“, sagt Philipp Wex und fügt hinzu: „Wir machen ein Angebot, das andere so nicht haben.“ Mehr als 20, vielleicht 30 Fahrzeuge pro Jahr, wollen sie auch nicht auf den Markt bringen.
 

Die beiden Männer haben mit ihrem Produkt nicht nur komfortbewusste Kunden, sondern auch die Zukunft im Blick. Die leicht ausgebauten Wohnmobile könnten bald die Nase vorn haben, wenn es um den Einstieg von Wohnmobilen in die E-Mobilität geht. Je leichter der Ausbau, desto einfacher der Einbau von Batteriespeichern, sagen sie. Die Innovationsgeschichte bei Alphavan ist also noch lange nicht zu Ende. Ein Grund, weshalb sie sich für das Landesfinale des „Start-up BW Elevator Pitch“ qualifizierten und angefragt wurden, sich beim „European Innovation Award“ zu bewerben, einer Auszeichnung, die unter anderem an innovative Wohnmobil-Hersteller verliehen wird. Mitbestimmen ist für Fans nicht möglich, Daumen drücken schon.