Städtische Galerie in der Badstube

Die ehemalige Obere Badstube hat eine bewegte Vergangenheit und wurde früher als öffentliche Badeanstalt, später als Wanderarbeitsstätte und Obdachlosenunterkunft genutzt. Seit 1993 ist im ersten Obergeschoss die städtische Kunstgalerie untergebracht.

In wechselnden Ausstellungen wird Kunst des 20. Jahrhunderts gezeigt. Über das Ausstellungsprogramm entscheidet der Galeriekreis, dem Beauftragte aller Gemeinderatsfraktionen und interessierte Bürgerinnen und Bürger der Stadt angehören. Ein weiterer konzeptioneller Schwerpunkt gilt grenzübergreifend der zeitgenössischen Kunst der Region.

Einmal im Jahr, in der Regel im Winter, greift die Städtische Galerie ein Thema auf, das eher der Volkskunst, der Kulturgeschichte oder der Heimatgeschichte zuzuordnen ist. Neben diesen Hauptrichtungen der Galeriearbeit gilt die Aufmerksamkeit der Planer aber auch Themen mit lokalen Bezügen.

18. Juli 2021 - 03. Oktober 2021

Lieselotte Faber (1920 - 2014)
Retrospektive eines faszinierenden malerischen Lebenswerks

1920 in Nürnberg geboren, hätte Lieselotte von Faber 2020 ihren 100. Geburtstag feiern können. Das malerische Werk der 2014 in Oberammergau verstorbenen Künstlerin ist bestimmt durch die Einflüsse der Klassischen Moderne, insbesondere durch den Rheinischen Expressionismus. Es besteht eine „Wesensverwandtschaft“ zu August Macke ebenso wie zum Surrealen.

Während ihres Studium an der Akademie für angewandte Kunst und an der Akademie der Bildenden Künste in München in den 1940er Jahren lebte sie in einer Schwabinger Frauenwohngemeinschaft und etablierte sich in den Münchner Künstlerkreisen. Nach 1945 war sie neben ihrem malerischen Schaffen freiberuflich für die Porzellanmanufaktur Nymphenburg als Entwurfszeichnerin tätig; von 1953 bis Ende der 1950er Jahre für die Firma Rosenthal. 1960 heiratete sie den Sprachwissenschaftler Helm von Faber und lebte seit Anfang der 1970er Jahre zurückgezogen in Oberammergau.

Hier finden Sie den Flyer zur Ausstellung.

Ihr künstlerisches Lebenswerk ist der Figur und später auch der Landschaft zugewandt. Dicht gedrängt und zugleich isoliert, bevölkern modisch gekleidete Frauen und vereinzelt auch Männer Parks, Cafés und Interieurs. Sie widerspiegeln in ihrer charakteristischen Aufmachung einen farbig leuchtenden transzendenten Kosmos, in dem es auch immer um gesellschaftliche Rollenspiele geht. Zu Lebzeiten hat es keine Ausstellung ihrer Werke gegeben. Die Malerei ist vorwiegend in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts im Verborgenen entstanden. Eine erste Retrospektive gab es 2016/2017 im Oberammergau Museum. Die Städtische Galerie Wangen ist die zweite Station, die sich dem Werk und dem außergewöhnlichen Lebensweg dieser Künstlerin widmet.

Rundgang durch die Ausstellung mit Helm Andreas Heigl, Babette Caesar und Rainer Fritz (Film Bruno Schiebel).

In Planung: Toni Schneiders & Peter Keetman - Brüder im Geiste

Im September 1949 riefen sechs gleichgesinnte deutsche Fotografen die legendäre avantgardistische Gruppe „fotoform“ ins Leben. Unter ihnen waren Peter Keetman (1916-2005) und Toni Schneiders (1920-2006), die an Chiemsee und Bodensee eine neue Sprache der Fotografie erfanden. Beide setzten stilistische Mittel wie Licht und Perspektive mutig ein, vor allem in ihren Landschaften und Naturstudien sind sich ihre Aufnahmen sehr nah. Der Fotografie den Mut zur Gestaltung zurück zu geben, mit dem Konservatismus zu brechen und etwas Neues überzeugend zu bieten, lautete der Tenor der Nachkriegsmoderne Deutschlands. Viele ihrer Motive sind zu fotografischen Ikonen geworden und haben sich unter dem Begriff „Subjektive Fotografie“ in das kollektive Bildgedächtnis eingegraben.

Toni Schneiders war weltweit unterwegs und seine Menschen- und Reisebilder zeichnen sich durch Humor und Einfühlungsvermögen gegenüber dem Menschlichen aus. Bei aller Reiselust war er aber doch bodenständig:  „Viele Länder habe ich bisher bereist – aber ebenso gern kehre ich wieder zu meiner Familie und an den Bodensee zurück – den ich immer wieder in Bildern zu schildern versuche, als Dank dafür, dass ich hier leben darf.“ (Toni Schneiders)

Freund und Kollege Peter Keetman widmete sich dem fotografischen Experiment wie der Abstraktion und seinen meisterhaften Lichtpendelschwingungen. „Was die Fotografie mir erschließt, sind Gesetze und Schönheiten. Je tiefer ich fotografierend in die Materie eindringe, um so größere Welten tun sich auf“ (Peter Keetman)

Die Freundschaft der beiden Pioniere hielt ein Leben lang, auch als später freie Arbeiten und angewandte Auftragsfotografie zunehmend ineinandergriffen. Davon zeugen zahlreiche Briefe von Lindau an den Chiemsee und zurück sowie gegenseitige Porträtaufnahmen. In stetigem Austausch über fotografische Themen blieben sie immer neugierig auf neue Motive – von der weiten Alpenlandschaft bis zur Lichtreflektion im kleinen Wassertropfen auf einem Blatt

Die Ausstellung in Kooperation mit der Stiftung F. C. Gundlach in Hamburg war für 2020 geplant und musste aufgrund der Corona-Pandemie verschoben werden.


 

Flyer ausgewählter Ausstellungen