20 Jahre Herz und Gemüt in Wangen: Jubiläumsfeier in der Häge-Schmiede mit den Ehrenamtlichen

Eine Gruppe Menschen mit Oberbürgermeister Michael Lang
Ein Mann und eine Frau mit einem Blumenstrauß

Seit 20 Jahren bringen Menschen ehrenamtlich Freude zu meist alleinstehenden Seniorinnen und Senioren in Wangen. Möglich macht dies die 2005 als Projekt gestartete „Aktion Herz und Gemüt“, getragen von der Friedrich-Schiedel-Stiftung. Und – auch das wurde bei der Jubiläumsfeier in der Häge-Schmiede deutlich: Möglich machen dies vor allem die Ehrenamtlichen, die sich in all den Jahren in den Dienst der guten Sache gestellt haben und auch heute noch gern dabei sind.

Der Leiter des Ordnungs- und Sozialamts, Nicolai Müller, brachte es gleich zu Beginn auf den Punkt: „20 Jahre Aktion Herz und Gemüt – das heißt auch hier sind heute 20 Jahre guter Taten versammelt!“  Und es wurde auch ein schöner Abend mit viel Herz und fürs Gemüt. Oberbürgermeister Michael Lang schilderte, die Geburtswehen des „Projekts“. Denn man habe zwar gewusst, was man damit erreichen wollte, aber wie man es in eine Form gießen sollte, das musste erst in einem mehrjährigen Prozess gemeinsam mit dem Landratsamt und der Stiftung erarbeitet werden. Inzwischen wurde aus „Herz und Gemüt“ auch ein Herzensprojekt der „Friedrich-Schiedel-Stiftung“, die noch immer durch ihre finanzielle Unterstützung für Kontinuität sorgt. OB Lang würdigte in diesem Zusammenhang besonders das Engagement von Christine Schiedel, der Tochter des Stiftungsgründers, die Wert darauflegte, dass die Stiftung dieses Thema über die zunächst vereinbarten zehn Jahre hinaus unterstützte. 

Dieses Engagement ermöglicht die Koordination im Hauptamt, die zunächst Edeltraud Horlacher übernahm und nun seit fast genau zehn Jahren von Silke Späth-Esch ausgefüllt wird. Ziel war es laut OB Lang, „die Lücke zu schließen in der sozialen Betreuung von Senioren, die überwiegend zu Hause sind.“ Später kam die Nachbarschaftshilfe dazu. Mit Blick auf die Sozialstruktur in der Stadt, zu der auch das Bürgerforum, der dort inzwischen angesiedelte Stadtseniorenrat, aber auch das Hospiz und die Bürgerstiftung gehören, sagte er: „Außerhalb des Allgäus gibt es so etwas nicht.“ 

Die Leiterin der Stabsstelle Sozialplanung und Bildungsmanagement beim Landkreis Ravensburg, Andrea Müller, sagte: „Auch der Landkreis ist stolz auf dieses Projekt.“ Es sei sehr besonders, dass ein auf dem Ehrenamt basierendes Projekt so lange existiere wie die „Aktion Herz und Gemüt“. Wangen war der erste Ort im Allgäu gewesen, in dem diese Organisation aufgebaut wurde. Inzwischen gibt es fünf Gruppen. Die Jüngste wurde im Oktober 2023 in Kißlegg gegründet. Hinter der „Aktion Herz und Gemüt“ stehe eine gute Idee, sagte Müller, die Verlässlichkeit brauche und Menschen, die sie mit Leben füllen. Dass auch OB Lang sich der Idee sehr verbunden fühle, helfe zusätzlich zur Erfolgsgeschichte.

Silke Späth-Esch sorgte schließlich für Zahlen und Fakten. 2005 startete Herz und Gemüt mit 30 Ehrenamtlichen, der Höchststand wurde 2015 verzeichnet mit 85. Derzeit sind es 6o Frauen und 8 Männer, die sich hier einbringen und 110 Seniorinnen und Senioren betreuen, die im Durchschnitt 82 Jahre alt sind.  „Es ist total toll, dass sich auch jüngere Menschen engagieren. Das Durchschnittsalter der Ehrenamtlichen war schon über 70 Jahre und liegt jetzt bei 69 Jahren“, sagte sie. Sie sind Partner beim Spazierengehen, bei Gesprächen, beim Einkaufen oder bei Ausflügen. Sie lesen vor, hören zu, spielen mit und unterstützen, wenn es Hilfe bei der Alltagsorganisation braucht. Und warum machen sie das? Darauf gaben die Ehrenamtlichen bei einer Umfrage eine Reihe von Antworten. Am häufigsten wurde laut Späth-Esch genannt: „Weil es Spaß macht“. Es gebe auch eine Seniorengruppe, die sich einmal monatlich bei Kaffee und Kuchen trifft. 

Alle zusammen – Senioren und Ehrenamtliche unternehmen schöne Dinge zusammen: Sie feiern Fasnet und Advent, sie erleben Ausflüge, bei denen OB Lang nach Möglichkeit teilnimmt. Alle zwei Jahre gibt es die „Musik am Nachmittag“ mit einem festlichen Konzert bei Kaffee und Kuchen. Inzwischen hat sich das Thema „Demenz“ als ein wichtiges herausgestellt und so hat Silke Späth-Esch gemeinsam mit anderen, darunter die VHS und die Stadtbücherei eine Aktionswoche dazu ins Leben gerufen. So gibt es seit zwei Jahren auch die Broschüre „Demenzratgeber“. Zahlreiche weitere Aktivitäten bestimmen die Arbeit der Koordinatorin. Sie fand viele lobende Worte für all ihre Unterstützer und wurde schließlich von Nicolai Müller, der durch die Feier führte, mit Blumen und herzlichen Worten des Dankes für ihre Arbeit als „Wirbelwind“ und „Schnittstelle zwischen Ehrenamt und Senioren“ überrascht. Gemeinsam mit OB Lang ehrte sie die langjährigen Ehrenamtlichen ab zehn Jahren. Eine Mitarbeiterin ist seit 19 Jahren dabei.

Einen humorvollen Ausklang boten die beiden Ehrenamtlichen Anita Häring und Benno Hengge mit einem Sketsch. Die Eglofser Stubenmusik umrahmte die Feier mit flotten und berührenden Stücken.