Acht Wangener Familien testen E-Autos und deren Wirkung aufs Netz

Elektro-Auto

Die Aufschrift an den Fahrzeugen ist Programm: "Elektropionier am Steuer"

Drei Jungen ziehen Lose

Spannende Verlosung der Fahrzeuge unter den Teilnehmenden

Wie wirkt es sich aus, wenn in einer normalen Wohnstraße mit vielen jungen Familien plötzlich eine ganze Reihe von E-Fahrzeugen am Netz hängen? Dieser Frage will Netze BW jetzt in Wangen in einem sechsmonatigen „NETZ-Labor – Intelligentes Heimladen“ auf den Grund gehen. Start war jetzt in der Maria-Knöpfler-Straße.

„Unsere Aufgabe ist es, möglichen Engpässen in der Stromversorgung entgegenzuwirken. Dazu erproben wir verschiedene Strategien im Bereich des privaten Ladens. Netzdienliches Lademanagement ist hierbei das Schlüsselwort“, erklärt Sven Zahorka von der Netze BW. Dafür werden intelligente Messsysteme – digitale Stromzähler – genutzt und durch zusätzliche Steuerboxen ergänzt. „Mit diesen beiden Komponenten können wir Ladevorgänge beeinflussen. Das ermöglicht es uns, eine größere Anzahl E-Fahrzeuge in unser bestehendes Stromnetz zu integrieren – bei gleichbleibender Versorgungssicherheit“, so Zahorka. Die in Wangen gemachten Erfahrungen sollen helfen, eine einheitliche Steuerung des Ladens zu entwickeln.

Bereits im Frühjahr hatte Netze BW in Wangen eine Möglichkeit gesucht, das Projekt zu starten. Drei größere „Netzlabore“ seien dem im Land schon vorausgegangen. Jetzt seien fünf kleinere, die repräsentativ im ganzen Land verteilt sind, geplant. Davon versprechen sich die Spezialisten der Netze BW einen möglichst guten Überblick darüber, wie es sich auswirkt, wenn durch immer mehr Stromabnehmer einerseits Belastungen auf die Netze zukommen. 

Die Elektromobilität stelle neue Herausforderungen an die Stromnetze, führt der Projektleiter weiter aus. Derzeit seien eine Million Elektrofahrzeuge am Netz, 2030 könnten es 15mal so viele sein. Zu den Auswirkungen gebe es zwar Berechnungen und Prognosen. Darauf allein will sich die Netze BW aber nicht verlassen: „Wir möchten live im realen Netzbetrieb beobachten und testen.“ Besonders interessant seien dabei vor allem auch die Erfahrungen der Projektteilnehmer und -Teilnehmerinnen sowie deren subjektives Empfinden. Wie beispielsweise ein Absenken der Ladeleistung mit der damit verbundenen längeren Ladedauer wahrgenommen wird.

Wangen und die Maria-Knöpfler-Straße war von der Netze BW ausgesucht worden, weil - wie es beim Termin vor Ort hieß – hier junge Familien mit entsprechendem Strombedarf leben und E-Mobilität bei ihnen zunehmend ein Thema sein wird. Außerdem weise das Netz an dieser Straße keine Besonderheiten auf, eigne sich deshalb also in jeder Hinsicht für einen repräsentativen Test.

Die Netze BW dankte Oberbürgermeister Michael Lang für die Unterstützung der Stadt bei diesem „Netzlabor“. Er ermutigte die Nachbarn vor Ort durch seine eigenen Erfahrungen, die er seit sieben Jahren mit der Nutzung eines städtischen E-Fahrzeugs macht. „Ich bin noch nie liegen geblieben. Wir sehen auch, dass sich in diesem Bereich ein Entwicklungsschub vollzieht, denn die Stromzapfsäulen in der Stadt werden immer mehr frequentiert“, sagte er. Dennoch scheine die Entwicklung dahin zu gehen, dass die Menschen künftig hauptsächlich ihre Fahrzeuge über Nacht zu Hause „betanken“. 

Netze BW baute für das „Netzlabor“ bei acht teilnehmenden Familien so genannte Wallboxen (Ladestationen) und Steuerungsboxen ein, die Messdaten sammeln und über die auch die Einspeisung gedrosselt werden kann. Für ein halbes Jahr können nun acht Familien die E-Mobilität für sich testen. Netze BW hat ihnen dafür auch das entsprechende Fahrzeug für die Zeit des „Netzlabors“ zur Verfügung gestellt. Unterschiedliche Fahrzeugtypen standen dabei zur Verfügung und wurden den Teilnehmenden in einem Verfahren ähnlich wie beim DFB-Pokal zugelost. Oberbürgermeister Michael Lang holte sich dabei Unterstützung von Jugendlichen unter den Zuschauerinnen und Zuschauern.

Text: Netze BW / sum