Anita Merkt arbeitet unter Hochdruck daran, ihre Weihnachtsmarktstände für die Schaufenster-Kuben passend zu machen.
Solche hübsch gestalteten Kuben werden in der Wangener Altstadt und im Waltersbühl zu entdecken sein.
Romantik und ein bisschen Nostalgie gehören in die Weihnachtszeit. Umso schöner, wenn man beides in der Wangener Altstadt und im Waltersbühl erleben kann. In diesem Jahr bieten nicht nur die großen Weihnachtsmärkte an den Adventssamstagen dazu Gelegenheit. 2026 gibt es in 14 Schaufenstern von Wangener Fachgeschäften den Weihnachtsmarkt im Puppenstubenformat zu sehen.
Die niedlichen Szenen stellt Kunstdesignerin Anita Merkt für die Stadt Wangen und die Leistungsgemeinschaft her. Sie ist in der Region und bis nach Stuttgart bekannt für ihre hübschen Szenerien. In der Weihnachtszeit 2009 zierten ihre Puppenstuben bereits verschiedene Schaufenster in Wangen – und das sogar passend zu den jeweiligen Geschäften. Faszinierend, woraus die einzelnen Teile alle hergestellt wurden. „Ich habe damals die ganzen Damenbinden in der Region aufgekauft“, scherzt sie heute – aber nicht um eine Drogerie herzustellen, sondern um daraus Bücher für die beiden Minibuchhandlungen zu basteln, die in den beiden großen Buchhandlungen in der Wangener Altstadt ausgestellt werden sollten.
Genauso interessant ist die Geschichte jener Mini-Schuhe, die gerademal so groß sind wie ein Cent-Stück. Der Absatz wurde aus dem Metall eines ausgebrannten Teelichts hergestellt. Den ausgeschnittenen Metallstreifen hat Anita Merkt ganz eng gerollt und dann mit Leder überzogen. Auch die Schuhsohle hat sie aus einem Teelicht-Streifen gebogen. Anschließend wurde alles mit Heißkleber befestigt und natürlich mit einem schicken Oberleder für den Puppenfuß versehen. Wer selber eher grobmotorisch veranlagt oder beim Basteln nicht sehr geschickt ist, kann da nur staunen!
Bis zu 60 Meter lange Weihnachtsmärkte im Puppenstubenformat bestückt
Auf die Puppenstuben folgte 2013 der 40 Meter lange „Weihnachtsmarkt im Puppenstubenformat“ im Giebelsaal der Badstube in Wangen, die damals viele Hundert Menschen anlockte. Zwei Jahre später bestückte sie eine ebenso erfolgreiche Ausstellung im Lindauer Cavazzen, die mit 80 Büdchen auf beinahe 60 Metern noch ein ganzes Stück größer war. „Da standen manche Menschen mit Tränen in den Augen vor den Buden“, erinnert sich Anita Merkt.
Alle Büdchen waren und sind bis heute liebevoll ausgestattet mit winzigen Dingen wie handgehäkelten Kleidchen, Jäckchen oder Mini-Seifen. Wie im richtigen Leben gibt es dazu auch eine Bratwurstbude und einen Glühweinstand. Passend dazu stehen „Menschen“ dabei – Püppchen, die auch von der Künstlerin ausstattet wurden. Da wurden Barbie-Puppen die Haare geschnitten. Die Abschnitte wurden wiederum als Haare auf andere Puppen geklebt. Verdeckt mit einer Mütze weiß niemand, dass unter der Kopfbedeckung eigentlich eine Glatze ist. Da ist auch der Maroni-Mann mit der Pelzmütze nach russischer Art: Sie entstand aus dem Daumen eines mit Fell gefütterten Herrenhandschuhs, den Anita Merkt irgendwo auf der Straße aufgelesen hatte. Auch viele Buden hatten ein anderes „Leben“, bevor sie für den Mini-Weihnachtsmarkt gestaltet wurden. Häufig wird Anita Merkt gefragt, wie sie auf die Idee kam. Auch da kann man nur sagen: Es geschah im richtigen Leben. Denn als sie an einem echten Weihnachtsmarkt sah, dass bei großer Kälte und Schneetreiben glückliche Menschen zufrieden bei Glühwein zusammenstanden, fühlte sie sich an die eigene Kindheit erinnert. Von Stund‘ an wollte sie mit ihrer Idee Menschen in der Weihnachtszeit noch mehr Freude bereiten, wie sie sagt.
Wie aus einem Holzuntersetzer eine Hütte wird
Beim jüngsten Werkstattbesuch hatte sie gerade einen Stand in Arbeit, der im linken Teil aus einer kleinen Krippe und im rechten aus einem geflochtenen Holzuntersetzer konstruiert ist. Bedeckt mit weißer Farbe und umrankt mit künstlichen Zweigen sind die beiden Teile nur bei sehr genauem Hinsehen als das zu erkennen, was sie einmal waren. Wollte man einen modischen Begriff für Anita Merkts Technik finden, dann läge das „Upcycling“ wohl am nächsten. Man könnte auch sagen, sie haucht vielen Dingen ein zweites Leben ein, die andere Menschen längst in die Mülltonne gegeben hätten.
Kuben mit Weihnachstmarkt-Szenen werden Schaufenster zieren
Bei dem aktuellen Projekt haucht sie sogar ihren eigenen Werken ein zweites Leben ein. Denn eigentlich geht es ihr darum, die schönen Buden zu „retten“. „Ich werde auch älter“, sagt die Mitsiebzigerin und würde ihre hübschen Stücke am liebsten in eine Dauerausstellung geben. Doch bisher fand sich nirgendwo ein Raum, in dem die Buden bleiben können. Also griff sie zu, als Holger Sonntag und Stefanie Küfer von der Wirtschaftsförderung der Stadt Wangen in Absprache mit der Leistungsgemeinschaft auf sie zukamen und fragten, ob sie die schon öfter zum Einsatz gekommenen Holzkuben mit ihrem Weihnachtsmarkt bestücken würde. Es wurde überlegt und geplant: Schließlich wurden passende Plexiglaskuben bestellt, so dass die Buden in den Holzkuben gut geschützt stehen können. Parallel dazu warb der Geschäftsführer der Leistungsgemeinschaft, Christoph Morlok, bei den Händlern in der Stadt für die Aktion.
Mit den Kuben ist aber auch die Größe vorgegeben. Das bedeutet: Anita Merkt muss ihre Szenen umgestalten, manche verkleinern, andere durch Püppchen und Bäume nebenan ergänzen. Und auch die Lichterketten, die zum Weihnachtsmarkt gehören, müssen passend gemacht werden. Der Teufel steckt dabei im Detail, denn es gibt nur Lichterketten ab 14 Meter Länge. Doch auch dabei weiß sich die Künstlerin zu helfen und so werden die Büdchen auch bis in dieses Detail in den Schaufenstern glänzen. 14 Buden von ihren vielen werden damit gesichert sein. Vielleicht, so hofft sie, findet das Projekt Anklang und Nachahmer unter den Geschäftsleuten. Dann würde sie im nächsten Jahr glatt weiterarbeiten.
Info: Eröffnet wird der Weihnachtsmarkt im Puppenstubenformat auf der Bühne des großen Weihnachtsmarkts am Samstag, 28. November 2026, um 11 Uhr auf dem Marktplatz. Oberbürgermeister Michael Lang spricht ein Grußwort. Die Jugendkapelle Deuchelried sorgt für die musikalische Umrahmung. Flyer mit einer Karte der Standorte werden ausliegen.