Bürgerenergiegenossenschaft Region Wangen im Allgäu

Montagesysteme für Solarpanele stehen links und rechts der Autobahn A96, davor stehen zwei Bagger.

Das Interesse der Mitglieder an der Entwicklung der BürgerEnergiegenossenschaft Region Wangen im Allgäu eG (BEG) ist ungebrochen. Bei der 16. Generalversammlung Im Dorfgemeinschaftshaus in Deuchelried musste für die 90 anwesenden Mitglieder sogar noch nachgestuhlt werden. Kein Wunder: Sowohl im Windpark Länge auf der Baar wie auch im Solarpark Humbrechts/Brententann geht es mit großen Schritten sichtbar voran. Und auch sonst tut sich einiges.

Allerdings war das Jahr 2024 weniger sonnenreich als prognostiziert. Nur rund 1650 Sonnenstunden statt normalerweise deutlich über 1700 machten sich ebenso im Ertrag bemerkbar wie die Schuldachsanierung in Neuravensburg, wegen der die dortige Anlage abgebaut werden musste. Weitere Dachsanierungen in diesem und nächsten Jahr stehen an, weswegen auch weitere Anlagen über eine gewisse Zeit ausfallen werden, sagte der Technische Vorstand Wolfgang Friedrich in seinem Bericht.
 
Allerdings ist zu erwarten, dass zumindest ab 2026 der Strom-Ertrag deutlich steigen wird, denn dann wird auch der Solarpark an der Autobahn A96 in Betrieb sein. Bauherr ist die EnBW, die BEG kann sich mit bis zu 49 Prozent an dem Projekt beteiligen. Die Anlagengröße ist mit 5.500 kWp insgesamt mehr als das Achtfache aller Dach-Anlagen, die bisher in BEG-Hand sind, wie Wolfgang Friedrich ausführte. Da in der Anlage ein Stromspeicher mit einer Kapazität von 7 Megawattstunden verbaut wird, ist von einer höheren Rentabilität auszugehen. Denn wenn an sonnenreichen Tagen mehr Strom erzeugt wird, als im Netz aktuell gebraucht wird, kann er im Speicher zurückgehalten und in den Abend- oder Nachtstunden abgerufen werden. Der Speicher dient damit auch der Netzstabilität. Die Montagesysteme für die Module stehen inzwischen links und rechts der A96. Mit dem Solarpark wird die Genossenschaft auch wieder die Möglichkeit schaffen, Anteile zu erwerben, stellte Finanzvorstand Christoph Müller in Aussicht. Ab wann und in welchem Umfang muss noch eingehend geprüft werden.

Auf dem Dach des im Bau befindlichen neuen Feuerwehrhauses Leupolz-Karsee wurde eine PV-Anlage mit 45 kWp aufgebaut, die dieses Jahr ans Netz gehen soll.
Auch in Sachen Windkraft geht es voran. Seit Frühjahr dieses Jahres wird im Windpark Länge bei Hüfingen (Schwarzwald-Baar-Kreis) gebaut. Die Fertigstellung der sechs Anlagen ist für Ende 2026 geplant. Nach Inbetriebnahme des Windparks wird er rund 60 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr (kWh/a) liefern. Statistisch können damit 60 000 Menschen versorgt werden. 
Wolfgang Friedrich fasste das Ergebnis des Berichtsjahrs als „sehr mäßig“ zusammen. Nachdem seit Mai 2024 die drei Dachanlagen auf den Punkthäusern Mieterstrom erzeugen und im November 2024 auch die Anlage auf dem Haus der Bürgerstiftung Wangen im Allgäu in Betrieb ging, produzierten die 18 Anlagen insgesamt 516 200 Kilowattstunden (kWh), die Prognose lag bei 551 000. Die Erwartungen für das Jahr 2025 liegen laut Friedrich bei 610 000 kWh/a.

Erwartungsgemäß fiel dann auch der Rückblick auf das vergangene Jahr von Christoph Müller weniger gut aus als zuletzt. In den rund 1,2 Millionen Euro Aktiva und Passiva im Geschäftsjahr sind Restkosten für die Mieterstrom-Anlage in den Auwiesen ebenso enthalten wie für das Haus der Bürgerstiftung. Im Finanzbericht ist auch der Baukostenzuschuss der Volksbau für den Speicher der Anlage abzulesen.  „Ohne diesen Zuschuss wäre die Anlage für die BEG nicht wirtschaftlich zu betreiben“, sagte Müller. 
Angesichts der Ertragssituation schloss die BEG das Geschäftsjahr „nur“ mit einem Bilanzgewinn von 26 000 Euro ab, im Vorjahr waren es 33 000 Euro. Dennoch konnten die Genossen eine Dividende von drei Prozent beschließen.

Die Eigenkapitalquote lag bei 71,6 Prozent, die Anlagenquote bei 89,4 Prozent sowie die flüssigen Mittel bei 3,2 Prozent. 
Für den Herbst kündigte Müller die Fahrt der BEG-Mitglieder zum Windpark Länge an. Dort wird es am 27. September die Möglichkeit geben, die Baustelle zu besichtigen. 
Aufsichtsratsvorsitzender Oberbürgermeister Michael Lang lobte die beiden Vorstände und dankte ihnen für ihre Arbeit. „Wir können stolz sein auf unser Unternehmen“, sagte er.

Die BEG in Zahlen 
1. Januar 2024: 609 Mitglieder, 31. Dezember: 612 Mitglieder, Summe der Geschäftsguthaben: 810 500 Euro.