Die Sanierung der Trinklaube 2, des ehemaligen Thiermann-Hauses, in der Schmiedstraße hat begonnen. Ziel ist es, dass bis Ende 2024 das Äußere steht. Dach und Innenausbau folgen später. Im Erdgeschoss ist ein Ladenlokal, in den oberen Stockwerken sind Wohnungen vorgesehen.
Derzeit laufen in dem Gebäude Aufräumarbeiten. Zunächst wurde Schutt aus dem Haus geschafft. Man konnte es sehen: er landete über ein Rohr im Baucontainer an der Schmidstraße. In diesem Zug wurden Deckenfelder ausgeräumt und Balken freigelegt. Architekt Theo Keller und Statiker Dietmar Weber nahmen die Rohbaumaße und die Schäden auf und erarbeiteten ein Konzept für die weiteren Arbeiten.
Die Planung sieht nun Folgendes vor: In dem mittelalterlichen Bau zur Schmiedstraße hin wird mit sehr großer Sorgfalt die historische Bausubstanz erhalten. Besonderes Augenmerk legt die Bauherrschaft dabei auf die Fassade und die historischen Tragstrukturen. Das heißt die Fachwerkkonstruktion in der Fassade, die Holzdachkonstruktion sowie die Holzdeckenbalken werden mit großem Aufwand, viel Herzblut und Feingefühl saniert. Der städtische Sanierungsbeauftragte Martin Schwenger freut sich sehr über so viel Engagement, denn die Familie Reimer, der das Gebäude gehört, hätte es sich nach seinen Worten auch leichter machen können. Doch sie wird die alte Bausubstanz sinnvoll nach denkmalpflegerischen Vorbild sanieren. Sie muss sich dabei mit einem verwinkelten Gebäude mit kleinteiligen Räumen und Stufen auseinandersetzen. Wer unter den Wangenern noch im Thiermann-Haus eingekauft hat weiß, dass es dort alles zu kaufen gab, was man im Haushalt an nützlichen und schönen Dingen brauchen konnte. Um sie begutachten zu können, musste man über manch‘ steile Treppe und durch äußerst niedrige Räume gehen. Erhalten bleibt auch der Gewölbekeller.
Im hinteren Gebäudeteil wird ein Neubau in Teilfertigbauweise angebaut. Dort wird unter anderem das Treppenhaus entstehen. Wenn die Wände des Gebäudes stehen, kann schließlich auch das Dach erneuert werden. „Für ein neues, angedachtes Dach waren die historischen Tragstrukturen und Holzbohlenwände zu gering dimensioniert und konnten nur mit Folien gegen Witterungseinflüsse geschützt werden“, erläutert der Sanierungsbeauftragte der Stadt Wangen, Martin Schwenger.
Nachdem die Firma Thiermann das Geschäft 2001 geschlossen hatte, sollte das Gebäude verkauft werden. Erst zehn Jahre später fand sich mit einer Immobiliengesellschaft aus Augsburg ein Käufer. Sechs Wochen nachdem er das Haus bezahlt hatte, brannte es in der Nacht vom 26. auf den 27. März 2012. Weil die Feuerwehr schnell vor Ort war und mit Unterstützung aus Leutkirch und Isny beherzt eingriff, konnten Schäden an benachbarten Gebäuden im Wesentlichen verhindert werden. Die Kriminalpolizei ging später davon aus, dass der Brand von einem am Elektrounterverteiler im ersten Obergeschoss ausgegangen war. Die Stadt signalisierte Interesse am Kauf des Gebäudes. Rund ein Jahr nach dem Brand ging es in die Hände der heutigen Eigentümer über. Eine Einigung über die Zukunft des Hauses wurde schließlich in Verhandlungen mit den Eigentümern, Oberbürgermeister Michael Lang und Baudezernet Peter Ritter in den Jahren 2019 und 2020 erzielt. Dabei wurden klare Sanierungskonzepte festgelegt.
Für die Stadt hatte der Brand des Thiermann-Hauses zur Folge, dass neue Brandschutzkonzepte erarbeitet wurden, die zum ersten Mal in den Decken, Brandabschnitten und Rettungswegen im Gebäude Herrenstraße 1, Haus Rose, umgesetzt wurden.