Das „Leben in Vielfalt“ fördern: Interessierte haben sich intensiv ausgetauscht

Menschen stehen um einen Tisch und denken gemeinsam nach
Menschen diskutieren in einem kleinen Raum an einem Tisch

Wie kann das „Leben in Vielfalt“ in der Stadt Wangen und den Ortschaften gestaltet werden? Dieser Frage sind Menschen aus Vereinen, Organisationen und bürgerschaftlich Engagierte gemeinsam nachgegangen. Zum Austausch hatte die Stadt Wangen in die Häge-Schmiede eingeladen.

Der Abend sollte eine Chance für jene sein, die am Thema interessiert sind, die Ideen haben und die mitwirken wollen. „Leben in Vielfalt – das ist es, was man in einer Kommune haben möchte“, sagte Oberbürgermeister Michael Lang. Denn alle Menschen in einer Stadt seien gleich wichtig. 

Für die städtische Integrationsbeauftragte Anita Mutvar steht „Leben in Vielfalt“ dafür, dass alle am öffentlichen Leben teilhaben können. „Integration von Menschen mit Migrationshintergrund ist zwar ein wichtiger Bestandteil davon, aber Teilhabe geht weit darüber hinaus“, sagte sie. 

Menschen mit Migrationshintergrund machten in Deutschland 2024 laut Statistischem Bundesamt 31 Prozent der Gesamtbevölkerung aus, davon waren 25,2 Millionen (16 Prozent) Deutsche mit Einwanderungsgeschichte sowie 15 Prozent Ausländer. 

In Wangen lebten zum Jahresende 2024 unter 28 796 Einwohnern 4145 Menschen mit ausländischem Pass aus 113 Ländern (14,4 Prozent). Wie viele Wangener einen Migrationshintergrund haben, lässt sich aus dieser Statistik nicht entnehmen, berichtete Anita Mutvar. Jedoch gibt es eine Schätzung vom Statistischen Bundesamt für Wangen von ca. 20 Prozent. Die weitaus größte Gruppe der Ausländer mit 76 Prozent kommt nach ihrer Darstellung aus Europa (inklusive der Türkei), aus Asien sind 16 Prozent, aus Afrika 7 Prozent und aus Amerika 1 Prozent. 

In der folgenden Gruppenarbeit ging es um die Frage, was „Menschen mit und ohne Migrations- und Fluchtgeschichte, mit und ohne Behinderung, mit unterschiedlichen Religionen, Weltanschauungen, unterschiedlichem sozialem Status, sexueller Orientierung und Alter“ brauchen, um in Wangen das „Leben in Vielfalt“ zu gestalten, wie Anita Mutvar formulierte. Dazu gingen die Anwesenden in jeweils zwei Arbeitsgruppen unterschiedlichen Fragstellungen nach. Wie kann Vielfalt noch sichtbarer werden in Wangen? Wie können Freizeitangebote und ehrenamtliches Engagement gestaltet werden, dass alle daran teilnehmen können? Wie lassen sich aktiv Vorurteile abbauen und gegenseitiger Respekt fördern? Wie können wir Sprachbarrieren überwinden? Wie kann Mehrsprachigkeit als Stärke genutzt werden? Aber auch: Wie können wir Teilhabe fördern? 

Was in diesen Runden besprochen wurde, fassten Sprecher am Ende zusammen. Das Plädoyer der ersten Gruppe lautete: „Begegnungen ermöglichen, aber keinen Sonderstatus schaffen. Ein Integrationsbeirat birgt die Gefahr der Stigmatisierung.“ Beim Thema Freizeit sollten die Angebote sichtbarer und möglichst mehrsprachig sein, meinte dieser Sprecher. Denkbar wären, so das Ergebnis der Gruppe, Nachrichten über die sozialen Netzwerke oder eine Plattform im Internet für das Ehrenamt. Vorurteile lassen sich – so die Bilanz zur dritten Frage – am besten abbauen, wenn Menschen sich kennen. Denkbar sind demnach unter anderem sportliche Angebote oder Treffen in Begegnungsräumen. Sprachbarrieren lassen sich am besten abbauen, wenn Menschen am Alltagsleben teilnehmen, hieß es zu Frage vier. Beispielsweise wenn man im Anschluss an die Sprachkurse zum Sport geht oder in die Bücherei oder zu anderen Veranstaltungen. Auch bei der Fragestellung, wie Teilhabe insgesamt ermöglicht werden kann, wurde eine Internetplattform angesprochen, auf der alle Angebote und Gruppen sowie Räume verzeichnet sein könnten. Als Treffpunkte könnten neutrale, offene Räumen dienen, wie es aus einer Gruppe hieß. 

In der folgenden Aussprache verwies ein Teilnehmer darauf, dass bei der Betrachtung vor allem die Menschen in den Blick genommen wurden, die der Unterstützung bedürfen. Er meinte, man müsste auch darüber nachdenken, was alle Personen in der Stadt für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Förderung des Demokratieverständnisses tun können. 

Angedacht ist, im Herbst einen Folgetermin zu planen. Petra Krebs (MdL) sagte: „Alles was man macht, kostet Geld“, und appellierte an die anwesenden Gemeinderäte, das Thema zu berücksichtigen. OB Lang dankte für die Dynamik der Veranstaltung, aus der sich viel gestalten lasse. Gleichzeitig bat er darum, keine Wunder zu erwarten.