Das Museum im Dorfstadel Leupolz feiert einen runden Geburtstag: Am 22. September 2024 beim Museumsfest wird auch das 20-jährige Bestehen gefeiert.
Der Dorfstadel öffnet ein Fenster in die Vergangenheit und zeigt viel vom Leben auf dem Land in früherer Zeit. Das Museum trägt den etwas sperrigen Namen „Museum ländliches Kulturgut“. Doch auf drei Stockwerken ist liebevoll arrangiert, was das Leben anno dazumal ausgemacht hat. So sind Erinnerungsstücke aus Handwerk, Haushalt und dem christlichen Leben in Werkstätten und Zimmern oder Abteilungen zu sehen. Zu den Höhenpunkten jeden Besuchs gehört das Probesitzen in den Holzbänken des Schulzimmers. Jedes Jahr am Museumsfest wird den Schaustücken Leben eingehaucht, weil sachverständige Menschen vor Ort zeigen und erklären, was es mit den schönen und interessanten Stücken auf sich hat.
Im Museum steckt sehr viel Ehrenamt
Dass das so möglich wurde, ist dem Ehrenamt zu verdanken. Nachdem der Dorfstadel Anfang der 80er Jahre frei wurde, weil die Familie Kiene mit ihrem Hof aussiedelte, wurde er zunächst von der Feuerwehr, dem Musikverein für deren Aktivitäten und vom damaligen Oberbürgermeister Dr. Jörg Leist als Abstellgelegenheit für allerhand Sammelstücke genutzt. Sie stammten von zahllosen Dachkammern in Scheunen und Höfen, aber auch von vielen weiteren Spenden. Bis heute kommen Stücke dazu. So übergab jüngst eine Dame ihren Pelzmantel, weil sie ihn nicht mehr tragen mochte. Ein Zeitdokument der Mode ist er allemal.
2004 fanden sich 13 engagierte Männer aus dem Dorf zusammen, die in rund 900 Stunden die einzelnen Objekte reinigten, wo nötig auch reparierten und zu einem sinnvollen Ganzen zusammenstellten. Der Vorsitzende des Heimat- und Museumsvereins, Walter Mohr, zitiert den Alt-OB. Er habe gesagt, es sei ein großes Wunder geschehen, dass sich die 13 Ehrenamtlichen gefunden haben, um das Museum aufzubauen. Mit seinem Sachverstand hat dabei auch Stadtarchivar Dr. Rainer Jensch gewirkt. Alles sieht aus, als ob jemand gerade die Arbeit niedergelegt hätte. Selbst der Wagen wird von einem Pferd gezogen – einem Holzpferd, das der damalige Gemeindearbeiter Hugo Fischer mit der Kettensäge aus einem Holz gesägt hat.
Museumsfest ist ein überwältigender Erfolg
Walter Achberger, der zu den Männern der ersten Stunde gehörte, erzählt mit einem großen Schmunzeln: „Unserem damaligen Ortsvorsteher Josef Werder ging alles nicht schnell genug. So hat er ohne zu fragen am 4. September 2004 einen Tag der offenen Tür angesetzt. Uns blieb nichts Anderes übrig, als zu öffnen.“ Und dann war der Erfolg so überwältigend, dass künftig immer am vierten Sonntag im September der Dorfstadel geöffnet und das Museumsfest gefeiert wurde. Achberger erhielt für seine langjährige ehrenamtliche Arbeit im Dorf beim Neujahrempfang 2024 aus den Händen von OB Lang die Landesehrennadel. Die Urkunde hängt im Dorfstadel, weil „ich allein das ja nicht hätte schaffen können“, wie der Ausgezeichnete bescheiden sagt.
In der Folgezeit waren die Mitglieder des Vereins zweimal im Monat im Museum, um zu werkeln und es auch offen zu halten. Über Jahre war der Dorfstadel auch ein Ort des Kinderprogramms in den Ferien. Mit den Jahren wuchs das Gelände. Im Zusammenhang mit der Entente florale 2007 in Wangen kamen der Weinberg samt Fass und der Kräutergarten „Himmelszipfele“ am Kirchberg dazu. Seit 2017 gibt es dort auch den originellen Froschbrunnen. Das Backhäusle steht seit 2015. Es war dem Ausbau der Gemeinschaftsschule in der Praßbergsiedlung in Wangen im Weg. Da Oberbürgermeister Michael Lang sehr am Erhalt des kleinen Gebäudes gelegen war, fand es eine neue Heimat vor dem Dorfstadel. Vor kurzem erst haben die Landfrauen den Ofen angeschürt und gebacken.
Das Programm
Und natürlich ist das Backhäusle auch in Betrieb, wenn am 22. September das Museumsfest gefeiert wird. Ab 11 Uhr sorgt der Museumsverein für Mittagsessen, Kaffee und Kuchen fällt ins Ressort der Landfrauen. Beim Fass am Kirchberg spielen die Alphornbläser. Auch wenn die Weinlese im vergangenen Jahr alles andere als üppig ausfiel und auch dieses Jahr nicht gut zu werden verspricht, wie Hermann Baumann sagt, gibt es Leupolzer Wein zu trinken. Besonders freuen sich Walter Achberger, Walter Mohr, sein Vorgänger im Amt, Franz Nieß, und Hermann Baumann, dass zum Museumsfest auch immer auswärtige Helfer dazukommen. Und noch schöner: „Das Fest wird von der ganzen Dorfgemeinschaft getragen“, sagt Walter Mohr.