Heidemarie Ramoser gehört zu den noch neuen Künstlerinnen und Künstlern beim Wangener Ostereiermarkt. Ihre Premiere hatte sie mit ihren charakteristisch dunkel grundierten Eiern im vergangenen Jahr und sie kommt wieder zum 40. Wangener Ostereiermarkt.
Anthrazit, Dunkelrot bis Purpur, aber auch ein ganz dunkles Grün - das sind die Hauptfarben, mit denen Heidemarie Ramoser ihren Eiern die Basis gibt. Diese Farben kommen aus der Natur. „Ich lasse die Farben geschehen“, sagt die Künstlerin. „In der Küche werfe ich alles in einen Topf: Zwiebeln, Tee, Gewürze und rote Beete – das alles ergibt eine dunkle Farbe.“ Und diese Farbe wirkt dann auf die Eier. Und auch hier „geschieht“ dann Vieles einfach so. Sehr selten ergibt sich eine einheitliche Grundierung, meist ist sie gefleckt, was allerdings erst beim genaueren Hinsehen sichtbar wird.
Sind die Eier getrocknet geht es an die Malerei, für die Heidemarie Ramoser genau zwei Farben verwendet: Weiß und Gold. Ihre Muster bezieht sie aus dem Christentum und der Natur. „Ostern ist das Hochfest der Christenheit. Deshalb verwende ich die königlichen Farben“, sagt sie und drückt dabei auch ihre eigene innere Haltung aus: „Ich sehe diese Kunst auch als Teil der Evangelisierung an.“
Geprägt ist die gelernte Glasmalerin in vielfältiger Weise von der Umgebung in ihrer Südtiroler Heimat. Der Großvater war Tapezierer und arbeitete täglich mit Farben und Mustern und Heidemarie Ramoser war von klein auf häufig in mit in seiner Werkstatt. Seit 50 Jahren singt sie im Kirchenchor und ist sehr sicher, dass die vielen schönen Kunstwerke, die sie dabei in den Kirchen und Kapellen zu sehen bekommt, sie in ihrem künstlerischen Schaffen beeinflussen. Und schließlich bringt die Natur in ihr Saiten zum Schwingen, weshalb sie gerne Blumen malt.
Die Kunst ist für Heidemarie Ramoser ein Teil ihres Lebens, der viel „in Ordnung bringt“. Und dazu gehört der Jahresrhythmus: Im Sommer wird nicht gemalt. Sobald der Herbst aufzieht, stellt sie Weihnachtskrippen her und dann sind die Ostereier an der Reihe. „Traditionen und Rituale erden mich. Und es ist mir ein großes Anliegen, sie auch weiterzugeben“, sagt sie. In ihren individuellen Kursen sieht sie, welche Freude die Beschäftigung mit dieser filigranen Kunst den Schülerinnen und Schülern bringt. So sind auch Freundschaften entstanden. Eine Frau aus Vorarlberg ließ vergangenes Jahr alle beruflichen Termine absagen, um sie in Wangen zu treffen.