Die Unternehmensgruppe De Dietrich ist seit Längerem dabei, sich für die Zukunft aufzustellen. Ein Teil dieses strategischen Prozesses war die Übernahme von Bolz Process Technology (BOLZ®-SUMMIX®) – nicht zu verwechseln mit Bolz Edel - in die Unternehmensgruppe. Der andere Teil ist die Planung eines Neubaus für De Dietrich Wangen an der Pfannerstraße auf dem bisherigen Parkplatz gegenüber von Diehl Ako.
Der Wangener Unternehmensteil von De Dietrich ist seit vielen Jahren als Spezialist in der Herstellung von Trocknern und Mischern weltweit erfolgreich, wie Geschäftsführer Alexander Pfleghaar erzählt. Eingesetzt werden diese Apparate vor allem in der Pharma-, Chemie- und Lebensmittelindustrie. Oder wie Pfleghaar schmunzelnd sagt: „Wir bedienen die Großen der Welt und sorgen für Genuss, Spaß, Mobilität und Gesundheit.“
Zu den Spitzenprodukten von De Dietrich gehört eine Laboranlage, mit deren Hilfe die Pharmaindustrie vergleichsweise günstige Tests bei der Herstellung neuer Präparate durchführen kann. Ein Teil dieser Anlage ist der Antriebsstrang, der für eine Durchmischung bei gleichzeitiger Trocknung der eingefüllten Materialien sorgt. Die Behältergröße bei diesem Produkt liegt bei 1,5 Liter, sagt Pfleghaar.
Das funktioniert mittels eines konischen Behälters, in dem ein so genannter Orbitalarm (Nauta-Prinzip) mit einer sich drehenden Schnecke eingebaut ist. Die Schnecke befördert den Inhalt so lange immer wieder am aufgeheizten Behälterrand nach oben und wälzt ihn damit um, bis er den richtigen Trocknungsgrad erreicht hat.
Eine Variante der Trockner aus dem Hause De Dietrich Wangen entzieht über ein spezielles Verfahren bei Nahrungsmitteln wie Kakao oder Kaffee die Bitterstoffe. Dieser Prozess wird mittels eines zylindro-konischen Behälters in Kombination mit einem zentralen Rührwerk erreicht.
Das Wangener Unternehmen baut Apparate wie diese aus einzelgefertigten Teilen zusammen, die laut Pfleghaar zumeist regional zugekauft und dann zusammengefügt werden. Das geschieht am Atzenberg in einer angemieteten Halle. Die Umstände dort sind allerdings so, dass ein Unternehmen, das sich im Vorwärtsgang befindet, auf die Dauer nicht sinnvoll arbeiten kann. Beispielsweise muss ein mobiler Kran in die Halle fahren, um Behälter zur Montage hineinbringen zu können und die fertigen Apparate zum Versand dann auch wieder hinaus. Das bedeutet Dieselemissionen, die nur dadurch abgemildert werden können, dass das große Hallentor offen stehen bleibt.
Weil die Situation der Besprechungs-, Sanitär- und Sozialräume untragbar geworden war, baute das Unternehmen auf einer Empore Containerlösungen ein. Die gesamte Unternehmensverwaltung und der Vertrieb sind an der Isnyer Straße in Sigmanns untergebracht. „Das sind nur wenige hundert Meter, aber in den Köpfen sind das manchmal Welten“, sagt Pfleghaar.
Um diese insgesamt unbefriedigende Situation zu beseitigen, plant das Unternehmen nun einen kompakten Neubau im Bereich Waltersbühl. Produktion und Verwaltung sollen unter ein Dach kommen. Aktuell arbeitet das Unternehmen auf 1900 Quadratmeter, verteilt auf drei Standorte, weil das Lager ebenfalls extern untergebracht ist. In Zukunft soll im Waltersbühl auf einer Fläche von rund 2600 Quadratmetern produziert werden. An die Halle soll sich ein Zwischenbau und ein Verwaltungstrakt anschließen. Eine Fläche von 500 Quadratmetern ermöglicht einen weiteren Bauabschnitt, wenn er gebraucht wird. Was diese bauliche Neustrukturierung wirtschaftlich für das Unternehmen bedeutet, lässt sich an einer einfachen Aussage festmachen: „Die Logistik spart pro Behälter zwei Tage Arbeit.“ Aktuell produziert De Dietrich acht bis zehn Behälter jährlich. Als Ziel nennt Pfleghaar zehn bis 15 Maschinen. Dass der von der Nachbarschaft genutzte Bolzplatz weichen muss, will das Unternehmen wettmachen. Geplant ist, gemeinsam mit der Stadt Wangen einen Fußball-Court aufzubauen.
Die Fassade wird mit aktueller Dämmtechnik ummantelt sein, so dass auch die Geräusche aus der Produktion draußen nicht wahrgenommen werden sollten. „Das lauteste Gerät ist die Säge und die wird schon am Atzenberg von den vorbeifahrenden Fahrzeugen übertönt“, sagt Pfleghaar. Hinzukommt dass das Unternehmen nicht an Wochenenden arbeitet.
Die Dächer der drei Baugruppen werden begrünt und mit Photovoltaikanlagen versehen. Dies ist nicht nur der Bauordnung geschuldet, sondern auch der Idee, vor Ort Ladestationen für Firmenfahrzeuge und jene der Mitarbeiter mit Eigenstrom zu speisen. Auch in anderer Hinsicht will sich das Unternehmen als attraktiver Arbeitgeber aufstellen. So soll es im Erdgeschoss neben Sozial- und Besprechungsräumen auch einen Aufenthaltsraum mit Eventküche geben, so dass gemeinsame Aktivitäten in den eigenen Räumen für die Mitarbeiter möglich werden. Als Alexander Pfleghaar 2017 zum Unternehmen stieß, hatte es 22 Mitarbeiter, mittlerweile sind es 43 – Tendenz steigend.
Das Bebauungsplanverfahren ist gestartet, nachdem der Gemeinderat für dieses Projekt den Aufstellungsbeschluss gefällt hat. Im Verlauf dieses Verfahrens werden die Anlieger und Nachbarn – wie es die Gesetzgebung vorgibt – informiert und angehört. Mit der Einleitung des Planungsverfahrens ist noch keine Entscheidung getroffen.