Sie gehört zu den Wahrzeichen der Region im Süden Wangens: die Kalvarienkapelle auf dem Berg in Niederwangen. Das Kleinod, das sich seit über 100 Jahren im Eigentum der in der Nachbarschaft lebenden Familie Klotz befindet, wurde nun mit dem Einsatz vieler Hände in Stand gesetzt. Am Sonntag wurde der Abschluss der Arbeiten gefeiert.
Noch vor dem Beginn des, von einem Quartett der Musikkapelle Niederwangen umrahmten Gottesdienstes ging Pfarrer Dr. Claus Blessing auf die Sanierung und den Erhalt der Kapelle aus dem 18. Jahrhundert ein. „Es ist ein außergewöhnliches Werk, das hier gelungen ist. Es ist Ihr Werk, liebe Familie Klotz“, sagte er. Es sei zudem beispielgebend für den Erhalt dieser Kulturlandschaft. Denn in Zukunft werde sich die Kirche auf das konzentrieren müssen, was sie finanzieren könne, sagte er. Eine solche Kapelle zu sanieren, koste viel Geld – nicht nur wegen der Baukosten, sondern auch, weil viele denkmalschutzrechtliche Vorgaben zu beachten seien. Deshalb werde der Erhalt unserer Kulturlandschaft künftig sehr vom bürgerschaftlichen Engagement abhängen.
Auf dieses Engagement gingen im Anschluss an den Gottesdienst alle Redner ein – allen voran Eigentümer Andreas Klotz und der Vorsitzende des Heimatvereins, Berthold Riether. 195.000 Euro waren laut Riether veranschlagt. Der Heimatverein brachte 125 Stunden an Eigenleistungen im Wert von 12.000 Euro ein, sodass die Kosten allein dadurch geringer ausfielen. Diese Summe bringen eine ganze Reihe von Akteuren auf: die Eigentümerfamilie, die Stadt Wangen, der Landkreis Ravensburg, die Katholische Kirchengemeinde Niederwangen, das Landesamt für Denkmalpflege und die Denkmalstiftung des Landes, die beiden regionalen Banken mit ihren Stiftungen bzw. Vereinen sowie das Förderprogramm LEADER. Der Heimatverein nahm über 30.000 Euro von Einzelspendern ein – und das nicht nur aus Niederwangen, wie Riether betonte, sondern auch aus dem Umfeld. „Die erste Spenderin war eine Wangenerin, für die dieser Ort immer etwas Besonderes war“, sagte Riether.
Andreas Klotz dankte allen, die das Projekt ermöglichten – ganz besonders Berthold Riether. „Diese Sanierung hätte es ohne ihn und seinen Ruhestand nicht gegeben“, sagte er. Denn Riether habe mit seiner Expertise aus 30-jähriger Verwaltungsarbeit die notwendigen, umfangreichen Anträge gestellt. In seinen Dank bezog Klotz auch Martin Schwenger, den Sanierungsbeauftragten der Stadt Wangen, ein, der sich mit großem Einsatz als Bauleiter betätigt habe und sich sowohl vor Baubeginn als auch jetzt im Nachgang um die geforderten Dokumentationen kümmere.
Schwenger ging auf die Schäden ein, die das Gebäude in Mitleidenschaft gezogen hatten. Durch das Dach drang Feuchtigkeit ein, was dem Holz zusetzte. Eberhard Alscher vom Büro für Baukonstruktion in Karlsruhe hatte als Tragwerksplaner die Kapelle 2014 untersucht und das Projekt zielgerichtet mit wirtschaftlichen Konstruktionen der Sanierung geplant und dokumentiert.
Nun wurde die Dachkonstruktion teilweise erneuert, an anderer Stelle wurden sogenannte Prothesen – also Teilstücke – eingebaut. Stolperstellen im Dachraum wurden beseitigt, das Tonnengewölbes wurde verspannt. Die Schindeln am Türmchen wurden ergänzt und defekte Bleche ausgewechselt. Das Kreuz über dem Chor wurde restauriert. Für all das seien gute Handwerker notwendig, sagte Schwenger und lobte alle, die an diesem Bau mitgewirkt hatten, für ihren Sachverstand und ihre Flexibilität. Wenn jetzt noch Risse zu sehen seine, sei dies Absicht. Das Holz arbeite noch. Im Frühjahr 2026 sollen dann auch diese Beschädigungen beseitigt werden.
Der Geschäftsführer der Regionalentwicklungsstelle Württembergisches Allgäu, Bernd Kaufmann, freute sich über das Projekt, das die Kultur im Allgäu bereichere. Denn dies sei nicht nur ein Kraftort, sondern ein lebendiger, von der Jugend und der Kirche, aber auch für kulturelle Ereignisse genutzter Ort – und nicht zuletzt sei er auch attraktiv für den Tourismus.
Am Ende dankte der Oberbürgermeister der gesamten Gemeinschaft, die zum Gelingen dieses „mittelgroßen Wunders“, wie er es nannte, beigetragen hatte. „Dies ist ein Musterbeispiel, das man sich merken sollte“, sagte er. Derzeit sei die Sattelkapelle in der Sanierung, und auch die Rochuskapelle in Wangen stehe an. Baustellen wie jene in Niederwangen leisteten auch einen Beitrag dazu, dass wichtiges Wissen für die Sanierung alter Gebäude nicht verloren gehe, sagte er.
Neben der Kapelle wurde gemeinschaftlich vom Heimatverein und Martin Schwenger eine rote Kastanie gepflanzt. Sie wird die innen hohl gewordene Linde auf der Nordseite ersetzen. Im Anschluss genoss die Festgemeinde bei heißer Suppe und Getränken den Austausch und die Melodien der Röthenbacher Alphornbläser.
BU. Die Fertigstellung der Sanierung ist nicht nur für die Eigentümer Ursula und Andreas Klotz (vorne) ein Grund zur Freude. Geldgeber, Unterstützer und Handwerker versammelten sich zur feierlichen Wiedereröffnung. Foto: Stadt Wangen / sum